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„Da war einer schlechter als der andere“

Der deutsche Nachkriegsfilm hat vergleichsweise wenige echte international anerkannte und berühmte Stars hervorgebracht. Curd Jürgens, O.E. Hasse, Peter van Eyck, Horst Buchholz, Hildegard Knef und Romy Schneider wären hier zu nennen und nicht zuletzt Hardy Krüger. Am 12. April 1928 in Berlin geboren, wollte der technikbegeisterte Krüger ursprünglich Ingenieur werden, es zog ihn jedoch auch zur Bühne. Den fünfzehnjährigen blonden und blauäugigen NS-Eliteschüler entdeckte der Regisseur Alfred Weidenmann dann auf der Ordensburg Sonthofen und engagierte ihn vom Fleck weg für seinen Film „Junge Adler“. Es war einer der sogenannten „Erziehungsfilme“, die während des Krieges die Jugend zu Vertrauen, Disziplin und Kameradschaft anhalten sollten, und Krüger spielte neben Dietmar Schönherr einen jener „jungen Adler“, während Willy Fritsch als salopper Ausbilder agierte. Das Drehbuch zu dem mit den NS-Prädikaten „Staatspolitisch und künstlerisch wertvoll“ ausgezeichneten und nach 1945 von den Alliierten verbotenen Film stammte übrigens von Herbert Reinecker, der als Kriegsberichterstatter der Waffen-SS fast alle Schlachtfelder kennengelernt hatte und in der Bundesrepublik als Autor zahlloser Fernsehkrimis zu späten Ehren kam. Pünktlich zu Hardy Krügers 77. Geburtstag wurde nun im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main die Sonderausstellung zu seinem Leben und Werk eröffnet: „Filmstar, Autor, Weltenbummler“. Chronologisch in drei Blöcke unterteilt zeigt die Ausstellung Plakate, Filmausschnitte, Fotografien, persönliche Briefe, Manuskripte, Bücher und sogar eine Wüstenecke aus Robert Aldrichs Film „Der Flug des Phoenix“ (1965), in dem Krüger einen kalt rechnenden deutschen Techniker spielt, dem das Wunder gelingt, aus den Trümmern eines zur Notlandung in der Wüste gezwungenen Flugzeugs ein neues zu bauen, mit dem sich die Gruppe retten kann. Zur Eröffnung war der in Kalifornien lebende Star mit seiner dritten Frau angereist. Gratulationen gab es von seinen Kollegen Pierre Brice und Loni von Friedl, mit der er 1961 unter der Regie von Victor Vicas „Zwei unter Millionen“ drehte, die Liebesgeschichte eines jungen Paares aus Ost-Berlin, das sich in West-Berlin um den Erwerb einer Kneipe als Lebensexistenz bemüht. Nur wenige Monate vor dem Bau der Mauer gedreht, verband der Film gekonnt die typische Berliner Stadtatmosphäre mit den privaten und beruflichen Problemen seiner Hauptpersonen. Gleichwohl gab sich Krüger vor den Plakaten seiner Nachkriegsfilme ziemlich unbeeindruckt: „Da war einer schlechter als der andere!“ Überhaupt liege ihm der Blick zurück nicht besonders. Sprach’s und zog sich mit Frau und Freunden zurück. Immerhin nahm er später einige Filme von seiner harschen Kritik aus, gestand jedoch auch, daß es ihn immer zum englischen, französischen und amerikanischen Film gezogen habe, ins „richtige Kino“ eben! In Hollywood wurde er mit einem Oscar geehrt Auf „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“ (1956) mag Krügers Kritik ja zutreffen, aber es gibt durchaus auch deutsche Filme mit ihm, die sich heute noch sehen lassen können. „Ich und Du“ zum Beispiel, 1953 von Alfred Weidenmann inszeniert und von Herbert Reinecker geschrieben, oder „Alibi“ (1955) wiederum von Weidenmann und Reinecker. „Banktresor 713“, 1957 gedreht, verlegt den legendären Bankeinbruch der Brüder Sass von 1929 ins Berlin der fünfziger Jahre. Abermals steuerte Reinecker hier das Drehbuch bei. Im gleichen Jahr entstand „Einer kam durch“ von Roy Ward Baker, in dem Krüger den deutschen Fliegeroffizier Franz von Werra spielt, der aus verschiedenen britischen Kriegsgefangenenlagern ausbricht. Immerhin wurde der Schauspieler mit diesem spannend inszenierten Kriegsfilm auch international bekannt. 