Bis heute unaufgeklärt

Am 30. November 1989, drei Wochen nach der deutsch-deutschen Maueröffnung, wurde auf Alfred Herrhausen ein Attentat durch eine Sprengfalle verübt; die Aufklärung dieses Mordanschlags auf den damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank ist den Ermittlungsbehörden bisher immer noch nicht gelungen. Am Tatort fand man ein Bekennerschreiben nach Machart der RAF, spekuliert wird auch über die Beteiligung von ausländischen Geheimdiensten oder der Staatssicherheit.

Alfred Anton Herrhausen wurde am 30. Januar 1930 in Essen geboren. Aufgrund überdurchschnittlicher Noten besuchte der ehrgeizige Schüler ab dem Herbst 1942 die Reichsschule der NSDAP in Feldafing. Herrhausen sagte später, er habe „preußische Tugenden mitgenommen“, die ihm in seinem Leben „weitergeholfen haben“. Dort habe er gelernt, fleißig, pünktlich und verläßlich zu sein.

Nach sehr gutem Abitur, kürzester Studienzeit und dem Abschluß als Diplom-Volkswirt begann er seine Karriere bei der Ruhrgas AG, im Jahr 1955 machte er seinen Doktor und wechselte zu den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen. Im Jahr 1970 kam er in den Vorstand der Deutschen Bank und begleitete Privatisierungen, Fusionen und Übernahmen von zahlreichen Unternehmen. Alfred Herrhausen war bekennender Patriot und liebte sein Heimatland, die Demokratie, Diskussionen und Widerspruch. Er war überzeugt, daß sich immer das Bessere durchsetzen würde. Er forderte, daß „alle Menschen die Möglichkeit bekommen, sich zu bilden – die Chancen also gleich sind; daß die besonders Begabten und Fähigen besser sein dürfen, ja besser sein sollen …“

Herrhausen trat für eine soziale Marktwirtschaft ein; wichtig war ihm jedoch, daß nicht der Staat den Menschen umsorgt, sondern daß der Mensch alle Freiheiten erhält, um für sich selber aufkommen zu können. Er warnte früh vor der demographischen Entwicklung und der damit verbundenen Rentenproblematik. Er erkannte rasch die Chancen und Gefahren der Globalisierung, die Auswirkungen für die Wirtschaft und die Wichtigkeit der asiatischen Märkte. Die Deutsche Bank sollte bei ihm jedoch auch immer „ein menschliches Gesicht bewahren“. Herrhausen unterstrich dies im Jahr 1987 durch den spektakulären Vorschlag, den Dritte-Welt-Ländern einen Teil ihrer Schulden zu erlassen. Bereits vor dem Fall der Mauer nutzte er als einer der letzten Vertreter der „Deutschland AG“ seine Kontakte in der Sowjetunion, um die Möglichkeit einer deutschen Einheit zu sondieren. An der aktiven Gestaltung dieses Prozesses ließ ihn der feige Mordanschlag nicht mehr teilhaben.

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