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Steffen Freund
Steffen Freund Foto: picture alliance

Urteil über Schalke-Profis
 

Nach Rassismusvorwurf: Ex-Nationalspieler Freund bereut Äußerungen

BERLIN. Der frühere Fußballnationalspieler Steffen Freund hat sich für Äußerungen entschuldigt, die ihm als Rassismus ausgelegt worden waren. Freund hatte am Sonntag in der Sport1-Sendung „Doppelpaß“ das Fehlverhalten der beiden Schalke-Spieler Amine Harit und Nabil Bentaleb unter anderem auf deren Herkunft zurückgeführt.

Harit war am vorvergangenen Wochenende nach einer schlechten Leistung gegen den VfL Wolfsburg ausgewechselt worden und ließ dabei Trainer Manuel Baum grußlos am Spielfeldrand stehen. Auch mit Mittelfeldspieler Bentaleb soll es an dem Tag Streitigkeiten gegeben haben. Beide wurden daher nach der Partie gegen Wolfsburg für rund zwei Wochen von der ersten Mannschaft suspendiert und müssen nun vorerst alleine trainieren.

Freund sagte zu dem Verhalten in der „Doppelpaß“-Sendung, er kenne Bentaleb persönlich. Dieser habe „unglaublich viel Talent“, sei „aber französisch-algerischer Herkunft“. Da müsse man „wissen, daß eine bestimmte Aggressivität, auch eine Disziplinlosigkeit schnell kommt, wenn er nicht derjenige ist, der gesetzt ist“.

Schalke widerspricht Freund

Auf Schalke sei „Malochen das Allerwichtigste“, erläuterte Freund, der in seiner aktiven Zeit selbst zwei Jahre bei den Knappen unter Vertrag stand, bevor er an den Rivalen Borussia Dortmund verkauft wurde. „Jeder Spieler muß bereit sein, sein Herz auszuschütten für den Verein. Und dann bin auch bei Harit: Auch er kann das natürlich nicht mit diesen Wurzeln. Also: Falsche Spieler gekauft – nicht von der individuellen Klasse her!“ Harit ist marokkanisch-französischer Herkunft.

Noch während der Sendung beteuerte Freund, er habe das nicht rassistisch gemeint. Bentaleb beispielsweise stamme mit seiner französisch-algerischen Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen. Es spiele eine Rolle, „wie du als Mensch aufwächst und wie deine Mentalität ist“.

Dennoch brandete in den sozialen Netzwerken schnell Kritik an Freunds Äußerungen auf. Tabellenschlußlicht Schalke twitterte: „Die Denkpause für Harit und Bentaleb hat nichts mit deren Wurzeln zu tun! Sowas hat für uns grundsätzlich nichts mit der Herkunft zu tun.“

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Am Abend dann meldete sich Freund selbst nochmals auf Twitter zu Wort: Jeder, der ihn kenne, wisse, „daß ich jede Form von Rassismus zutiefst verabscheue. Natürlich sind weder Hautfarbe, Glaube oder Herkunft für die Leistungen eines Spielers im Training und auf dem Platz entscheidend“, versicherte er. Niemand ärgere sich mehr über seine Worte als er selbst. Er wolle sich „aufrichtig entschuldigen“, daß er sich so mißverständlich ausgedrückt habe.

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Es ist nicht der erste Fall von Rassismusvorwürfen, der im Zusammenhang mit Schalke 04 für Schlagzeilen sorgt. Der frühere Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mußte beispielsweise seine Ämter ruhen lassen, nachdem er sich öffentlich über das Geburtenverhalten in Afrika Gedanken gemacht hatte. Tönnies hatte 2019 beim „Tag des Handwerks“ gesagt, statt höhere Steuern gegen den Klimawandel zu erheben, sollte man lieber 20 Kernkraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

Aber auch die Schalke-Anhänger sahen sich für ihr Verhalten bereits mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Im Februar beklagte der Abwehrspieler von Hertha BSC Berlin, Jordan Torunarigha, er sei während des DFB-Pokalspiels im Schalker Stadion von Anhängern der Heimmannschaft rassistisch beleidigt worden. Und bei der Partie der U-19-Mannschaften von Borussia Dortmund und Schalke im Oktober beschwerte sich das Dortmunder Nachwuchstalent Youssoufa Moukoko ebenfalls über rassistische Beleidigungen von den Schalke-Rängen. (krk)

 

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