Köstlich überladen

Die langlebigste und erfolgreichste Serie von Filmen um den von dem schottischen Arzt und Schriftsteller Arthur Conan Doyles (1859–1930) ersonnenen legendären Meisterdetektiv Sherlock Holmes und seinen skurrilen Adlatus Dr. Watson  entstand in den Jahren 1939 bis 1946 in den USA. Vor allem durch ihre exzellente Besetzung mit dem unverwechselbaren Basil Rathbone, der in der Titelrolle Überlegenheit und Eleganz verkörperte, und Nigel Bruce als seinem zwischen Biedersinn und Naivität angesiedelten Gefährten, trug die vierzehnteilige Serie entscheidend dazu bei, das Genre der Detektiv-Filme und besonders der Doyle-Verfilmungen aus den Niederungen des B-Films zu reißen und respektabler zu machen. Um so löblicher ist es, daß sämtliche 14 Spielfilmklassiker der beliebten Reihe nebst umfangreichem Bonusmaterial nun kürzlich bei Koch Media in einer digital restaurierten Fassung als „Sherlock Holmes Collection“ erschienen sind.

Von Beginn an zeigt sich Rathbone als sehr viktorianischer Detektiv, der bei aller Brillanz und Rationalität durchaus exzentrische, ja sogar neurotische Züge aufweist und auch mit dem Okkulten bestens vertraut scheint. So klären Holmes und Watson im ersten Film der Serie „The Hound of the Baskervilles“ (Der Hund von Baskerville, 1939) im düsteren Dartmoor einen mysteriösen Mordfall auf. Die stimmige Atmosphäre, der Nebel, die Schatten, die einsamen Straßen, die dramatischen Unwetter und die köstlich überladenen Interieurs, all dies ist dem klassischen Horrorfilm eng verbunden.

Die noch im gleichen Jahr unter der Regie von Alfred Werker entstandene Fortsetzung „The Adventures of Sherlock Holmes“ (Die Abenteuer des Sherlock Holmes) knüpft direkt an diesen Erfolg an. Diesmal steht Holmes seinem Erzfeind Professor Moriarty (George Zucco) gegenüber, der die Kronjuwelen entwendet hat. Straff geschrieben, geistreich im Dialog und nuanciert in der Zeichnung der Hauptfiguren wird auch hier die Nähe zum phantastischen Genre deutlich.

Die 1942 von den Universal-Studios weitergeführte Serie der „Sherlock Holmes“-Filme hat außer den beiden Hauptdarstellern mit den zwei recht erfolgreichen Erstlingen indes nur noch wenig gemeinsam. In „Sherlock Holmes and the Voice of Terror“ (Die Stimme des Terrors, 1942) haben der geniale Detektiv und sein Freund die Aufgabe, eine Invasion der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs zu vereiteln.

Offenbar war dieser Beitrag zur mythologischen Vaterlandsverteidigung unerläßlich, doch ist ausgerechnet dieser Auftaktfilm im Dienst der damals gängigen Anti-Nazi-Propaganda aus Hollywood inszenatorisch der schwächste der ganzen Reihe. Die dem Trend der Zeit gemäße Verlegung der Handlung in die Gegenwart und die damit verbundene Entfremdung des viktorianischen Detektivs von seiner Umwelt schaden sowohl der Konzeption als auch der Darstellung.

Kurzweiliger und vergnüglicher ist dagegen der ebenfalls 1942 entstandene Film „Sherlock Holmes and the Secret Weapon“ (Die Geheimwaffe), obwohl auch er in die Anti-Deutschland-Propaganda Hollywoods eingespannt ist und dadurch leider viel von seinem arglosen Charme einbüßt. „The Woman in Green“ (Die Frau in Grün, 1945), in dem es der Meister mit einer mysteriösen Mordserie in London zu tun bekommt, bei der dem Opfer stets der rechte Daumen abgehackt wird, und wo schließlich auch sein alter Gegenspieler Professor Moriarty wieder auftaucht, zählt hingegen wegen seiner guten Dialoge und Schauspieler zu den besten und spannendsten Filme dieser einmaligen Sammler-Edition.

Als Extras bietet die DVD-Kollektion Audiokommentare, alternative Synchronfassungen, ein Interview mit Holmes’ deutscher Stimme Walter Niklas, alternative Vor- und Abspanne, Trailer, Bildergalerien und drei Holmes-Radiohörspiele mit Basil Rathbone und Nigel Bruce.

DVD: Sherlock Holmes Collection Superbox (14 DVDs). Koch Media, Planegg/München 2009, Gesamtlaufzeit etwa 951 Minuten

Foto: Sherlock Holmes (Basil Bathbone) und Dr. Watson (Nigel Bruce): Berühmtestes Detektivgespann der Geschichte

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