Rebellion für Einigkeit und Recht und Freiheit

Nach über einem Jahrzehnt intensiver Aufarbeitung der Geschichte des SED-Staates, bei der auch der 17. Juni 1953 ein Schwerpunktthema darstellte, wäre es vermessen, zum 50. Jahrestag der historischen Ereignisse in der Flut der Veröffentlichungen viele bislang unbekannte Fakten und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erwarten. Bereits nach dem Zusammenbruch der DDR konnten durch die Einsichtmöglichkeiten in die Akten des Ministeriums für Staatssicherheit, des Ministerium des Innern, der SED sowie der Blockparteien die älteren Arbeiten aus Westdeutschland, die im wesentlichen auf Schilderungen von Zeitzeugen beruhen, ergänzt und in geringem Maße korrigiert werden. Heute konzentriert sich die Forschung in erster Linie auf lokale und regionale Details, von denen eine grundlegende Revision des historischen Bildes nicht zu erwarten ist. Die Neuerscheinungen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Neben den allgemeinen Überblicksdarstellungen, die direkt auf die Ereignisse, ihre Ursachen und Folgen Bezug nehmen, befassen sich Regionalstudien detailliert mit den Entwicklungen vor, während und nach dem 17. Juni in einzelnen Städten und Regionen jenseits des Brennpunktes Berlin. Zur dritten Gruppe gehören Spezialdarstellungen, die sich ausgewählten Komplexen widmen, so etwa Karl Wilhelm Frickes „Der ‚Tag X‘ und die Staatssicherheit“ oder Carl-Wolfgang Holzapfels „Spurensuche. Helden der Menschlichkeit“. Die umfangreichste Überblicksdarstellung liegt mit Ilko-Sascha Kowalczuks „17. Juni 1953. Volksaufstand in der DDR“ vor. Neben einem Vorwort von Marianne Birthler enthält sie als Beigabe eine sehr interessante Audio-CD, aufg der ein Mitschnitt der Belegschaftsversammlung im Elektromotorenwerk Wernigerode vom 18. Juni 1953 aufgezeichnet ist. Auch im Hauptteil überzeugt der junge Berliner Historiker und Ex-Mitglied der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit umfangreichem und seriös aufgearbeitetem Material. Eine detailgenaue Allgemeindarstellung zur Geschichte der DDR erleichtert dem Leser den thematischen Einstieg. Allerdings konzentriert sich Kowalczuk zu stark auf die Zweite SED-Parteikonferenz von 1952 und die Verkündigung des „Neues Kurses“ Anfang Juni 1953 konzentriert. Dadurch könnte bei weniger mit dem Thema vertrauten Lesern der Eindruck entstehen, daß erst die Beschlüsse der Parteikonferenz zum „Aufbau des Sozialismus“ die gesellschaftliche Krise in der DDR einläuteten oder in stärkerem Gegensatz zu den Jahren 1945 bis 1952 standen. Jedoch zeigten bereits die als Schaffung einer „bürgerlich-demokratischen Ordnung“ verbrämten Maßnahmen bis zu diesem Zeitpunkt, daß von einer tatsächlichen „Demokratie“ keineswegs die Rede sein kann. Für den Aufbau eines totalitären Regimes hatten weder die Zweite Parteikonferenz noch ihre Folgen eine ausschlaggebende Bedeutung, dieser war bereits in den vierziger Jahren systemimmanent. Vergleichbar der Darstellung Kowalczuks ist Guido Knopps „Der Aufstand“ ausgefallen. Der materialreichen Sammlung kann inhaltlich kaum widersprochen werden. Knopp legt im Gegensatz zu Kowalczuk den Schwerpunkt auf die Berliner Ereignisse, wogegen der lokale „Flächenbrand“ nur gestreift wird. Generell fällt wie auch bei anderen Büchern des „Chefhistorikers vom Zweiten Deutschen Fernsehen“ der zwanghafte Aufbau einer Kausalkette von Ursache und