Symphonisch

Trotz Globalisierung und Hollywood-Hegemonie hat die englische Sprache in Frankreich immer noch einen vergleichsweise schweren Stand. So wacht die Académie française darüber, daß Anglizismen übersetzt oder durch „neuerfundene“ französische Wörter ersetzt werden. Ein 1994 verschärftes Sprachgesetz („Loi Toubon“) soll dafür sorgen, daß Französisch nicht zu Franglais degeneriert. Seit dem Jahr 2000 müssen alle Unterhaltungssender mindestens 40 Prozent französischsprachige Musik bringen. Bei Verstößen gegen das Gesetz drohen Geldstrafen. Selbst britische Rock- und Popgrößen nehmen eigens französische Versionen auf, um im dortigen Rundfunk öfter gespielt zu werden. Das ist wohl auch ein Grund dafür, daß es nur wenige französische Gruppen gibt, die nicht in ihrer Muttersprache singen. Eine solche Ausnahme ist das 1998 vom Tastenvirtuosen Philippe Giordana gegründete Quintett Fairyland, das sein zweites Album „The Fall Of An Empire“ jetzt bei einer österreichischen Plattenfirma veröffentlicht hat. Napalm Records aus Eisenerz haben passend zum Namen ihrer Heimatstadt vor allem metallische Bands aus ganz Europa unter Vertrag – und Fairyland decken den episch-symphonischen Bereich ab. Über eine Stunde wird Klassik-beeinflußter Metal geboten, der stark an die Italiener von Rhapsody (JF 15/05) erinnert. „The Fall Of An Empire“ erzählt die zweite Episode der Geschichte des Phantasielandes Osyhria, das den Legionen Cenos unterliegt und so 500 Jahre versklavt wird. Im Gegensatz zu ihrem (jetzt wiederveröffentlichten) Debütalbum „Of Wars In Osyhria“, wo mit Elisa C. Martin (zuvor Sängerin der spanischen Metaller Dark Moor) noch eine Dame am Hauptmikro stand, ist diesmal mit Maxime Leclercq ein Franzose für den weiterhin englischen Gesang verantwortlich. Unterstützt wird er dabei von zahlreichen Chorälen, die sich organisch zwischen die flotten Gitarren- und Synthiepassagen einfügen. Leider nur bei den letzten drei Titeln sind mit Flora Spinelli von Kerion und Sarah Layssac von The Outburst zwei französische Gastsängerinnen zu hören. Ebenfalls aus Frankreich kommt der Gitarrist Stefan Forté, der vor zehn Jahren das renommierte Centre Musical Créatif de Nancy (CMCN) absolviert hat. 2001 veröffentlichte der mutmaßliche Yngwie-Malmsteen-Anhänger mit seiner Band Adagio das erste Album „Sanctus Ignis“, das wie der Nachfolger „Underworld“ (2003) noch stark an sein Flitzefinger-Vorbild aus Schweden erinnerte. Sein neuestes Album „Dominate“, jetzt bei der spanischen Firma Locomotive Records erschienen, überrascht beim ersten Hören. Statt des Engländers David Readman (im Hauptberuf Sänger der deutschen Metaller Pink Cream 69) ist nun der Brasilianer Gus Monsanto für den (weiter englischen) Gesang hauptverantwortlich. Musikalisch geht es nunmehr in Richtung der US-Progressiv-Metaller Dream Theater – allerdings sind die sieben neuen Adagio-Lieder meist wesentlich kürzer. Zum Abschluß der nicht mal eine Dreiviertelstunde langen CD gibt es eine Metallisierung des 1982er-Filmhits „Fame“ der US-Sängerin Irene Cara. Aus Schweden stammen die Musiker von Dragonland, die mit „Astronomy“ (Century Media) ihre vierte Platte vorlegen. Das Sextett um Leadgitarrist Olof Mörck, aus dessen Feder die meisten Kompositionen stammen, bietet abwechslungsreichen melodischen Metal, schnelle Gitarrenpassagen paaren sich mit reichlich Bombast- und Orchester-Elementen sowie symphonischen Klängen. Neben Hauptsänger Jonas Heidgert ist eine Gastsängerin zu hören. In „Beethoven’s Nightmare“ wird der Bonner Meister im Stil von Ritchie Blackmore zitiert. Zum Abschluß gibt’s dann die viertelstündige Trilogie „The Old House On The Hill“.

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