Geschichte, wo sie einst geschah

Eine wiederholte Verschiebung von Ausstellungseröffnungen konnte man der Leitung des Berliner Deutschen Historischen Museum (DHM) seit der Gründung im Jahr 1987 noch nie zum Vorwurf machen. Doch bezüglich der Dauerpräsentation zur Deutschen Nationalgeschichte mußte Museumschef Hans Ottomeyer seine Voraussagen bereits mehrfach korrigieren: Nun soll am 3. Juni die über siebenjährige Wartezeit ein Ende haben und das Zeughaus am Prachtboulevard Unter den Linden wieder für Ausstellungsbesucher seine Tore öffnen. Bereits zwischen 1994 und 1998 wurden die Außenfassaden saniert und der Innenhof mit einem Glasdach versehen. Zum Jahresanfang 1999 begann die aufwendige Umgestaltung der Innenräume und die Vorbereitung der Mitte der neunziger Jahre konzipierten Dauerpräsentation, die den Titel „Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen aus zwei Jahrtausenden“ trägt. Die Ausstellung zeigt mehr als 8.000 Objekte Mit der Eröffnung der neuen Ausstellung knüpft das DHM an eine nahezu hundertjährige Tradition des Gebäudes an. Das zweigeschossige Zeughaus, welches nicht nur zu den schönsten Barockbauten, sondern auch zu den herausragenden Baudenkmälern Berlins überhaupt zählt, wurde in den Jahren 1698 bis 1706 unter Friedrich I. errichtet. Ein Teil der Gestaltung des Hauses beruht auf Entwürfen des Architekten Andreas Schlüter, so die Masken sterbender Krieger im Innenhof. Die äußere Form folgt dagegen hauptsächlich Plänen François Blondels, eines Hofbaumeisters Ludwigs XIV., und seines Schülers Jean de Bodt. Nachdem das Zeughaus seine langjährige Funktion als Arsenal für Kriegswaffen der Armee im Jahr 1875 verlor, begann 1880 die Umgestaltung in ein Museum, in dessen Mittelpunkt bis zum Zusammenbruch des Dritten Reiches eine Dauerausstellung zur Entwicklung von Waffen vom Mittelalter bis zum 19., später auch 20. Jahrhundert stand. Seit den siebziger Jahren diente das Zeughaus als Sitz des Museums für Deutsche Geschichte der DDR. Bis zum Zusammenbruch des kommunistischen Systems wurde hier eine Dauerausstellung präsentiert, in der die von der SED als „fortschrittlich“ bezeichneten deutschen Traditionen ihren Platz finden sollten, die von den Sklavenaufständen über die Bauernkriege, die Befreiungsschlachten gegen die napoleonische Fremdherrschaft und den Kampf um einen demokratischen Nationalstaat bis zum „sozialistischen Aufbau“ reichten. Im Zuge der Vereinigung von West- und Mitteldeutschland wurde das Zeughaus im September 1990 dem DHM übertragen und seit 1991 für Sonderausstellungen genutzt. Für die jetzige Darstellung der deutschen Geschichte vom 1. Jahrhundert vor Christi Geburt bis 1994 – dem Jahr des Abzugs der alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges vom Territorium des wiedervereinigten Deutschland – steht eine Fläche von 7.500 Quadratmetern zur Verfügung. Der Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der Neuzeit; vom frühen 19. bis zum späten 20. Jahrhundert. Mehr als 8.000 Objekte – Dokumente, Gemälde, Bücher, Plakate, Textilien, Möbel, Maschinen, aber auch Objekte der Alltagskultur – werden präsentiert, ergänzt mit Multimedia-Stationen und zahlreichen museumspädagogischen Angeboten. Ziel der Ausstellung ist nach Angaben des DHM, den Besuchern einen „spannenden und erkenntnisreichen Rundgang durch die wechselvolle deutsche Geschichte im europäischen Zusammenhang“ zu ermöglichen, der „nach individuellem Interesse bestimmt werden kann“.

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