Folge auf, die darüber hinaus zumeist eher emotional, denn rational nachgewiesen werden kann. Einige sehr saloppe Einschätzungen im Illustriertenjargon wie „Zum Glück“ oder „Der Spuk war vorbei“ wirken zudem wenig geglückt. Ebenso wie bei Kowalczuk ist die Kapiteleinteilung unglücklich gewählt. Die Ereignisse des 15. und 16. Juni werden unter der Überschrift „Der Countdown läuft“ subsumiert, obwohl kein Nachweis dafür erfolgt, daß in diesen Tagen ein „17. Juni“ tatsächlich bereits absehbar war. Ein großes Lob verdient dagegen die äußerst ansprechende graphische Gestaltung des Buches, die hohe Bildqualität sowie die gute Übereinstimmung von Text und Bildern. Weit weniger materialreich ist Rolf Steiningers Darstellung „17. Juni 1953 – Der Anfang vom langen Ende der DDR“ (siehe auch Interview JF 25/03). Doch das kurze, dabei durchaus präzise und gut lesbare Format des Werkes macht es dem Einsteiger leichter, zumal Steininger, Historiker an der Universität Innsbruck, mit zwar bekannten, und interessant aufbereiteten Thesen über die Folgen des Volksaufstandes aufwartet. Besonders die Einschätzungen der internen Folgen für den SED-Staat wirken überzeugend: Steininger weist darauf hin, daß die Führungspartei aus den Ereignissen des 17. Juni die Lehre zog, größere soziale Einschnitte auch gegen jede wirtschaftliche Vernunft nicht mehr zu verordnen. Obwohl die Lebensverhältnisse in der DDR im Vergleich zur Bundesrepublik eher bescheiden blieben, lebte der Staat insbesondere in seinen letzten beiden Jahrzehnten deutlich über seine Verhältnisse. Die verhängnisvolle Verschmelzung zwischen politischer und ökonomischer Krise schwächte den Widerstand der Führung gegen den Massenaufstand im Jahr 1989 erheblich. Die Widerlegung eines demokratischen Sozialismus Es ist gut belegbar, daß Honecker bereits Mitte der achtziger Jahre von Ökonomen vor einer Fortsetzung seiner Politik gewarnt wurde, die früher oder später in der wirtschaftlichen Katastrophe enden mußte. Die Weigerung Honeckers, diese Studien überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, ist eben nicht nur auf seinen oft zitierten „Altersstarrsinn“ zurückzuführen, sondern war im wesentlichen eine Folge seiner Erinnerungen an den „17. Juni“. So hat die These des „Anfangs vom langen Ende“ durchaus eine tiefere Berechtigung. Die Monographie des jungen Historikers und Publizisten Thomas Flemming besticht bereits durch einen unglücklichen Buchtitel: „Kein Tag der deutschen Einheit“, hinter dem man eine propagandistische Streitschrift vermuten könnte. Tatsächlich zielt er jedoch lediglich auf das Scheitern der damaligen Erhebung ab. Ohne der These vom Volksaufstand ausdrücklich zu widersprechen, sieht Flemming die regionalen Schwerpunkte des Aufstandes „in den traditionellen Hochburgen der Arbeiterbewegung“. Eine Statistik über die wegen der Ereignisse im Juli 1953 Inhaftierten, in der die Arbeiter mit über sechzig Prozent eine deutliche Mehrheit ausmachten, dient ihm als Beleg. Flemming begründet das hohe Selbstbewußtsein und den Mut der Aufständischen damit, daß die SED-Führung mit der Verkündung des „Neuen Kurses“ erstmals Fehler eingeräumt habe und damit nicht mehr „unangreifbar“ schien. Der Versuch, die Forderung zu verwirklichen, aus der DDR tatsächlich einen „Arbeiter- und Bauernstaat“ zu begründen, mußte allerdings auch daher scheitern, weil die SED ihren Schritt nur auf das massive