Australiens Fußballnationalspielerinnen während der WM im vergangenen Juni in Frankreich Foto: picture alliance / NurPhoto
Sport und Geschlecht

Gleiches Gehalt für Fußballerinnen – wider die Wirtschaftlichkeit

Der Jubel in den sozialen Medien ließ nicht lange auf sich warten. Kaum war bekannt geworden, daß die australische Fußballnationalmannschaft der Damen künftig genau soviel verdienen werde wie die der Männer, frohlockte die internationale Twitter-Gemeinde. Von einem „historischen Tag“ war unter anderem die Rede. Auch die internationalen Medien bejubelten die Ankündigung.

Die Damen und Herren vom Fünften Kontinent werden demnach künftig gleichberechtigt an den Werbeeinnahmen und Prämien des nationalen Fußballverbands FFA beteiligt. Dazu können sie sich auch noch darüber freuen, daß sie nun 40 statt bisher 30 Prozent der Werbeeinnahmen erhalten.

Befürworter dieses Schritts hatten seit langem kritisiert, die Damenmannschaft sei ohnehin viel erfolgreicher als ihre kickenden Landsmänner. Ein Blick auf die Rangliste das Weltfußballverbands FIFA belegt das. Die Socceroos genannten Männer liegen derzeit auf Rang 44, die Fighting Matildas, wie die Nationalspielerinnen in Anlehnung an ein bekanntes Volkslied genannt werden, stehen auf dem 8. Platz.

Männerfußball ist eine Gelddruckmaschine

Bevor ähnliche Rufe auch in Europa lauter werden, sei noch auf ein paar nicht unwichtige Sachverhalte hingewiesen. Im Gegensatz zu internationalen Frauenfußballturnieren sind deren männliche Gegenstücke Milliardengeschäfte. Hinzukommt eine derartig dicht getaktete Abfolge von Liga-, Pokal- und Europapokalspielen, daß für die Spitzenmannschaften der Männer zwei Spiele pro Woche während einer Saison die Regel sind. Dementsprechend riesige Umsätze machen die Vereine mit ihren Sportlern.

Guckt man im Gegensatz dazu in der Sportschau gelegentlich eine Zusammenfassung eines Bundesligaspiels der Fußballerinnen, fallen die deutlich geringeren Zuschauerzahlen ins Auge. Da weniger Zuschauer weniger Einnahmen bedeuten, erklärt das auch, warum dieser Spielbetrieb keine vergleichbaren Gewinne wie die Männerbundesliga abwirft. Eine Zwangsangleichung der Gehälter zwischen männlichen und weiblichen Fußballern widerspricht der wirtschaftlichen Logik.

Zuschauer bevorzugen Männerfußball

Auch ein Blick auf andere Sportarten fördert ähnliche Gehalts-, aber auch Zuschauerunterschiede zutage. Der Sportfan, dessen Geld schließlich den ganzen Betrieb am Laufen hält, wählt aus dem vielfältigen Angebot offensichtlich das aus, was ihm zusagt. Unabhängig von der Leistung der Sportlerinnen zieht es die männlichen und oft eben auch weiblichen Fans zu den Männerwettbewerben.

Den lautesten Propagandisten der gleichen Sportlergehältern sei abschließend noch eine Frage gestellt: Wie oft schauen sie regelmäßig Frauenfußball oder haben gar mal ein Spiel im Stadion gesehen?

Australiens Fußballnationalspielerinnen während der WM im vergangenen Juni in Frankreich Foto: picture alliance / NurPhoto

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