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Zum Tode des 20.-Juli-Kämpfers Carl Szokoll

Fünfmal hat er mich fast erwischt – der Tod. Ich stehe mit ihm auf du und du“, offenbarte Carl Szokoll erst vor sechs Wochen im Fragebogen der JUNGEN FREIHEIT. Nicht nur im Kampf gegen die äußeren Feinde Deutschlands, an den Fronten des Zweiten Weltkrieges, wo der Tod ihn so hart anging, daß er – knapp entkommen – nur noch garnisonsverwendungsfähig im Wiener Generalkommando XVII Dienst tun konnte, stellte sich der damalige Wehrmachtsoffizier dem Sterben, sondern auch an der „Heimatfront“, im Kampf gegen den inneren Feind, Adolf Hitler. Statt in Sicherheit das Ende des Krieges abzuwarten, schloß sich Szokoll den Männern des 20. Juli als „unser Mann in Wien“ (Stauffenberg über Szokoll) an. „In der Tradition des tausendjährigen Österreich zum Soldaten ausgebildet“, wie Szokoll betonte, wurde dem 1915 in Wien geborenen jungen Soldaten des Hoch- und Deutschmeisterregiments das Ethos des christlich-abendländischen Offiziers eingeprägt. So war er 1938 voller Abscheu, als er mit ansehen mußte, wie nach der „Machtergreifung“ in Wien „alte Männer und schwangere Frauen unter dem Gejohle der Menge mit Zahnbürsten das Pflaster putzen mußten“. Das persönliche Zusammentreffen mit Graf Stauffenberg begeisterte Szokoll, im Interview mit der JF beschrieb er ihn als einen „Schill’schen Offizier“: „So müssen sie ausgesehen haben, die Offiziere, die Preußens Ehre gegen Napoleon retten wollten. Das linke Auge hinter einer Binde versteckt, blickte er mich aus dem rechten um so zuversichtlicher, strahlend, lachend, mit einer inneren Gelassenheit, wie sie nur Soldaten haben, an“ (JF 30/01). Die Hoffnung, den Sturz des Nationalsozialismus und „einen ehrenhaften Frieden für Deutschland zu erreichen“, so Szokoll, habe ihn 1944 erneut alles wagen lassen. Und anders als in Berlin gelingt den Offizieren in Wien der Staatsstreich: Parteifunktionäre verhaftet, SS entwaffnet, die Wehrmacht beendet hier – wie in Paris – die Herrschaft Hitlers vollständig. Doch muß der Sieg preisgegeben werden – die Kameraden in Berlin scheitern. Szokoll und seine Männer jedoch bleiben gegen Hitler „im Felde unbesiegt“. Damals ahnte er noch nicht, daß auf den Kampf des der Kampf um den 20. Juli folgen würde: „Wenn heute dem Widerstand der konservative, nationale und patriotische Beweggrund vorgeworfen wird, so halte ich das für ein politisches Schlagwort, das nichts mit dem 20. Juli zu tun hat, sondern lediglich Ausdruck der politischen Gesinnung gewisser Leute ist“, äußerte Szokoll nach dem Krieg. Inzwischen als Filmproduzent erfolgreich, verwirklichte er Meilensteine des deutschen Nachkriegsfilmes wie Bernhard Wickis „Die Brücke“ oder G. W. Papsts „Der Letzte Akt“. Seine Lebenserinnerungen veröffentlichte Szokoll 2001 unter dem Titel „Die Rettung Wiens“ (JF 47/01). Als zweiter Festungskommandant der Stadt versucht der Major zwar den sinnlosen Endkampf zu verhindern – allerdings, wie Kritiker anmerken, in offener Zusammenarbeit mit der Roten Armee und so wohl kaum in Übereinstimmung mit den Absichten des 20. Juli. „Nicht aufhören, Wünsche, Ziele haben“ formulierte Szokoll soldatisch noch kurz vor seinem Tod. Der Unbändige überlebte die Rache der niederen Dämonen dank seiner Kameraden, die 1944 „schweigend in den Tod gingen, ein Wort von ihnen, und mein Leben wäre verwirkt gewesen“. Nun, 60 Jahre später, in der Nacht vom 24. auf den 25. August 2004, ist Szokoll ihnen nachgefolgt.

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