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Kleine Juwelen

Die römische Sängerin Cecilia Bartoli hat sich nach Einspielung unbekannter Arien von Gluck und Vivaldi jetzt einem zu Unrecht vernachlässigten Komponisten zugewandt: Antonio Salieri. Das Schauspiel und mehr noch der Film „Amadeus“ haben Salieri zwar bekannt gemacht, aber zugleich bösartig verleumdet, denn die gruselige Geschichte, er hätte Mozart vergiftet, entbehrt jeglicher Grundlage. Aber üble Nachrede ist ja so aufregend schön! In seinem langen Leben (1750-1825), das er zum größten Teil in Wien verbrachte, prägte Salieri das dortige Musikleben entscheidend und nahm selbst regen Anteil am Wechsel von der Barockoper Metastasios zu Glucks Reformoper. Mit Gluck, Haydn und Mozart war er befreundet. Beethoven, Schubert, Mozarts Sohn, Liszt und Meyerbeer waren seine Schüler. Mehr als vierzig Opern hat Salieri komponiert, ernste und heitere, aber nur selten ist eine auf der Bühne zu erleben. Cecilia Bartoli, immer auf der Suche nach musikalisch Unerforschtem, hat nun für sich und ihre Hörer ein Salieri-Album als Weltersteinspielung vorgelegt (DECCA 475 100-2), auf dem sie dreizehn der schönsten Arien singt. Salieris Musik ist hier von lebendiger Frische; sie reicht von einer barocken Sturmarie über schlichte Gefühlstiefe bis zu witzig-komischen Arietten. Darin kann die junge Sängerin die ganze Vielfalt ihrer unnachahmlichen Stimme zeigen. Mit der Schilderung eines abgetakelten Fischerbootes im Sturm beginnt die Bartoli mit furiosem Klang, Höhe und Tiefe des Wellengangs glänzend imitierend. Zärtlich klagend bittet sie dann in einer Arie aus „La scuola de gelosi“ um die Rückkehr des treulosen Gatten. „Vi sono sposa e amante“ (Ich bin Euch Gattin und Geliebte) beginnt mit einem bezaubernden Vorspiel und läßt Stimme, Flöte und Oboe zu einem strahlenden Dreiklang verschmelzen, in dem La Bartoli ihre stupende Koloraturfähigkeit demonstriert. Aus Salieris „Palmira“ singt sie eine von wehmütiger Schlichtheit durchzogene Arie, in der sie ihren warmen Mezzo wirkungsvoll einsetzt. Ganz anders bringt sie den Wunsch eines Bauernmädchens an ihren zukünftigen Gatten zum Ausdruck. Zur Hochzeit wünscht sie keine ländlichen Instrumente, sie fordert Musik, wie die Städter sie spielen. Daraus macht Cecilia Bartoli ein kleines Juwel voll Charme und Witz. „Für eine große Virtuosin komponiert“, notierte Salieri für die Arie der Eurilla, ganz im romantischem Stil. Mit kühnen Intervallsprüngen zeigt sich die Bartoli hier als die von Salieri erwünschte Virtuosin. In einer köstlichen Parodie auf die Barockoper erklärt die Heldin ihrem Gatten, daß ihre Treue die von Penelope, Dido, Alceste und der Vestalinnen noch in den Schatten stellen würde: da ist sie ganz die tugendreiche Primadonna. Einen ernsten, verinnerlichten Ton schlägt die Sängerin in dem Rondo „Amor, pieroso Amore“ (Barmherziger Amor) an, in das sie die ganze Pracht ihrer ungemein farbigen Stimme legt. Eine äußerst erfolgreiche Oper Salieris war „La grotta die Trofonio“ aus dem Jahr 1785. Die Bartoli kann sich in diesem fröhlichen Menuett in unbekümmertem Ton über den griesgrämigen Zauberer Trofonio lustigmachen: unwiderstehlich ihr schelmisches „La Ra La La“. Aus der Oper „Armida“, ein Lieblingswerk der Bartoli, singt sie erfüllt von schlichtem, reinen Gefühl die Arie des Rinaldo „Vieni a me sull ali d’oro“ (Komm zu mir auf goldenen Flügeln) in zartestem Pianissimo und fast schon entrücktem Ton. Fotos: Adam Fischer dirigiert das Orchestra of the Age of Enlightenment mit großem Einfühlungsvermögen. Das viersprachige, reich ausgestattete Album ist ein wunderbares Geschenk der Römerin für jeden Verehrer ihrer Stimme.

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