Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Heidnisch

Nur wenige Filme der Siebziger bereiten einem bis heute ungetrübten Genuß. Eine dieser Raritäten ist „The Wicker Man“. 1973 von Robin Hardy gedreht, war er bis vor kurzem nur als UK-Import auf DVD zu finden. Um so erfreulicher ist es, daß nun endlich sowohl die Kinoversion als auch der 15 Minuten längere Director’s Cut in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln erschienen ist.

Als Extras bietet die Special Edition zudem eine Einführung zum Film, die Dokumentation „The Wicker Man Enigma“ und ein Interview mit Hardy und Christopher Lee. Letzterer hält den „Wicker Man“ immer noch für seine beste Arbeit und schäumt heute noch vor Wut darüber, wie stiefmütterlich dieser wahrlich ungewöhnliche Film vom Verleih damals behandelt wurde.

Zum Inhalt: Auf der Suche nach einem verschwundenen Mädchen gelangt der Polizeibeamte Howie (Edward Woodward) auf die westlich von Schottland gelegene Summerisle. Schockiert bemerkt der Puritaner und tiefgläubige Anglikaner, daß Kirche und Friedhof übel heruntergekommen sind und das Inselvölkchen mit der christlichen Religion offenbar nichts im Sinn hat. Die trinkfesten, sanges- und tanzfreudigen Insulaner pflegen sich hingegen im Mondlicht öffentlich zu paaren und sind auch sonst recht freizügig. Nur von der verschwundenen Rowan will niemand etwas gesehen oder gehört haben. Als Howie schließlich Lord Summerisle (Christopher Lee) kennenlernt, klärt dieser ihn auf, daß auf der Insel alte keltisch-heidnische Naturgottheiten verehrt werden, und antwortet auf Howies empörte Frage „Wo ist hier Gott?“ lächelnd: „Oh, der ist tot. Aber er kann sich nicht beklagen. Er hatte eine faire Chance.“

Howies weitere Nachforschungen ergeben, daß Rowan sehr wohl auf Summerisle lebte, nun aber angeblich tot sein soll. Doch als er ihren Sarg öffnet, findet er nur einen toten Hasen. Sein Versuch, auf dem Festland Verstärkung zu holen, mißlingt, da sein Wasserflugzeug defekt ist. Er muß noch eine Nacht bleiben. Bei einem Mai-Ritual am nächsten Tag, an dem die Inselbewohner die Götter um eine reiche Ernte bitten, trifft er schließlich nicht nur auf die vermißte Rowan, sondern entdeckt die ganze bittere Wahrheit …

„The Wicker Man“, 1974 auf dem Pariser Fantasy- und SF-Festival als Bester Film des Jahres ausgezeichnet, ist von erfreulicher Originalität und erbarmungsloser Konsequenz, zumal wenn man den Film mit dem unsäglichen Remake von 2006 vergleicht (JF 16/07). Ein echter Geheimtip!         

DVD: The Wicker Man. 2 Disc Special Edition, Kinowelt, Leipzig 2009. Laufzeit: ca. 84 Minuten und ca. 99 Minuten

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