Grußbotschaften aus dem Glashaus

Oft sind das Wie und das Wo wichtiger als das Was. So auch im Falle des verurteilten RAF-Terroristen Christian Klar, der auf Begnadigung durch den Bundespräsidenten hofft und über den eine riesige öffentliche Diskussion entstanden ist. Klar hatte in einer „Grußbotschaft“ für eine PDS-geleitete Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin gesagt, man müsse „die Niederlage der Pläne des Kapitals vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufmachen“. Nun überschlagen sich einige Politiker, allen voran Guido Westerwelle und Günther Beckstein, in Empörungsschreien und nehmen Klars Worte als „Beweis“, daß er „nichts gelernt“ habe und nicht entlassen werden dürfe. Das Gezeter für sich genommen wirkt deprimierend. Ist es bei uns jetzt schon verboten, kapitalismuskritische Äußerungen zu machen? Muß man unbedingt „systemkonform“, nämlich der Meinung von Westerwelle und Beckstein sein, um nicht dauerhaft im Knast zu verschwinden? Wo kommen wir hin? Aber die Angelegenheit hat noch eine andere Seite, eben das Wie und Wo. Klar sagt ja nicht einfach seine Meinung, sondern er verschickt „Grußbotschaften“, die von kommunistischen Altkadern vor „Konferenzdelegierten“ bombastisch „verlesen“ werden. Er entfacht einen riesigen Rummel, steigt auf zum „Mann der Stunde“, sahnt ab, zunächst Medienpräsenz, bald vielleicht auch hohe Geldsummen. Und genau das spricht gegen ihn. Er ist seinerzeit ja nicht als „Kämpfer gegen das Kapital“ verurteilt worden, sondern als eiskalter Vielfachmörder. Sein Teil wäre, wo immer er sitzt oder geht, das Schweigen, mindestens. Daß er statt dessen öden Politstil radebrecht und im Beifall der Genossen badet, spricht gegen ihn.

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