Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Die Neigung zum Katholizismus

Theologisches, die im 36. Jahrgang erscheinende „Katholische Monatsschrift“, beginnt in ihrer aktuellen Ausgabe eine Artikelreihe zum Thema der Eigenart des katholischen Glaubens. Sie basiert auf einer Vorlesung, die der Fundamentaltheologe Joseph Schumacher im Wintersemester 2004/05 an der theologischen Fakultät der Albert-Ludwig-Universität (Freiburg i. Breisgau) gehalten hat. Der Autor zahlreicher wissenschaftlicher Werke ist zudem Mitglied der Päpstlichen Akademie für Theologie sowie der Pontificia Academia Mariana Internationalis. Schumacher zitiert zunächst den protestantischen Religionswissenschaftler Friedrich Heiler, der vor über acht Jahrzehnten über die starke Anziehungskraft der römischen Kirche schrieb und feststellte, daß Benediktinerklöster wie Maria Laach „zu Wallfahrtsstätten von Nichtkatholiken geworden sind, die sich für die dort gepflegte klassisch-katholische Liturgie begeistern“. Immer mehr nähere die im deutschen Protestantismus um sich greifende hochkirchliche Bewegung sich der römischen Kirche an: „Noch ausgedehnter ist die Konversionsbewegung in England. Ganze anglikanische Konvente und Klöster treten zur Kirche Roms über. Eine starke katholische Propaganda fördert und steigert die bereits vorhandene Neigung zum Katholizismus. Die römische Kirche macht heute gewaltige Anstrengungen, um alle von ihr getrennten Christen im Orient und Okzident zurückzugewinnen. Am Grab des hl. Bonifatius wurde eine Gesellschaft zur Widerverereinigung der christlichen Konfession gegründet …“ Schumachers Schlußfolgerung, daß diese Situationsbeschreibung „weit weg von der gegenwärtigen Situation“ sei, kann man nur zustimmen. Bewunderte der evangelische Theologe Adolf von Harnack an der katholischen Kirche „die Tatsache, daß sie sich nicht mit den weltlichen Mächten verschwistert hat“ und dadurch den Gedanken der Selbständigkeit der Religion und der Kirche aufrechterhalten habe, und schrieb der englische Historiker Macauly am Ende des 19. Jahrhunderts: „Es gibt und gab nie auf der Erde ein Werk menschlicher Staatsklugheit, welches unserer Prüfung so wert wäre wie die römisch-katholische Kirche“, ist die gegenwärtige Situation eine völlig andere. Gezeichnet von der „Gefahr eines Warenhaus-Katholizismus“, meide man heute aus Angst vor Assoziationen wie mangelnder Liberalität und Rückständigkeit sogar das Attribut „katholisch“. Doch spielt man damit nur einem falschen Indifferentismus und feigen Relativismus in die Hände. Das sieht auch Walter Hoeres so, der in seinem Beitrag „Schuld oder Verhängnis?“ die Geschichte des unglücklichen Bewußtseins der Gegenwart mit seinem Agnostizismus und seiner puren Wohlfühlensethik sowie der Vergötzung des autonomen Subjekts kritisch unter die Lupe nimmt. Der Kampf gegen den berühmten Zeitgeist und seine fürchterlichen Auswirkungen müsse jedoch nicht so sehr als moralische, sondern als geistige Auseinandersetzung geführt werden. Doch statt an Thomas von Aquin orientierten sich heute viele Theologen an Kant, der die „Verfallsgeschichte des modernen Bewußtseins“ weitergetrieben habe. Anschrift: Verlag Nova & Vetera e. K., Bataverweg 21, 53117 Bonn. Das Jahresabo kostet 20 Euro.

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