CSD in Frankfurt
Teilnehmer des Christopher-Street-Day in Frankfurt am Main (2014): Forderung nach Sitz im ZDF-Fernsehrat Foto: picture alliance / dpa

Sexuelle Minderheiten
 

Homo-Lobby fordert Sitz im Fernsehrat

BERLIN. Mehrere Homosexuellen-Lobbyverbände haben eine Vertretung im ZDF-Fernsehrat gefordert. Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender nund Intersexuellen (LSBTI) werde auch „weiterhin die Teilhabe und Sichtbarkeit verweigert“, empören sich diese in einem offenen Brief.

„Mit dieser Ausgrenzung wird Diskriminierung in unerträglicher Weise fortgeschrieben.“ Hintergrund ist die anstehende Neubesetzung des ZDF-Fernsehrats. Zu dessen Aufgaben zählen unter anderem die Überwachung der Programmrichtlinien und die Einsetzung des ZDF-Intendanten.

„Fatales Signal“

Zu dem Protest aufgerufen haben neben der Schwulenzeitschrift Männer, der Initiative „Enough is Enough“ und dem Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) auch die Deutsche Aids-Hilfe. „Die Interessenverteter sexueller Minderheiten vom ZDF-Fernsehrat auszuschließen, ist nichts anderes als Diskriminierung“, begründete Vorstandsmitglied Winfried Holz das Engagement der Stiftung. „In Zeiten, in denen zunehmend homophobe Stimmen laut werden, ist das ein fatales Signal. Wir brauchen jetzt ein klares Bekenntnis zur Vielfalt!“

Dem LSVD zufolge sei es „unfassbar“, wenn sexuellen Minderheiten „auch im Jahr 2015 die Sichtbarkeit und Teilhabe“ an den Gremien des ZDF verweigert werde. „Gerade angesichts der auch in Deutschland wieder stärker zu vernehmenden homophoben und transphoben Stimmen, muss sich die Politik solch menschenverachtenden Haltungen entgegenstellen.“

Homosexuelle in der AfD lehnen Forderung ab

Der ursprüngliche Entwurf habe noch einen Sitz für einen Homosexuellenvertreter enthalten, berichtete das Magazin Männer. Nach dem Rücktritt des regierenden Berliner Bürgermeisters und bekennenden Schwulen Klaus Wowereit (SPD) sei dieser Passus aber verschwunden.

Auf Kritik stieß die Forderung in der Arbeitsgemeinschaft der Homosexuellen in der Alternative für Deutschland (AfD). Bundesprecher Mirko Welsch betonte, der LSVD sei nicht das Sprachrohr aller Homo- und Transsexuellen in Deutschland.

„Vielmehr haben wir mit dieser linksgrünen und linksliberalen Vereinigung nur eine Minderheit in der Minderheit. Für die Mehrheit der Homo- und Transsexuellen sprechen sie aber nicht. Wie auch nicht für die Konservativen. Und dabei ist im Regenbogen bekanntlich auch blau.“

Ko-Bundesprecher Alexander Tassis ergänzte: „Wie beim Zentralrat der Muslime haben wir hier eine laute, schrille Gruppe, die selbst nur einen Teil ihrer Minderheit anspricht. Dieser Lobbyismus bringt nur gewissen Funktionären Vorteile.“ (FA/krk)