Demonstranten der "Fridays For Future"-Bewegung in Berlin Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
Demonstranten der „Fridays For Future“-Bewegung in Berlin Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
„Privilegiert Blase“ mit „abgehobener Weltsicht“

„Fridays for Future“-Aussteiger: Klima-Demonstranten sind realitätsfern

BERLIN. Der „Fridays for Future“-Aussteiger Clemens Traub hat die Weltsicht führender Köpfe der deutschen Klima-Bewegung als „abgehoben“ bezeichnet. Viele der Anhänger hätten ihre „privilegierte Blase“ nie verlassen und daher wenig Ahnung von den Sorgen der Bevölkerung. Zahlreiche Klimaschützer seien nur im eigenen Milieu unterwegs und erlebten dort kaum Widerspruch. „Ich habe gemerkt, daß viele meiner Mitstreiter überzeugt waren, die einzige Wahrheit gepachtet zu haben“, sagte Traub der Welt.

Viele Anhänger von „Fridays for Future“ seien sehr behütet groß geworden. Daher verstünden sie nicht, daß der Klimaschutz für manche Deutsche „in ihrer sorgenvollen Situation vielleicht nur zweit- oder drittrangig ist“. Ihr Denken konzentriere sich stattdessen zunehmend auf eine Schwarz-Weiß-Vorstellung von Gut und Böse, schilderte Traub. Der Klimaprotest habe sich für ihn irgendwann wie ein „totaler, autoritärer Kampf gegen den Rest der Menschheit“ angefühlt.

Ihm habe besonders das Verständnis und Mitgefühl für diejenigen gefehlt, deren Leben durch die Klimaschutz-Maßnahmen gefährdet würde. Beispielsweise habe er eine damalige Mitstreiterin auf die drohende Arbeitslosigkeit für Beschäftigte in der Kohleindustrie aufmerksam gemacht. Diese habe erwidert: „Die bekommen dann ja Hartz IV.“

ARD-„Tagesschau“ räume Klima-Bewegung „unfaßbare Rolle“ ein

„Fridays for Future“ trete nur noch mit der absoluten Gewißheit auf, „moralisch auf der richtigen Seite zu stehen“. Kompromisse würden hingegen als „verwerflich“ betrachtet. „Viele Aktivisten sehen in demokratischen Prozessen mittlerweile einen Verrat an der Zukunft der Menschheit“, führte Traub aus.

Unterstützt würde die Klimabewegung massiv durch die Medien, beispielsweise die ARD-„Tagesschau“. Dort werde „Fridays for Future“ eine „unfaßbare Rolle“ eingeräumt. „Wir haben es mit einer absoluten Überrepräsentation in der urbanen, grünen Blase zu tun“, kritisierte Traub.

Schweizer Gericht verurteilt zwölf Klimaschützer wegen zivilem Ungehorsam

Er plädiere dafür, daß die Anhänger der Bewegung „rhetorisch herunterschrauben und den totalitären Wahrheitsanspruch ablegen“. Statt dem Sturz des Systems, wie Greta Thunberg ihn empfehle, müßten größere Länder wie China oder Indien davon überzeugt werden, sich ebenfalls der Umwelt anzunehmen.

Unterdessen hat ein Schweizer Gericht zwölf Klimaschützer wegen Hausfriedensbruch zu Geldstrafen verurteilt, wie die NZZ berichtete. Sie hatten 2018 in einer Filiale der Credit-Suisse Bank in Lausanne Tennis gespielt, um gegen die Investitionspolitik der Bank zu protestieren, die sich mit Werbeträger Roger Federer ein positives Image verschaffe, während sie Geld in klimaschädliche Projekte und Unternehmen investiere. (zit)

Demonstranten der „Fridays For Future“-Bewegung in Berlin Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

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