Drängen Moskaus vollzogen hatte, ohne daß die Parteiführung selbst von dieser Maßnahme überzeugt gewesen wäre. Die daraus resultierende starke Verunsicherung blieb bei den Massen nicht unbemerkt, die diese Situation zur Verwirklichung ihrer Forderungen nutzen wollten. Bei aller Eigenwilligkeit mancher Thesen kommt Flemming doch zu einem eindeutigen und klaren Ergebnis: Die Niederschlagung des 17. Juni war ein treffender Beweis dafür, daß die Verbindung von „Demokratie und Sozialismus“ in der Praxis illusorisch war. Eine weitaus auf Augenzeugenberichten aufbauende Studie ist der von Jochen Wolff im Auftrag der Zeitschrift Super Illu herausgegebene Band „Der Aufstand“. Durch die interessanten Aussagen ehemaliger Beteiligter und Zeugen ist diesem Werk eine Lebendigkeit nicht abzusprechen. Auch Vertreter der „anderen Seite“, wie Angehörige der Kasernierten Volkspolizei (KVP) kommen zu Wort. Bei einigen Berichten hätte man sich allerdings Nachfragen gewünscht, so bei der Schilderung eines Udo Bohm, der behauptet, am 17. Juni auf Initiative der Amerikaner die Sprengung einer Gasgeneratorenstation versucht zu haben. Eine Aufarbeitung des Themenkomplexes 17. Juni in Form einer Aufsatzsammlung von jungen Nachwuchsjournalisten legt die Konrad-Adenauer-Stiftung mit ihrer Broschüre „17. Juni 1953 – Ein Aufstand für die Freiheit“ vor. Zwei Kapitel fallen neben den allgemeinen Betrachtungen aus dem Rahmen, weil sie sich Fragestellungen widmen, die über die historischen Bezüge hinausreichen: Zum einen wird nach den Gründen der bis heute weitgehend fehlgeschlagenen Versuche gefragt, den Aufstand und seine Protagonisten stärker mit Hilfe kommunaler Straßenbenennungen in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Außerdem greift die Broschüre die Ursachen des geringen Interesses an der wissenschaftlichen und pädagogischen Aufbereitung des 17. Juni, insbesondere in den neuen Bundesländern auf. Beide Punkte werden unzweifelhaft Stoff für wichtige und notwendige Diskussionen auch in den kommenden Jahren liefern. Von allen bislang erwähnten Darstellungen nimmt Hans Bentziens „Was geschah am 17. Juni?“ eine Sonderstellung ein. Der Autor, ehemaliger DDR-Kulturminister und letzter Generalintendant des Fernsehens der DDR, trennt bei der Feststellung der Ursachen des 17. Juni klar zwischen den Forderungen der streikenden Arbeiter nach Rücknahme der Normerhöhungen und den von „außen“ hereingebrachten Freiheits- und Einheitsparolen. Damit ist für Bentzien eine wesentliche Rolle des Westens nachweisbar, die der Autor an einer modifizierten Form der SED-Propagandathese vom „Tag X“ nachzuweisen versucht. Laut Bentzien war auf dieses Datum „systematisch hingearbeitet worden (…) die sowjetischen und die amerikanischen Leiter der Geheimdienste der westdeutschen Vertreter, alle waren sie an Ort und Stelle“. Eine ausschlaggebende Rolle spielte für den Autor der RIAS: „Am 17. Juni (…) haben die Aufrufe des RIAS die erwünschten Wirkungen gehabt, die Unruhen brachen in den Arbeiterzentren fast gleichzeitig aus, was nur bedeuten kann, daß überall Leute vorhanden waren, die geschult genug und in der Lage waren, die Losungen zu verbreiten, sehr zur Überraschung der anständigen Arbeiter, die mehr an die Regelung von Ärgernissen und Mißständen dachten“. Damit hatten die Ereignisse einen „konterrevolutionären Anstrich“. Waffengewalt gegen die Helden der Menschlichkeit Man könnte