Superwahljahr

 

Halb so schlimm

Gefährdet die Multimedia-Gesellschaft die Lesekultur in Deutschland? Genießt das Produkt Buch bei den kommenden Generationen nur noch einen Exotenstatus? Seit nahezu zwei Jahrzehnten beschäftigen sich Buchhandel und Medienwissenschaftler unentwegt mit dieser Fragestellung. Nun bietet die vom 25. bis 28. März stattfindende Leipziger Buchmesse mit ihrem Schwerpunkt „Kinder-Jugend-Bildung“ erneut ausreichend Gelegenheit, sich hiermit auseinanderzusetzen. Es ist zu wünschen, daß die Diskussionen nüchterner und sachlicher verlaufen als noch vor wenigen Jahren. Zweifelsohne muß die Tatsache, daß in den letzten Jahren immer mehr Schulabgänger über keine ausreichenden Lesefertigkeiten verfügen, höchst bedenklich stimmen und zu raschen Konsequenzen Anlaß geben. Andererseits darf jedoch nicht übersehen werden, daß innerhalb des gleichen Zeitraums die Zahl derjenigen Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, für die Lesen die beliebteste Freizeitgestaltung darstellt, nicht nur konstant geblieben, sondern sogar leicht angestiegen ist. Auch der Blick auf die Menge der verkauften Literatur läßt kaum Unterschiede zu den siebziger und achtziger Jahre erkennen. Daß in Zeiten knapper Kassen beim Kauf von Büchern stärker auf den Preis geachtet wird, hat gewiß wenig mit einem nachlassenden Interesse des Nachwuchses zu tun. Ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend, der auf eine generelle Abnahme von Lesefähigkeiten schließen ließe, ist somit nicht erkennbar, auch wenn besorgte Sprachschützer das Gegenteil behaupten. Wichtiger denn je ist allerdings die Aufgabe geworden, Kinder rechtzeitig mit den Vor- und Nachteilen der facettenreichen Medienkultur vertraut zu machen. Untersuchungen haben ergeben, daß der jugendliche Konsument eine klare Auswahl darüber trifft, ob ein Buch, eine Videokassette, ein Hörbuch oder eine CD-ROM im Einkaufskorb landet: eine Entscheidung, die fast immer mit der potentiellen Auswahl des Erziehungsberechtigten übereinstimmt. Hier gilt es in Leipzig anzuknüpfen.

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