Frau erschießt Mann

Gewalt gegen Frauen: Oper in Florenz schreibt „Carmen“ um

FLORENZ. Das Opernhaus in Florenz hat für seine veränderte Fassung des Klassikers „Carmen“ Spott und Kritik geerntet. Grund dafür ist das vom neuen Intendanten Cristiano Chiarot angeordnete Finale, bei dem nicht mehr Carmen von ihrem Ex-Liebhaber Don José erstochen wird, sondern sie ihn erschießen soll.

Das geänderte Finale hatte bereits vor der Erstaufführung am Sonntag für Schlagzeilen gesorgt. Chiarot wollte damit ein „Zeichen gegen die Gewalt an Frauen“ setzen, sagte er der italienischen Tageszeitung La Repubblica. „In einer Zeit, in der unsere Gesellschaft geplagt ist von Frauenmorden, wie kann man bei der Ermordung einer Frau klatschen?“

Auch Regisseur Leo Muscato zeigte sich zunächst verwundert. „Carmens Todesschicksal ist das Kernelement der Oper. Warum sollte man es ändern, fragte ich zuerst. Dann habe ich begriffen, daß Chiarots Position vernünftig ist. In der Oper muß die Frau sich opfern, um ihre Freiheit zu verteidigen. Das ist ein heute sinnloser Gesichtspunkt.“

Das Publikum quittierte die Vorstellung mit Buh-Rufen und Pfiffen, nicht nur weil die Pistole klemmte, und Don José deshalb an einem „Herzinfarkt“ starb. „Florenz versenkt die neue ‚Carmen‘, die nicht stirbt“, kommentierte das Blatt im Anschluß. Wenn die Oper politisch korrekt sein solle, müsse eine Vielzahl an Werken umgeschrieben werden, bemerkte die Zeitung La Stampa. Das wäre aber „endlos langweilig und irreal“.

Der Florentiner Bürgermeister Dario Nardella verteidigte unterdessen die Entscheidung, Carmen überleben zu lassen. Auf Twitter schrieb er, es sei eine kulturelle, soziale und ethische Botschaft gewesen, die die zunehmende Gewalt gegen Frauen in Italien an den Pranger stelle. (ha/ls)

„Carmen“-Aufführung (Symbolbild): Oper will Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen Foto: dpa

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