über die Darstellungen Bentziens hinwegsehen. Doch gerade die Konsequenzen einer These sind im Zuge einer nostalgischen Verklärung der DDR nicht zu vernachlässigen: Die zentrale Aussage geht von einer – zumindest begrenzten – Reformierbarkeit der DDR aus, an deren Nichtdurchsetzung letztlich der „Westen“ selbst schuld wäre, da er durch seinen Eingriff den Sieg der Betonköpfe über die Reformer gefördert habe. Ein weiteres Werk zur Thematik hat Volker Koop mit seinem „17. Juni“ vorgelegt (ausführliche Besprechung JF 13/03). Eine Besonderheit der Studie des in Bonn ansässigen Journalisten und Publizisten besteht darin, daß er den 1954 in der Bundesrepublik eingeführten Feiertag kritisch mit der Deutschlandpolitik der jeweiligen Regierungen bis 1989 in Bezug setzt. In Fortführung dieser Kritik plädiert Koop für die Wiedereinführung des 17. Juni als Nationalfeiertag. Koops dramatische Skizzierung der Ereignisse macht das Buch zu einem Lesevergnügen. Die empfehlenswerteste wissenschaftliche Gesamtdarstellung liegt mit dem Buch „17. Juni 1953 – Ein deutscher Aufstand“ von Hubertus Knabe, dem Leiter der Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen vor. Knabe belegt darin eindeutig den Charakter des 17. Juni als früher Aufstand gegen ein undemokratisches, totalitäres Regime, der wenige Jahre später in Ungarn und Polen seine Fortsetzung erleben sollte. Im Vergleich zu Knopp und Kowalczuk ist die Kapiteleinteilung des Buches weitaus glücklicher. Ein Manko dieses großartigen Buches ist allerdings, daß Knabe auf eine Illustration weitestgehend verzichtet. Die Forschung über den 17. Juni 1953 fand in den letzten Jahren hauptsächlich auf regionaler oder sogar lokaler Ebene statt. Erwähnenswerte Neuerscheinungen aus diesen Regionalstudien sind neben Burghard Cieslas Dokumentation „Freiheit wollen wir! Der 17. Juni in Brandenburg“ und Hans-Peter Löhns Studie „Spitzbart, Bauch und Brille – sind nicht des Volkes Wille! – Der Volksaufstand in Halle“ auch zwei aktuelle Themenhefte des Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Sachsen-Anhalt. Ciesla gibt dem Leser die Möglichkeit, die Ereignisse aus Herrschaftssicht – anhand von Volkspolizei-, SED- und MfS-Akten – zu verfolgen. Der einleitende Text und die kurzen Hinweise auf regionale Besonderheiten erlauben einen schnellen Einstieg. Besonders interessant ist der Nachweis, daß auch in der ländlichen Bevölkerung eine erhebliche Neigung zur Beteiligung an der Aufstandsbewegung herrschte, die sich insbesondere gegen hohe Ablieferungssolls, Zwangskollektivierungen und die ungerechte Bevorzugung von „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“ richtete. Die Studie kann nicht nur über den Buchhandel, sondern auch über die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung bezogen werden. Sehr empfehlenswert ist auch Hans-Peter Löhns Studie „Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht des Volkes Wille! – Der Volksaufstand in Halle“, nach einer populären Losung der Demonstranten (gemeint waren Ulbricht, Pieck und Grotewohl). Die sehr ausführliche Darstellung des Aufstandes in der anhaltinischen Provinz belegt den engen Zusammenhang zwischen den Aufstandsbewegungen in Berlin und Halle an der Saale hinsichtlich der Parolen sowie ihres Verlaufes, geht jedoch auch auf viele regionale Spezifika ein. Interessant sind die bislang zumeist unveröffentlichten Bilder des Bandes. Die