Slavoj Žižek
Slavoj Žižek Foto: picture alliance/Ulrich Baumgarten
Plädoyer für eine „echte“ Linke

Slavoj Zizek wirft „Black Lives Matter“-Demonstranten Heuchelei vor

BERLIN. Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek hat „Black Lives Matter“-Demonstranten der Heuchelei beschuldigt. Die „protestierende Linke“ sei keine „echte“ Linke. Die weißen Anhänger der Bewegung gehörten fast ausschließlich der oberen Mittelschicht an und wollten sich einfach ungern schuldig fühlen. „Nicht die Opfer der sozialen Ungerechtigkeit demonstrieren, sondern die Privilegierten. Und wann immer die Privilegierten auf so eine Weise demonstrieren, lügen Sie“, betonte Zizek gegenüber der Welt.

Die „Black Lives Matter“-Anhänger forderten politische Korrektheit, die Entfernung von Statuen und die Bereinigung der gesamten westlichen Tradition, dabei seien einige in Ungnade gefallenen historischen Akteure die Vorväter des Anti-Rassismus.

Dennoch unterstütze er das Anliegen der Bewegung, Rassismus zu bekämpfen. Die geeigneten Mittel dafür sei die europäische Aufklärung. Darum sei es auch „Eso-Quatsch“ zu fordern, sich die „Weisheiten der Urvölker anzueignen“.

Zizek verteidigt Immanuel Kant vor „Black Lives Matter“-Kritik

„Black Lives Matter“-Anhänger hatten bei Protesten einige Statuen von Personen gestürzt, die ihrer Meinung nach Rassisten waren, etwa ein Denkmal für den Seefahrer Christoph Kolumbus im US-Bundesstaat Virginia.

Auch der deutsche Philosoph Immanuel Kant wurde beschuldigt „Mitbegründer des Rassismus“ zu sein. Zizek zeigte sich entsetzt darüber. Kant habe der Französischen Revolution zwar zwiespältig gegenübergestanden, im Prinzip habe er sie aber befürwortet.

Corona-Krise müsse durch linke Konzepte gelöst werden

Auch für die Bekämpfung der Corona-Krise schlug Zizek einen „echten“ linkspolitischen Lösungsansatz vor. Er befürworte eine global organisierte Gesundheitsversorgung und eine staatliche Kontrolle über Nahrung und andere grundlegende Dinge wie Strom und Wasser. „All das kann nicht dem Markt überlassen werden.“

Wegen der Pandemie befände sich die Menschheit aktuell in einem „rein politischen Moment“, der für Veränderungen genutzt werden könne. Er plädiere dabei für „starke Führer“ mit weiblichem Touch und Weitblick, wie etwa eine „linke Magaret Thatcher“.  (zit)

Slavoj Žižek Foto: picture alliance/Ulrich Baumgarten

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