Historischer Wert

Millionen Peter-Maffay-Fans hierzulande können sich freuen: Zwei lange vergriffene Live-Videos des erfolgreichen Deutschrockers sind jetzt von Warner Music Vision (WMV) im DVD-Format neu auflegt und mit teilweise hochspannendem Bonusmaterial angereichert. „Deutschland ’84 (live)“ zeigt ein nahezu vollständiges Konzert Maffays, das am 7./8. September 1984 in der Dortmunder Westfalenhalle mitgeschnitten wurde und nun in hervorragender Klang- wie Bildqualität auf DVD vorliegt. Den Hauptteil des Programms machte das seinerzeit aktuelle Album „Carambolage“ aus. Die bis heute aus den über 40 Produktionen Maffays positiv hervorstechende LP war sehr blues- und rocklastig geraten. So steigt Maffay zu Beginn des rund zweistündigen Konzerts mit drei schnellen Rockstücken ein: „Schatten in die Haut tätowiert“, „Draußen ist es wirklich heiß“ und der leicht surrealen Verlierergeschichte „Das Paradies ist nur geliehen“. Begleitet wurde Maffay von Frank Diez (Gitarre), Bertram Engel (Schlagzeug), Jean-Jacques Kravetz (Klavier) und Karl Georg „Steffi“ Stephan (Baß). An der zweiten Gitarre verdingte sich der junge Niederländer Johan Daansen. Weitere personelle Glanzlichter: der Saxophonist Eddie Taylor, der Maffays Kompositionen eine gehörige Portion Soul einhauchte, sowie Maffays langjähriger Intimus Johnny Tame. Neben weiteren „Carambolage“-Titeln und einigen Cover-Versionen („It’s all over now, baby blue“, „Born to be wild“) kamen auch Maffays eigene große Hits nicht zu kurz, darunter „Eiszeit“, „Liebe wird verboten“ und „Über sieben Brücken mußt Du gehen“. Ein spritziges, mitreißendes Konzert in bester Maffay-Manier. Als besonderes Schmankerl enthält die DVD das vollständige Videoalbum „Sonne in der Nacht“ von 1985 als Bonus. Maffay war der erste einheimische Künstler, der sämtliche Songs einer LP mit Kurzfilmen unterlegte, die nicht nur größtenteils sehr ansprechend ausfielen, sondern auch sein schauspielerisches Talent zeigen. Musikalisch präsentiert sich Maffay auf „Sonne in der Nacht“ mit gehobener Rock-/Popmusik; man hört Mid-Tempo-Songs („Alter Mann“), klassisch inszenierte Streicherballaden („Die Sucht, die Leben heißt“), aufmunternde Hymnen („Für immer“) oder schnellen, harten Rock mit Punkattitüde („Hey, Himmelstor“). Von der Intensität des 84er-Mitschnitts ist die zweite von Warner Music Vision auf den Markt geworfene DVD „Peter Maffay – Live ’87“ ein gutes Stück entfernt. Anfang 1987 war es Maffay ermöglicht worden, einige Konzerte in der DDR zu absolvieren. In der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle durfte Maffay, der in seiner Jugend in Rumänien bereits einiges von der Repression und geistigen Unfreiheit in einer kommunistischen Diktatur am eigenen Leib spüren mußte, achtzehn Lieder aufführen. Unter dem Titel „Zu Gast in Berlin“ übertrug das DDR-Staatsfernsehen ein Programm, das sich hauptsächlich aus Songs der zuvor erschienenen LPs „Sonne in der Nacht“ (1985) und „Tabaluga und das leuchtende Schweigen“ (1986) zusammensetzte. „Live ’87“ besitzt historischen Wert, besonders in Anbetracht der zeitbedingten Umstände des Konzerts, aber auch hinsichtlich Maffays ungewohnter Wortkargheit auf der Bühne – man spürt förmlich, wie er sich immer wieder auf die Zunge beißen mußte, um bloß nichts „Konterrevolutionäres“ von sich zu geben. Das Bonusmaterial erweist sich dagegen als eher langweilig. Ähnlich wie sein Meisterwerk „Sonne in der Nacht“ ließ Maffay auch sein kraft- und ideenloses 89er-Album „Kein Weg zu weit“ vollständig verfilmen. Die Clips scheinen zwar aufwendig hergestellt, wirken allerdings häufig auch konzeptlos zusammengestellt.

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