Rüge und Streit

Bier, Frauen und Islam

Bier gilt gemeinhin als sozialer Schmierstoff. Vor allem in Bayern, wo die Wirtshauskultur nach wie vor als fester Bestandteil gehegt und gepflegt wird. Es ist also nur folgerichtig, wenn ein Wirt augenzwinkernd mit diesem bayerischen Klischee wirbt. So wie das Besitzerpaar des Hofbräuhauses Traunstein. Auf Bierdeckeln wirbt das Unternehmen mit dem Besitzerpaar in Tracht: Er gibt ihr ein Busserl auf die Wange; sie hält ein erfrischendes Weißbier in der Hand und freut sich natürlich – mehr über das Bier als über die männliche Zärtlichkeit. Darüber steht: „Hilft in Sekunden – wirkt für Stunden“.

Seit 2005 werben Brauereichef Maximilian Sailer und seine Frau Brigitte nach eigenen Angaben damit für ihr Wirtshaus. Doch nun hat das Bierdeckelmotiv den Deutschen Werberat auf den Plan gerufen. Die Werbung lasse den Eindruck entstehen, „daß sich der Konsum des Biers positiv auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau auswirkt“, heißt es in der öffentlichen Rüge. Und das Gremium merkt an: Die Brauerei habe genau diese Wirkungsaussage beabsichtigt.

Im Unterschied zu 2017, als der Werberat das Hofbräuhaus bereits einmal wegen angeblichen Sexismus gerügt hatte, war der Grund diesmal ein anderer. Die Brauerei habe gegen die von der Alkoholbranche mitgestalteten Verhaltensregeln für eine verantwortungsvolle Alkoholwerbung verstoßen. Rechtliche oder finanzielle Folgen hat die Rüge jedoch nicht.

„Islam uff hessisch“: Wirbel um Bierdeckel  

Auch in Hessen gibt es Aufregung um Bierdeckel. Die Stadt Maintal hat in Zusammenarbeit mit dem Verein Orient-Netzwerk unter dem Motto „Islam uff hessisch“ Pappuntersetzer herstellen lassen, auf denen in hessischem Dialekt Fragen zum Islam abgedruckt sind, die sich die Hessen oft stellen würden. So heißt es etwa: „De Mohammed – was war denn das eichendlich für aaner?“ Oder: „Wie is des bei de Muslime mittem Wuzzeflaasch?“

Dem türkischstämmigen Ausländerbeirat der Stadt, Salih Tasdirek, paßt das gar nicht. Ihn stört nicht der hessische Schmäh, sondern das Format Bierdeckel. Es dürfe nicht sein, daß Islam mit Alkohol in Verbindung gebracht werde, sagte Tasdirek laut Spiegel Online. Es würde ja auch im Ramadan beim Fastenbrechen kein Schweinefleisch serviert.

Stadt und Orient-Netzwerk weisen die Kritik zurück. Die Bierdeckel erfreuten sich großer Nachfrage. Außerdem seien die Antworten, die übrigens nur im Internet abrufbar sind, vom Vorsitzenden der Zentralrat der Muslime, Aiman Mazyek, sowie der Landeszentrale für politische Bildung gegengelesen worden.

Auch das Hofbräuhaus Traunstein beabsichtigt trotz der Rüge des Werberats nicht, sein Bierdeckelmotiv zu ändern. „Selbstverständlich halten wir an unserer Werbelinie fest“, teilte das Unternehmen mit. „Wenn man sich bei Gelegenheit wieder über uns echauffieren möchte – dann bittschön, nur zu!“ Und sollte es dann doch einmal zum Streit kommen: Die Wogen glätten lassen sich dann bestimmt bei einem Glas Gerstensaft.

Hofbräuhaus Traunstein, Bierdeckel: Alkohol und Frauen Foto: Hofbräuhaus Traunstein / picture alliance/imageBROKER / JF-Montage

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