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Archiv-Preziosen

Als München 2003 den 250. Jahrestag der Eröffnung des vom Architekten François Cuvilliés dem Älteren erbauten Residenztheaters feierte, besann man sich auf jenes Werk, mit dem dies Juwel des Bayerischen Rokoko einst eröffnet wurde: der Oper „Catone in Utica“ des lange Zeit im Dienst der Wittelsbacher wirkenden Komponisten Giovanni Battista Ferrandini (1710 – 1791). Eine Abschrift der Musikalien schlummerte bis dato in der Dresdner Landesbibliothek und wurde von Ensemblemitgliedern des Theaters am Gärtnerplatz samt einigen Gästen und der Neuen Hofkapelle München unter Christoph Hammer wieder zum Leben erweckt. Seit einiger Zeit liegt nun ein Mitschnitt dieser Aufführung und damit ein weiterer Beweis dafür vor, daß in den Archiven – neben alltäglicher und wenig bemerkenswerter Musikproduktion der Altvorderen – hin und wieder echte Preziosen zu finden sind. Die alte Partitur steht jedenfalls dem prachtvoll weiß-rot-güldenen Innenraum des Cuvilliés-Theaters an Kunst keineswegs nach. Das Textbuch stammt von Pietro Metastasio, der zu seiner Zeit wichtigsten Quelle für Opernlibretti. „Catone in Utica“ erzählt vom Konflikt zwischen Caesar und dem Republikaner Cato, und da antike Politik allein noch kein rechtes Thema für eine Barockoper ist, schiebt Metastasio seinem Cato mit Marzia eine Tochter unter, die sich ausgerechnet in Caesar verliebt. Arbace, ein in Marzia wiederum verliebter Numiderfürst, sorgt für zusätzliche Turbulenzen wie auch Emilia, die den Tod ihres Gatten Pompeius an Caesar rächen möchte. Zuletzt stürzt sich Cato – von Caesars Truppen bei Utica besiegt – in sein Schwert, Marzia gibt Caesar den Laufpaß, der wiederum tritt seinen Lorbeerkranz in den Staub: Der Preis der Macht ist manchmal hoch. Die auf drei CDs dokumentierte Aufführung kann sich hören lassen. Die Neue Hofkapelle musiziert stimmig und mit einigem Schneid, gibt jedoch Ferrandinis Musik genug Atem, um lyrische Passagen und reizvolle Klangwirkungen entfalten zu können. Auch die Sänger schlagen sich bemerkenswert gut durch die mit Koloraturen und Zierwerk reichhaltig verfeinerten Arien, wenngleich gelegentlich nicht zu überhören ist, daß es sich nur teilweise um Spezialisten für diese Art von Musik handelt, wie etwa im Fall von Simone Schneider (Marzia) oder Sandra Moon (Emilia). Die beiden Sängerinnen verfügen zwar über Erfahrungen in diesem Repertoire und über hinreichende vokale Kompetenz, ein letztes Aufgehen in Ferrandinis Musik bleibt dem Hörer jedoch vorenthalten. In gewissem Sinn trifft dies auch für den Tenor Kobie van Rensburg zu, der zwar mit der Musik des 18. Jahrhunderts vertrauter ist als seine Kolleginnen, dessen gelenkiges Organ aber von Ferrandinis hohen Anforderungen stark in die Pflicht genommen und bisweilen zu monochrom geführt wird. Jedoch sollte man es mit der Kritik nicht zu weit treiben, denn „Catone in Utica“ ist alles andere als einfach zu besetzen. Besser hätte sich allerdings die Partie des Arbace besetzen lassen. Der Altist Johnny Maldonado ist schlicht zu schwach bei Stimme. Eine gewisse Schwäche sieht man hingegen Robert Crowe nach, denn der amerikanische Sänger bringt einen reizvollen Aspekt ein: Crowe ist ein Sopranist, und man ist schon froh, wenn diese Spezies die Noten tatsächlich auch trifft und nicht in jedem zweiten Takt distoniert. Crowes Stimme verfügt über ein schönes, mitunter verträumt samtenes Timbre und Koloraturen klingen bei ihm gelegentlich wie die Stimmakrobatik von Bobby McFerrin. Ferrandinis Kastrat dürfte bei der Uraufführung kräftiger geklungen haben, Crowes Kunst läßt diese vergangene Zeit aber immerhin stark erahnen.

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