Leipziger Allerlei

Erst vor wenigen Wochen gab der Brockhaus-Verlag bekannt, daß er die neue Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie – die mittlerweile 21. – nur noch als Internet-Ausgabe veröffentlichen wird. Eine traditionelle Papierausgabe des Nachschlagewerkes gibt es damit nach mehr als 200 Jahren Lexikon-Geschichte nicht mehr. Als wesentlicher Grund für diese Entscheidung wird von Fachleuten der Erfolg des kostenlosen Internet-Konkurrenzproduktes „Wikipedia“ vermutet. Der Verlag kündigte bereits die Entlassung von fünfzig Mitarbeitern an, welche bislang an der Produktion der traditionellen Buchausgabe sowie am Vertrieb der Brockhaus-Enzyklopädie beteiligt waren. Markiert diese Entscheidung bereits unumkehrbar den Zeitpunkt, an dem das Internet dem Medium Buch endgültig den Rang abläuft? Ohne Zweifel wird diese Frage auch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse (Eröffnung am 13. März) für einen regen Meinungsaustausch zwischen Verlegern, Medienexperten und dem breiten Publikum sorgen, ist letzteres doch direkt an der Entscheidung beteiligt, welche Zukunft die einzelnen Medien haben werden. Mit dem Schwerpunkt Kroatien setzt die Leipziger Buchmesse auch 2008 erneut auf Mittel- und Osteuropa. Dennoch erfolgte die Auswahl keineswegs nur aus dem Grund, an einer herkömmlichen Tradition festzuhalten: Bereits seit 2003 bestehen enge Kontakte zwischen der Leipziger Buchmesse und ihrem kleinen, lokalen Pendant, welches im jährlichen Abstand in Pula/Istrien stattfindet. Beide Messen haben seither einen regen Austausch von Autoren initiiert: 2004 besuchte Thomas Brussig Pula; nur ein Jahr später erschien die Übersetzung seines Romans „Helden wie wir“ in kroatischer Sprache. Luko Paljetak war 2005 Gast in Leipzig, Veit Heinichen 2005 in Pula, Igor Grbić 2006 in Leipzig, Hans Thill 2006 in Pula und Žarko Paić 2007 in Leipzig. Nun können auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse diese befruchtenden Begegnungen fortgesetzt werden. Neben einer größeren Anzahl von etablierten Autoren werden auch viele Vertreter der jungen kroatischen Schriftstellergeneration an die Pleiße kommen und den Versuch unternehmen, in einer Vielzahl von Lesungen und Gesprächsrunden das Publikum für ihr Land zu begeistern. Besonders interessant dürften dabei gerade die Positionen dieser Schriftsteller zur nationalen Frage und zu Nationalitätenfragen überhaupt sein. Wie stellen sie sich die Zukunft ihrer seit den 1990er Jahren wieder eigenständigen Republik vor? Wie sehen sie die jüngsten Entwicklungen auf dem Balkan wie die Unabhängigkeit des Kosovo? Und wie kann eine nachhaltige Versöhnung bzw. ein Zusammenleben zwischen den Parteien erfolgen, die sich noch vor wenigen Jahren blutige Kämpfe lieferten? Aber auch wer sich für solche Fragen weniger interessieren sollte, wird in Leipzig 2008 erneut auf seine Kosten kommen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Leipzig liest!“ kann das Publikum aus einer Fülle von vielen hundert Veranstaltungen auswählen, die neben dem allgemeinen „Mainstream“ auch den ausgefallenen Literaturgeschmack befriedigen dürften. Freunde alter bibliophiler Köstlichkeiten werden ihrer Liebhaberei im Rahmen der 14. Antiquariatsmesse – zu der 77 Antiquariate ihr Kommen angekündigt haben – nachgehen können. Ebenfalls findet erneut in Leipzig zur gleichen Zeit die Comic-Messe „Comics in Leipzig“ statt, inklusive des Manga-Talente-Wettbewerbs mit einer Preisverleihung.

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