vom Landesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit in Sachsen-Anhalt herausgegebenen Bände von Anne Haertel: „Die Ereignisse um den 17. Juni 1953 im Bezirk Magdeburg“ sowie Stefanie Wahl: „Die Ereignisse um den 17. Juni 1953 im Bezirk Halle“ zeichnen sich durch eine gute Verknüpfung von Zeitzeugenberichten, Dokumenten von Beteiligten, der Staatspartei und zeitgenössischen Zeitungsberichten aus. Ein spezielleres Thema behandelt dagegen Karl Wilhelm Fricke und Roger Engelmann in ihrer Veröffentlichung „Der ‚Tag X‘ und die Staatssicherheit“. Den Schwerpunkt legt Stasi-Opfer Fricke auf das Verhalten leitender Mitglieder der MfS und auf die Konsequenzen, die Partei und Staatssicherheit nach dem niedergeschlagenen Aufgstand zogen. Ein wichtiges Kapitel stellen dabei die internen Machtspiele zwischen Parteiführung und Staatssicherheit dar, die sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben versuchten. Fricke und Engelmann versuchen darzustellen, daß die Theorie eines „westlichen Putsches“ dazu diente, Ulbrichts Versagen als Parteichef zu kaschieren und die Schuld dem damaligen Minister Wilhelm Zaisser, einem internen Gegner, zuzuschieben. Zaiser wurde darauf von seinen Aufgaben entbunden und das MfS als Staatssekretariat dem Ministerium des Innern unterstellt. Ulbricht nutzte den 17. Juni zur Stabilisierung der Macht Eine gute Ergänzung zur Studie Frickes und Engelmanns stellt das Buch des Militärhistorikers Torsten Dietrich „Waffen gegen das Volk – Der 17. Juni in der DDR“ dar. Dietrich legt das Hauptaugenmerk auf eine detaillierte Analyse der Einsätze der Kasernierten Volkspolizei (KVP), der Grenzpolizei sowie der Deutschen Volkspolizei (DVP) während der Krisensituation. Dabei zeigt er präzise auf, daß die von vielen Autoren übereinstimmend registrierte Lähmung dieser noch jungen Institutionen bis zum Eingreifen der Sowjets weniger im Fehlen von Waffen oder in der ungenügenden ideologischen Schulung der Einheiten bestand. Viel entscheidender für ihr Nicht-Handeln war die unerwartete Situation, aufgrund des bestehenden Weisungs- und Befehlsnotstandes Entscheidungen eigenständig treffen zu müssen – ein Verhalten, was allen Regeln eines autoritären sozialistischen Staatswesens widersprach, und daher auch zuvor nie erprobt worden war. Hier bieten die Ausführungen Dietrichs eine exzellente Vergleichsmöglichkeit mit dem Verhalten von Armee und Polizei im Herbst 1989 an. Schwer nachvollziehbar sind hingegen einige Urteile des Autors zum Gesamtcharakter des 17. Juni: So kritisiert er die vermeintliche Überhöhung dieses Datums als „Tag der Einheit“, obwohl er selbst die Verbreitung von Wiedervereinigungsparolen belegt. Daß die Wiedervereinigung nur eine Forderung unter vielen war, ist dabei ebensowenig als Gegenargument geeignet wie die Vermutung, nach der zum damaligen Zeitpunkt das Schlagwort „Wiedervereinigung“ viele Facetten aufwies und daher zwangsläufig weder mit den Vorstellungen der Bundesregierung noch der SED und wohl auch nicht mit dem Modell von 1989/90 korrespondierte. Nicht vergessen werden darf die Aufsatzsammlung der Vereinigung 17. Juni, herausgegeben von ihrem Vorsitzenden Carl-Wolfgang Holzapfel, die unter dem Titel „50 Jahre 17. Juni 1953 – Spurensuche Helden der Menschlichkeit“ erschien. Das Buch wurde noch vom langjährigen Vorsitzenden und „17. Juni-Kämpfer“ Manfred Plöckinger, der im letzten Dezember