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Steuern
 

Kirchenaustritt wird meistens finanziell begründet

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Geldmünzen, Kirchenmodell: Kirchensteuer zu hoch Foto: Pixelio/S. Hofschlaeger

BERLIN. Austritte aus einer der beiden großen Kirchen werden in Deutschland vor allem mit der Kirchensteuer begründet. Dies hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Internetportals der Apotheken-Umschau ergeben. Danach hat jeder siebte Deutsche (14,2 Prozent) einen Kirchenaustritt hinter sich. Die Mehrheit (59,6 Prozent) begründet diesen Schritt damit, daß die Kirchensteuer zu hoch war.

47,3 Prozent erklärten, nur ein geringes Interesse an Religion und Kirche zu haben. Ein Drittel (33,4 Prozent) gab an, sich nicht mehr mit den Zielen der Kirche identifizieren zu können. Jeder Vierte (25,2 Prozent) kehrte der Kirche den Rücken, um damit seine Kritik an führenden Kirchenvertretern zum Ausdruck zu bringen.

Zahl der Kirchenaustritte um 29,5 Prozent gestiegen

Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) befragte 1.917 Frauen und Männer ab 14 Jahren, darunter 272 Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind. Die Kirchensteuer ist an die Lohn- bzw. Einkommensteuer gekoppelt. Dem Kirchenmitglied werden je nach Bundesland acht oder neun Prozent als Kirchensteuer abgezogen. Die Zahl der Kirchenaustritte in Deutschland war 2008 um 29,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Insgesamt sagten sich in diesem Zeitraum 290.056 Mitglieder von beiden großen Kirchen los. Die 22 evangelischen Landeskirchen verloren 168.901 Personen durch Austritte, die katholische Kirche 121.155. Von den rund 80 Millionen Einwohnern Deutschlands gehören 25,2 Millionen zur katholischen und 24,5 Millionen zur evangelischen Kirche. Rund 26 Millionen sind konfessionslos.

Milliardenverluste bei Steuerreform

Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge drohen den beiden großen Kirchen zudem Verluste in Milliardenhöhe, sollte sich die FDP mit dem von ihr geforderten Stufentarif bei der Einkommensteuer durchsetzen.

Bei der evangelischen Kirche hätte die Entlastung der Steuerzahler nach eigenen Angaben zur Folge, daß 50 Prozent der Gehälter ihrer Pfarrerschaft nicht mehr bezahlt werden könnten. Daher versuchten derzeit führende Vertreter beider Konfessionen, in Gesprächen die Bundesregierung von entsprechenden Plänen abzubringen. (idea/vo)

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