1961 bot ihm Howard Hawks neben John Wayne, Red Buttons, Gerard Blain und Elsa Martinelli eine Hauptrolle in „Hatari!“ an, einem in Tanganjika spielenden Abenteuerfilm um eine Gruppe Tierfänger. In einer Vitrine der Ausstellung bezeugt eine von Wayne geschenkte Gürtelschnalle die Freundschaft der beiden Stars. Bei den Dreharbeiten entdeckte Krüger seine Liebe zu dem afrikanischen Land, die ihn nie mehr losließ. Schließlich erwarb er für sich die Farm Momella. Über die Jahre, die er dort verbrachte, hat er mehrere Bücher geschrieben. Am wenigsten bekannt sind Hardy Krügers französischen Filme. Mit Lino Ventura und Charles Aznavour drehte er 1960 „Taxi nach Tobruk“, wieder eine typische „Uniform-Rolle“, er spielte den Ritterkreuzträger Hauptmann von Stegel, der von einem französischen Stoßtrupp in der Wüste gefangen wird, seinen Kriegsgegnern aber allmählich sympathisch wird. Für „Sonntage mit Sybill“ wurde er in Hollywood sogar mit einem Oscar als „bester ausländischer Schauspieler“ geehrt. Krüger spielt einen früheren Indochina-Piloten und Halbinvaliden, der in einem Pariser Vorort eine zarte, von allen Lolita-Motiven gereinigte Freundschaft mit einem zwölfjährigen Mädchen beginnt, die jedoch von mißgünstigen und verständnislosen Nachbarn zerstört wird, „Der Franziskaner von Bourges“ (1968) fand Ende der sechziger Jahre in Deutschland keinen Verleih. Krüger, durch seine eigene jugendliche Verblendung während des Nationalsozialismus geprägt, bestand darauf, die Filmreihe zur Ausstellung mit diesem Film zu eröffnen, der zeigt, wie die Gestapo im besetzten Frankreich ihre Gefangenen folterte. Aber nicht nur seine internationalen Filme, sondern vor allem sein gesellschaftspolitisches Engagement ließen ihn zu einer Art Botschafter der jungen Bundesrepublik Deutschland werden. Er setzte sich für Willy Brandt ein, bezog in den USA als Pazifist Stellung gegen den Vietnam-Krieg und engagiert sich aktuell in diversen, zuweilen allerdings ein wenig dubiosen Projekten gegen „Rechtsextremismus“. Auch dies ist gewiß seiner Jugend im Dritten Reich geschuldet. Das dritte Kapitel im Leben Hardy Krügers – neben seiner Filmkarriere und seiner Autorschaft – ist das des Weltenbummlers durch Dschungel und Wüsten, auf Bergen und Meeren, dessen interessante Reiseberichte seit achtzehn Jahren im Fernsehen ein Millionenpublikum faszinieren. Ein weiteres Buch- und Theaterprojekt mit dem schönen Titel „Zarte Blume Hoffnung“ soll gegen Ende dieses Jahres vorgestellt werden. Es geht um zwei Liebende im noch geteilten Berlin, die mit Briefen über die Mauer hinweg ihre Liebe aufrechterhalten. Wer erinnert sich da nicht an das junge Liebespaar in „Zwei unter Millionen“? Schöner kann ein Kreis sich wohl kaum schließen. Foto: Hardy Krüger (r.) in dem Film „Der Flug des Phoenix“, 1965: Es zog ihn immer zum englischen, französischen und amerikanischen Film Die Ausstellung im Deutschen Filmmusuem, Schaumainkai 41, ist noch bis zum 19. Juni täglich außer montags 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Sa. ab 14 Uhr, zu sehen. Info: 069 / 21 23 88 30

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