Der Hüter

Deshalb habe ich den Titel ‚Geist der Freiheit‘ gewählt, weil sich hier Menschen aus einem Bann gelöst, die Freiheit gefunden und sie schließlich durch ihren Tod bekundet haben.“ Den Tod als Siegellack des Lebens, so verstand Eberhard Zeller das menschliche Ende, so verstand er Kampf und Sterben der Gebrüder Stauffenberg am 20. Juli 1944. „Mir war gleich klar, daß es Claus gewesen war, als ich die Nachricht vom Attentat hörte“, berichtete Zeller 2002 im Interview mit der JUNGEN FREIHEIT, von da an erkannte er ihn als „Heros der Nation“, als einen „genialischen Mann, der zur Tat des 20. Juli hingestürmt“ war, damit „sein Volk und Gottes Gesetz nicht vertilgt würden“. Es kommt nicht darauf an, ob man stirbt, sondern welchen Stempel man am Ende in den Lack drückt. Eberhard Zellers Leben, das 1909 in Stuttgart begann, schnitt einen Stempel im Zeichen des Kampfes für das Andenken Stauffenbergs und setzte damit auf seine Weise dessen Kampf für Deutschland fort. Als einer der ersten nahm er ihn in der zerstörten Heimat publizistisch auf, damals noch – anders als heute – hauptsächlich gegen Anfeindungen „von rechts“. Zeller – im Krieg Soldat – hatte zwar Medizin studiert, jedoch nebenher immer auch germanistische und philosophische Studien getrieben, 1947 verfaßte er eine Biographie des Karthagers Hannibal. Auf Bitten des überlebenden Stauffenberg-Bruders Alexander, Freund und Kriegskamerad Zellers, veröffentlichte er 1952 die erste umfangreiche Darstellung des deutschen Widerstandes gegen Hitler: „Geist der Freiheit. Der 20. Juli“, 1994 dann die hochgelobte Monographie „Oberst Claus Graf Stauffenberg. Ein Lebensbild“. Oft stand er damals allein: „Ein ehrendes Andenken an Stauffenberg zu schaffen schien kaum möglich. Ich konnte nicht einmal in den Kriegerverein eintreten, weil da alle noch für Hitler waren“, doch auch als Widerstand Mode wurde, blieb er beinahe allein: „Die Deutschen denken heute nicht mehr national, deshalb sind sie auch nicht in der Lage, das Andenken an Stauffenberg zu wahren … so wie ich das alleine in der JUNGEN FREIHEIT vertreten finde“. Immerhin, die Witwe Stauffenbergs dankte ihm schließlich dafür, daß ihr der verlorene Ehemann, der ihr in anderen Darstellungen verschwunden schien, in seinem Werk wieder engegengetreten sei. So siegelte Zeller sein Leben im Zeichen eines erfolg-, aber nicht sinnlosen Kampfes. Eberhard Zeller, Ehemann und Vater, starb am 8. September 2003 in seiner Wahlheimat Friedrichshafen am Bodensee.

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