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Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Mauerschützen der Moral
 

Kaisers royaler Wochenrückblick

Nun ist es also da, das neue Jahr. Zur Überraschung vieler hieß es zur Jahreswende allerdings nicht direkt: „Hipp, hipp, hurra, alles ist super, alles ist wunderbar“. Stattdessen hat es die altbekannte Partyszene es in Berlin und anderswo an Silvester im wahrsten Sinne des Wortes so richtig krachen lassen. Während Otto Normalverbraucher, brav und coronaregelkonform zuhause saß und die wenig erfreuliche Neujahrsansprache der Kanzlerin verfolgte, flogen in Neukölln, Kreuzberg, im Wedding und weiteren Großstädten in ganz Deutschland, die Raketen als ob es erst am nächsten morgen verboten werden würde. In Leipzig gingen gar Bundeswehr-Geländewagen in Flammen auf.

Auch der ein oder andere Stein gegen die Polizei war dabei, wenn diese sich erdreistete die Herkunft der Böller kontrollieren zu wollen. Die staatliche Gewalt zeigte sich insgesamt aber dennoch sehr zufrieden mit der Bevölkerung. Überraschend war, daß große Teile der Bevölkerung sich ihrerseits auch irgendwie über das Lob freuten, auch wenn es in einem Nicht-Polizeistaat gar nicht zu den Kernaufgaben der Anwohner gehört, die Polizei zufriedenzustellen.

2021 beginnt mit Corona und Cancel Culture

Nun waren auch die ersten Schlagzeilen in 2021 fast ausschließlich von dem 2020er Überthema Corona bestimmt. So ging es unter anderem darum, wer sich jetzt wann impfen lassen darf beziehungsweise dürfen sollte, oder müssen müsste… Auch ihren feuchten Traum von den Sonderrechten für Geimpfte, haben viele Anhänger der neuen autoritären Virus-Klassengesellschaft noch nicht aufgegeben. Die Politik hat solchen Plänen zwar vorerst eine klare Absage erteilt, aber letztendlich werden natürlich wie immer die großen Medien darüber entscheiden, in welche Richtung die Regierung sich drängen lassen wird. So oder so dürfte eine „Rückkehr zur Normalität“, falls es diese überhaupt jemals wieder geben wird, weiterhin in großer Ferne liegen.

Auch Abseits von Covid-19 ist im neuen Jahr alles beim Alten. Die Cancel Culture beispielsweise – die ist quickfidel. Im kommenden März sollte das Buch „Welcome to the Woke Trials“ erscheinen, in dem die englische Polemikerin, Julie Burchill, das Phänomen des Meinungsterrors beschreibt, durch die selbsternannten Gralshüter der schönen neuen und vor allem progressiven Welt, die auf jeden Fall alles tolerieren, außer dem Althergebrachten und schon immer so Gewesenen.

Daß nun ausgerechnet dieses Buch selbst gecancelt wurde, klingt da fast schon wie eine gut eingefädelte PR-Nummer, der für ihre sehr provokanten Texte bekannten Journalistin. Vorausgegangen war der Streichung ihres Buches aus dem Frühjahrs-Programm ihres Verlags ein Streit mit der Guardian-Autorin, Ash Sarka, auf Twitter.

Ein acht Jahre alter Witz löst den ersten Shitstorm aus

Die hatte einen Witz aus einem acht Jahre alten Text von Burchills Kollegen, Rod Liddle, ausgekramt und aus dem Zusammenhang gerissen, um gegen den alten, weißen Mann so richtig Stimmung auf der ach so woken Plattform zu machen. Weil dieser in seinem Text, aus einer Zeit in der man noch witzeln durfte, witzelte, er habe nie Lehrer werden wollen, weil er sich vermutlich sonst an seine Schülerinnen rangemacht hätte, wollte die politisch aktive Journalistin aus ihm nun einen Pädophilen machen.

Burchill sprang ihrem Kollegen zur Seite, indem sie die bekennende Moslemin Sarka ziemlich harsch auf die Brautwahl des islamischen Propheten Mohammed ansprach, und zog so das Auge des Shitstorms damit auf sich. Der Little, Brown-Verlag, zu dessen Autorinnen unter anderem auch die ebenfalls Shitstorm-gebeutelte Harry Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling gehört, löste daraufhin Burchills Vertrag auf. Immerhin, denn So viel Ehrlichkeit ist bei den Cancelnden ungewöhnlich: Bei der Begründung bezog sich das Verlagshaus ausschließlich auf Burchills Streit mit der Moslemin Sarka.

Der Fall Julie Burchill ist ein Gleichnis, das die ganze Misere mit dem freiheitsfressenden Monster Cancel Culture in nahezu jeder Hinsicht besser beschreibt, als ein Autor das konstruieren könnte. Während sich die linke, moslemische, selbsterklärte „Antifaschistin“ und Kommunistin, die in der Vergangenheit mehrfach mit pro-palästinensischen bis israelfeindlichen Äußerungen aufgefallen war, 2018 gar die antizionistische Aktivistin Ewa Jasiewicz, die einmal „Free Gaza and Palestine“ auf eine Wand im Warschauer Ghetto gesprüht hatte, verteidigte, sich bei ihrer Kritik gegenüber ihrem bei vielen Themen rechtsgerichteten Kollegen, Rod Liddle, jede auch noch so verleumderische Unterstellung und Beleidigung leisten konnte, wurde die islamkritische und bekennend pro-jüdische Burchill, die ihrem Kollegen zur Seite sprang, zur Persona non grata, selbst im eigenen Verlag.

Die Grenzsoldaten des Erlaubten fanden ihr Opfer

In der eigenen und mehrheitlich in der öffentlichen Wahrnehmung sind wie immer die Krieger der sogenannten sozialen Gerechtigkeit die Guten. Der gecancelte Autorenvertrag einer unliebsamen Schriftstellerin, wird von der nach der sozialen Vernichtung aller Andersdenkenden hungernden Meute als weiterer Sieg auf dem Weg ins antifaschistische Paradies gewertet. Daß einige jener, die glauben sie seien die Guten, sogar so weit gingen ihre Gegnerin mit Häme über den Selbstmord ihres Sohnes zu überschütten, tut dem moralischen Überlegenheitsgefühl der Cancel-Culture-Schaffenden keinen Abbruch.

Wohl dem, der bei seinem Schreiben nicht auf einen geistigen Passierschein dieser ethisch und intellektuell verwahrlosten Grenzsoldaten des Erlaubten angewiesen ist, oder sich schlicht nicht darum schert. Einfach wird dies auch im neuen Jahr nicht werden. Die Gefahr, von den „moralisch legitimierten Mauerschützen“ des politisch korrekten Auslösch-Systems niedergestreckt zu werden, bleibt und wird (erst einmal) größer. In diesem Sinne: Prosit Neujahr!

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