verstorben ist, redaktionell mitgestaltet. Zentrales Thema sind die nach dem 17. Juni hingerichteten Rotarmisten, denen im Berliner Stadtteil Zehlendorf ein eigener Gedenkstein gewidmet ist. Ihr Schicksal konnte allerdings bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, so daß viele Publikationen von einer „Legende“ ausgehen. So weist zum Beispiel Kowalczuk darauf hin, daß sich die sowjetischen Offiziere und Soldaten in einem nahezu hermetisch abgeschlossenen Bereich befanden, von wo ihnen der Zugang zu Informationen über die aktuelle Lage kaum möglich war und daher eine Positionierung auf seiten der Demonstranten eher unwahrscheinlich ist. Auch ohne dieses Kapitel erlaubt das Heft einen guten Überblick über die Geschehnisse und vor allem auch in die interne Vereinsarbeit verschiedener Opferverbände zu dieser Thematik. Übersicht der vorgestellten Titel und bibliographische Hinweise: Kowalczuk, Ilko-Sascha: 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR. Edition Temmen, Bremen 2003, 311 Seiten, 19,90 Euro Knopp, Guido: Der Aufstand – 17. Juni 1953. Hoffmann & Campe, Hamburg 2003, 303 Seiten, 24, 90 Euro Steininger, Rolf: 17. Juni 1953 – Der Anfang vom langen Ende der DDR. Olzog Verlag, München 2003, 206 Seiten , 14, 90 Euro Flemming, Thomas: Kein Tag der deutschen Einheit. Berlin-BrandenburgVerlag (be.bra), Berlin 2003, 168 Seiten, 19,90 Euro Wolff, Jochen (Hrsg.): Der Aufstand. Juni 53 – Zeitzeugen berichten. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2003, 191 Seiten, 9,90 Euro Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.): 17. Juni 1953 – Ein Aufstand für die Freiheit. Bonn 2003, Broschüre, 84 Seiten Bentzien, Hans: Was geschah am 17. Juni ? – Vorgeschichte, Verlauf, Hintergründe. Edition Ost, Berlin 2003, 213 Seiten, 12, 90 Euro Knabe, Hubertus: 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand. Propyläen Verlag, München 2003, 485 Seiten, 24, 90 Euro Koop, Volker: Der 17. Juni. Siedler Verlag, Berlin 2003, 448 Seiten, 24,90 Euro Ciesla, Burghard (Hrsg.): „Freiheit wollen wir!“ Der 17. Juni 1953 in Brandenburg. Christoph Links Verlag, Berlin 2003, 256 Seiten, 19,90 Euro Löhn, Hans-Peter: „Spitzbart, Bauch und Brille – sind nicht des Volkes Wille!“ Edition Temmen, Bremen 2003, 212 Seiten, 10, 90 Euro Haertel, Anne: Die Ereignisse um den 17. Juni 1953 im Bezirk Magdeburg. Schlaglichter (Themenheft Nr. 28 der Reihe „Sachbeiträge“ des Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Sachsen-Anhalt), Magdeburg 2003, 184 Seiten Wahl, Stefanie: Die Ereignisse um den 17. Juni 1953 im Bezirk Halle. Schlaglichter (Themenheft Nr. 29, „Sachbeiträge“ des Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt), Magdeburg 2003, 224 Seiten Fricke, Karl Wilhelm/ Engelmann, Roger: Der „Tag X“ und die Staatssicherheit. Edition Temmen, Bremen 2003, 346 Seiten, 24, 90 Euro Torsten Dietrich: Waffen gegen das Volk – Der 17. Juni in der DDR. Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt Potsdam, R. Oldenbourg-Verlag, München 2003, 259 Seiten, 19,80 Euro Holzapfel, Carl-Wolfgang (Hrsg.): Spurensuche. Helden der Menschlichkeit. 50 Jahre 17. Juni 1953. Vereinigung 17. Juni e.V., Berlin 2003, 7,50 Euro Bruhn, Peter: 17. Juni 1953. Bibliographie mit 2.300 Angaben zu Titeln von 1953 bis 2003, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2003, 341 Seiten, 48 Euro

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