Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Schaurig

Zur „Schwarzen Serie“, auch als amerikanischer Film Noir bekannt, zählen jene Hollywood-Filme der 1940er und frühen 1950er Jahre, die die Welt der dunklen, schlüpfrigen Großstadtstraßen, des Verbrechens und der Korruption porträtieren. Diese Reihe von Kriminal- und Detektivfilmen entstand nach Werken etwa von Dashiell Hammett, Raymond Chandler oder James M. Cain, und namhafte Regisseure wie Otto Preminger, Billy Wilder, Stuart Heisler, Edward Dmytrik und Robert Siodmak leisteten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Film Noir.

Typisch für dieses Genre ist vor allem seine düstere, fatalistische Atmosphäre, die auf die amerikanischen Gangsterfilme der 1930er Jahre, den französischen „poetischen Realismus“ eines Carné und Duvivier, das Sternbergsche Melodrama und auf die deutschen Kriminalfilme des Expressionismus (Fritz Langs Mabuse-Zyklus) zurückgeht. Auch in Robert Siodmaks Oscar-nominiertem „Der schwarze Spiegel“ kommen charakteristische Elemente wie die Ambivalenz von Beziehungen, moralischen und metaphysischen Zuständen, nackter Gewalt und einem raffiniert ausgeklügelten Spiel mit der Wahrheit perfekt zum Ausdruck. Spannend inszeniert, trickreich erzählt von Drehbuchautor Nunnally Johnson und glänzend gespielt, ist „The Dark Mirror“ ein Thriller ganz besonderer Klasse.

Zum Inhalt: Doktor Perada wird in seiner Wohnung ermordet aufgefunden. Was sich für Polizeileutnant Stevenson (Thomas Mitchell) zunächst als scheinbar klarer Fall darstellt, entpuppt sich jedoch als total verzwicktes und verworrenes Puzzlespiel. Zwar haben mehrere Zeugen die junge Terry Collins (überragend: Olivia de Havilland) zur Tatzeit beim Verlassen der Wohnung des Opfers beobachtet, aber Terry, die mit dem angesehenen Arzt ein Liebesverhältnis hatte, kann dem Polizisten ein perfektes Alibi vorweisen.

Als Stevenson daraufhin noch einmal die Wohnung aufsucht, erwartet ihn dort eine große Überraschung: Terrys Zwillingsschwester Ruth (ebenfalls Olivia de Havilland). Gemeinsam mit dem Psychiater Scott Elliott (Lew Ayres) versucht der Detektiv nun dem Verbrechen auf den Grund zu gehen und stößt dabei auf ein erotisch-familiäres Wespennest aus Neurosen, latenter Aggressivität und ungezügelter Bosheit. Schließlich ist es der verliebte Psychiater, der die schaurige Wahrheit an den Tag bringt.

Als Extras bietet die DVD ununter anderem den Originaltrailer und eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial.

DVD: Der schwarze Spiegel. Film Noir Collection 5, Koch Media, Planegg 2009. Laufzeit etwa 82 Minuten

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