Leerstelle im Abendprogramm

Die Nachricht kam aus einem alles andere als heiteren Himmel: Zum Jahresende wird die „Harald Schmidt Show“ auf Sat.1 überraschend eingestellt. Die letzte reguläre Sendung wird am 23. Dezember ausgestrahlt, am 28. und 29. Dezember ist Harald Schmidt dann noch einmal mit einem Jahresrückblick zu sehen. „Nach acht Jahren, in denen ich ununterbrochen mit der ‚Harald Schmidt Show‘ auf Sendung war, ist es für mich Zeit für eine Bildschirmpause“, erklärte der 46jährige Fernsehunterhalter. Jetzt wolle er eine „Kreativpause“ einlegen. Tatsächlich, so wird in Branchenkreisen spekuliert, dürfte das Aus für die „Harald Schmidt Show“ mit dem Einstieg des US-Investors ägyptisch-israelischer Herkunft, Haim Saban (58), als neuer Hauptgesellschafter bei der ProSiebenSat.1 Media AG und vor allem mit dem Wechsel in der Geschäftsführung von Sat.1 zusammenhängen. Der vergangene Woche gefeuerte Senderchef Martin Hoffmann (44) gilt als enger Freund und Förderer Schmidts. Mit der Einstellung der „Harald Schmidt Show“ endet nach acht Jahren und etwa 1.360 Sendungen die mit Abstand geistvollste Unterhaltung im deutschen Fernsehen. Dabei wird die Show seit jeher von Mißverständnissen begleitet. Wer in Harald Schmidt nur den Aufsager geschmäcklerischer Witze sieht, wer ihn für einen Possenreißer und Clown hält, der hat seine Auftritte schlechterdings nicht verstanden. Niemand hat das Fernsehen im Fernsehen so ironisch vorgeführt und damit bis zur Lächerlichkeit entblößt wie Harald Schmidt. Niemand hat den Blendern in Politik, Kultur und Medien so spielerisch-gnadenlos die Maske vom Gesicht gerissen wie er. Niemand auch, der die Sinnfrage als Subtext seiner Späße so radikal gestellt hat wie er. Seinen Kultstatus hat sich Harald Schmidt jedenfalls redlich erworben. Wie sehr dieser Solitär dem deutschen Fernsehen fehlen wird, läßt die Ankündigung von Sat.1 erahnen, seine Late Night Show werde Anfang Januar zunächst durch das mehrteilige Melodram „Nathalie – Babystrich“ ersetzt. Schon der Titel wäre ein Fall für Harald Schmidt gewesen.

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