Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Zu bunt für links

Nicht ohne positive Überraschung stellte sich über den Verlauf der letzten Woche das jüngste Possenspiel der „Österreichischen HochschülerInnenschaft“ (ÖH; ohne Binnen-I geht es natürlich nicht, auch wenn das die armen Transgender-Personen diskriminiert) dar. Wohl aus Frust darüber, daß es trotz großangelegter Krawalle und des Demonstrantenimports aus der Bundesrepublik in den vergangenen zwei Jahren nicht gelang, die Ausrichtung des Balls des Wiener Korporationsrings (WKR; inzwischen „Wiener Akademikerball“ unter FPÖ-Schirmherrschaft) endgültig zu unterbinden, hatten die Delegierten dieser automatisch aus den Semesterbeiträgen finanzierten akademischen Zwangsgemeinschaft sich zum Ende des Monats Oktober für ein Verbot des Tragens verbindungsstudentischen Couleurs auf dem Gelände der Universität ausgesprochen.

Diese Initiative zielte ganz konkret auf den wöchentlich stattfindenden Couleurbummel der schlagenden WKR-Verbindungen durch die Wiener Innenstadt inklusive Universitätsgebäude. Das regelmäßige, öffentlichkeitswirksame Auftreten der Korporierten war offensichtlich gerade angesichts des Wintersemesterbeginns für die engagierten KommilitonInnen ein derartiger Dorn im Auge geworden, daß diese neben den üblichen Pöbeleien und mäßig phantasievollen Aktionen vergangener Jahre (insbesondere der „Antifa-Hai“ dürfte in die Annalen der Universität eingegangen sein) nun den „kreativen Protest“ zum Teufel schickten und sich auf die geradezu konservative Lösung eines schlichten Verbots besannen. Dazu ist anzuführen, daß solche Beschlüsse und halbherzige Versuche, sie durchzusetzen, an diversen bundesdeutschen Hochschulen zumindest in der Vergangenheit bestanden. Regelmäßig jedoch wurden diese per richterlichen Beschluß wieder gekippt, wenn erst einmal einige Betroffene Zeit und Courage gefunden hatten, dagegen zu prozessieren.

Eine Klatsche für die ÖH

So weit ist es nun in Wien gar nicht gekommen. Was hierzulande gegenüber dem ÖH-Pendant „fzs“ (= „freier zusammenschluss von studentInnenschaften“ [sic!], erwartbarerweise tatsächlich ebenso unfrei wie der österreichische AStA-Schröpfkopf) kaum vorstellbar wäre, ging dem Wiener Unirektor Heinz Engl ziemlich leicht von der Hand: die Ablehnung der ÖH-Forderung aufgrund fehlender Durchsetzbarkeit. Diese faktische Niederlage sollte sich jedoch noch weiter zu einem krachenden Scheitern für die „weltverbesserungswilligen ÖH-Funktionäre“ erhärten, nachdem Engl die Streitparteien dazu aufgefordert hatte, ihren Zwist doch bitte wie Akademiker im sachlichen Diskurs zu klären. Inwieweit dieser generell noch zum universitären Repertoire gehört, sei dahingestellt; das trotzige Schmollen der Linksakademiker gegenüber dieser Aufforderung (ursprüngliche Pressemitteilung vs. deren Überreste nach Streichung unablässig wiederholter „alter Kamellen“) jedenfalls hat ihren Stand keinesfalls verbessert.

Mit dem gestrigen Montag war das Verbotsansinnen dann endgültig zu den Akten gelegt. Sehr richtig wurde bereits im vorhinein mehrfach angemerkt, daß die ÖH mit dem Geschrei nach einer solchen Sonderbehandlung faktisch ihre eigenen Angehörigen (wir erinnern uns an die Zwangsmitgliedschaft) einer Verfolgung unterwürfe und außerdem, ebenso wie die fzs-Genossen, mehr als genug wirklich wichtige Baustellen habe, auf die sie sich gefälligst beschränken solle. Sollte dieser Ruf zur Ordnung nicht verfangen, gibt es zumindest in der Bundesrepublik mittlerweile diverse Präzedenzfälle, in denen irgendein AStA o. ä. gerichtlich dazu aufgefordert wurde, seine rein hochschulpolitischen Kompetenzen nicht zu überschreiten; ein geschlossenes, systematisches Vorgehen über die Ländergrenzen hinweg wäre also kein Ding der Unmöglichkeit.

Solidarität über die Netzwerke mobilisiert: ein voller Erfolg

Einen solchen geschlossenen Block haben die Angehörigen des WKR jedenfalls virtuell bereits umgehend herstellen können. Mithilfe der simplen, wenngleich meist von der anderen Feldpostnummer bedienten Aufschrei-Maschinerie sammelte vor allem die Facebook-Seite „Bunt statt Rot – Gegen das Couleurverbot“ schnell weit über 6.000 Solidaritätsbekundungen. Dank entsprechender Mobilisierung konnte nicht nur ein Protest-Bummel am Mittwoch letzter Woche abgehalten werden, bei dem eben die Verbindungsfarben einen vielsagenden Kontrast zur Vermummung einer Handvoll Störer abgaben. Es gehen seit einigen Tagen auch aus dem gesamten deutschsprachigen Raum Gruppenfotos von Korporierten in Couleur ein, die auf diese Weise „Farbe bekennen“ wollen – dies selbst von seiten der flämischen Studentenvereinigungen NSV und KVHV. Auch nach Beerdigung der Verbotsforderung könnte sich bei entsprechender Weiterführung dieses Projekt eines reellen „Aufstands der Anständigen“ eine vielversprechende Gruppendynamik erhalten, ob mit oder ohne Zauderer und Grundsatzrevisionisten (wobei die Demokratie natürlich das Vaterland des weltläufigen Arbeitsplatznomaden ist, keine Frage).

Was in jedem Fall bleiben wird, ist die ohnmächtige Verblüffung einer linken pressure group, die unverhofft einmal nicht ihren Willen bekommen hat. Allein dafür gebührt den Wiener Couleurstudenten, die angesichts der Provokation nicht zurückgewichen sind, schon Respekt. Um so mehr, wenn sich die nun gewonnene Stellung zukünftig halten und ausbauen ließe.

 

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