Karriere oder Gottesstaat

Alle Bezieher des Spiegel-Studentenabonnements werden zweimonatlich mit einer zielgruppengerechten Sonderausgabe von Stefan Austs Magazin beliefert, die den geistreichen Titel UniSPIEGEL trägt. Das Heft ist marginal kleiner und bei weitem weniger umfangreich als sein großer Bruder. Allein durch die Schrifttypen des Begriffs „Spiegel“ im Titel – natürlich weiß mit Schattierung auf rotem Hintergrund – ist sofort erkennbar, daß es sich um ein Hamburger Verlagsprodukt handelt. Jedoch ist das Blatt optisch wesentlich lockerer aufgemacht und viel stärker bebildert, weil man diesbezüglich anscheinend auf die Leserschaft Rücksicht nehmen muß. In der aktuellen Ausgabe 1/2007 ist der Beitrag „Allahs Avantgarde“ der wachsenden Zahl Kopftuch tragender muslimischen Studentinnen gewidmet. Vor wenigen Jahren noch seien an deutschen Hochschulen kaum Studentinnen mit Kopftuch anzutreffen gewesen, heute kämen rund ein Drittel aller muslimischen Studentinnen mit Kopftuch zur Uni, wird der Leiter des Zentrums für Türkei-Studien zitiert. Erstaunlich offen stellt Faruk Sen fest, daß es in der Türkei in öffentlichen Gebäuden wie Universitäten verboten sei, das Haar zu verhüllen, und daher „streng Religiöse, die es sich leisten können“, an Hochschulen außerhalb der Türkei studierten. Ferner beobachte Sen, daß Studentinnen von islamischen Gruppen „stark beeinflußt und instrumentalisiert“ würden. Trotz dieser klaren Aussagen meint der Verfasser des Beitrags, daß diese Frauen „keinen Gottesstaat errichten, sondern Karriere machen“ wollten. Zum selben Thema bringt das Magazin ein Interview mit der Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz, die sich vehement gegen das Tragen von Kopftüchern wendet, weil es für eine politische Haltung stehe, die Frauen eine bestimmte Rolle zuweise. Zur Überraschung des Lesers zitiert die Grünen-Politikerin eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, der zufolge immer mehr Akademikerinnen aus ihrem Glauben heraus ein Kopftuch tragen. Ferner ergab die Studie, daß mehr als zehn Prozent der akademisch gebildeten Musliminnen einen Gottesstaat für richtig halten. Unter der Überschrift „Sex and the Campus“ erfährt man, daß Studenten an amerikanischen Universitäten seit einiger Zeit Nackt-Magazine herausgeben, die gerade einen Boom erleben. Derzeit habe das Thema „Sex“ selbst in die Lehrpläne Einzug gehalten, und zwar in Gestalt der „Porn Studies“. Die University of Wisconsin subventioniere sogar Seminare, in denen diese Inhalte praktisch ausgeübt würden. Angesichts der derzeitigen Amerikanisierung der Universitäten mag sich der Student in Deutschland verwundert die Augen reiben ob dieser überraschenden Perspektiven. „Bachelor of Porn Studies“ als berufsqualifizierender Abschluß? Der Spaß vergeht aber beim Betrachten des Fotos einer ergrauten Berkeley-Professorin, die mit dem Satz „Wir müssen Pornos ernst nehmen“ zitiert wird. Ob das die muslimischen Studentinnen mit Kopftuch genauso sehen, geht aus den beiden Beiträgen leider nicht hervor. Anschrift: Spiegel-Verlag, Brandstwiete 19, 20457 Hamburg, Internet: www.unispiegel.de

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