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Heilsangebot statt Faschingsmesse

Wenn jemand zum Kardinal ernannt wird, bekommt er vom Papst das purpurrote Birett überreicht. In der katholischen Tradition ist diese Farbe ein Hinweis darauf, daß der so Geehrte bereit ist, für die katholische Glaubenswahrheit mit seinem Leben einzustehen und im Ernstfall das Martyrium zu erleiden. Es war eine kleine Sensation, als im Februar 2001 gleichzeitig vier Deutschen die Kardinalswürde zuteil wurde: dem für Ökumene zuständigen Kurienkardinal Walter Kasper, dem als romtreu geltenden mittlerweile verstorbenen Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, dem eher stromlinienförmigen Mainzer Erzbischof Karl Lehmann und dem emeritierten Münchener Dogmatikprofessor Leo Scheffczyk. Wenn der Papst einem Nicht- Bischof wie Scheffczyk die Kardinalswürde verleiht, dann würdigt er damit dessen Leistungen als Theologe. Manfred Hauke, Dogmatikprofessor in Lugano, und der Theologe Peter Christoph Düren, der sein Interview mit dem Kardinal veröffentlichte, beleuchten sämtliche Bereiche der katholischen Lehre Scheffczyks und seiner Glaubenspraxis in ihren Büchern. Kardinal Scheffczyk gehört zu den wenigen Amtsvertretern, die sich trauen, das Versagen der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil beim Namen zu nennen. Bereits in dem vor zehn Jahren herausgegebenen Werk „Aspekte der Kirche in der Krise“ sprach er die Krisensituation in der gegenwärtigen Kirche an: Jährlich treten mehr als 100. 000 Katholiken aus der Kirche aus – ein Vorgang „negativer und destruktiver Art“, weil hierbei das Heilsangebot Christi wissentlich abgewiesen wird. Ein weiteres Element der Krise ist „der Mangel an Gläubigen (und nicht nur an Priestern)“. Er manifestiert sich vor allem im dramatischen Rückgang des Bußsakramentes „bei wohlfeiler Kommunion“. Zurückgegangen ist ebenso „die Bußgesinnung und das Verständnis für die Beichtverpflichtung im ganzen“. Ferner erwähnt der Kardinal das schwindende Glaubenswissen und kritisiert hierbei den Religionsunterricht, der heute auf eine lehrmäßige Katechese weitgehend verzichtet. Die neue Didaktik, die einer Selbstverwirklichung des Schülers dienen soll, „hat die Erosion des Glaubens in der Jugend nicht aufhalten können, sondern sie im Gegenteil befördert“. Leo Scheffczyk verschweigt auch die Erosion des Glaubens bei Theologieprofessoren nicht, bei denen sich ein unbegrenzter Pluralismus mit deutlichen Neigungen zur Kirchen- und Dogmenkritik ausbreite. Das gute Verhältnis der katholischen Kirche in Deutschland zum Staat steht in auffallender Spannung zur schwachen Romtreue der deutschen Katholiken – selbst der deutschen Kardinäle. Bei der Kardinalsernennung 2001 haben alle damals neun deutschen Kardinäle vom Papst einen Brief erhalten, der einige Mißstände im deutschen Katholizismus anprangert. Bis heute ist keine Reaktion erfolgt. Nach wie vor opponieren deutsche Theologieprofessoren gegen das römische Lehramt, kritisieren das Glaubensbekenntnis, das sie bei ihrer Amtsübernahme öffentlich ablegen sollen oder verweigern den von ihnen geforderten Treueeid. Wer den modernistischen, antirömischen Kurs nicht mitfährt, kann dies nur „unter Inkaufnahme des eigens zu seinem Mißbrauch erfundenen Schlagwortes vom Fundamentalismus“. Zur Auflösung der Glaubensfundamente paßt auch der heute betriebene Ökumenismus, der nicht mehr „den Weg zur vollen Gemeinschaft“ im „Dialog der Wahrheit“ suche, sondern lediglich eine „versöhnte Verschiedenheit“. Scheffczyk kritisiert auch die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die 1999 in Augsburg unterzeichnet wurde, bei der jedoch „der Umfang, das Gewicht und die Bedeutung der Tradition nicht vollauf gewürdigt werden“. Ein weiterer Mangel ist für Scheffczyk die oft praktizierte Unterordnung der Glaubenslehre unter die Pastoral, „was seelsorgliche Folgerungen mit sich bringt, die dem Glauben widersprechen“. Hier nennt er die faktische Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, aber auch die Praxis sogenannter „Faschingsmessen“, bei denen Kinder und manchmal auch Erwachsene kostümiert zum Heiligen Messe kommen. Scheffczyk fordert „eine äußerlich würdige, getreu der liturgischen Ordnung gefeierte Messe“, bei der „jemand, der zum ersten Mal eine Heilige Messe besucht, rational und sinnenhaft erkennt, was die Messe ihrem Wesen nach ist“. So weist der Kardinal darauf hin, daß auch die neue Liturgie alle Meßtexte in Latein enthalte und lateinischen Messen immer ungehindert gefeiert werden dürften. Deutliche Worte findet Kardinal Scheffczyk auch, wenn er von „der Entartung und Banalisierung der Liturgie“ spricht und gemeinsam mit Kardinal Ratzinger eine „Reform der Reform der Liturgie“ fordert. So hält er beispielsweise den Volksaltar für problematisch und betont „die theologische Überlegenheit der Ausrichtung ‚versus Christum‘ (auf Christus hin)“. Er kritisiert den mißbräuchlichen Einsatz von Kommunionhelfern und die Laienpredigt, die für ihn eine „Preisgabe eines Wesensbestandes des Katholischen“ bedeutet. Leo Cardinal Scheffczyk Scheffczyk: Entschiedener Glaube – befreiende Wahrheit. Ein Gespräch über das Katholische und die Kirche mit Peter Christoph Düren. Stella Maris Verlag, Butteriwiesen 2003, 384 Seiten, gebunden, 14,90 Euro Manfred Hauke Hauke: Ganz und gar katholisch. Ein erster Einblick in das theologische Werk von Leo Cardinal Scheffczyk. Stella Maris Verlag, Butteriwiesen 2003, 159 Seiten, broschiert, 7,50 Euro

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