Islam in der Debatte: Soviel Kritik muß sein

Es war nichts anderes als eine Kampfansage. Ein gut gemachtes, professionell wirkendes Propagandavideo des Islamischen Zentralrats in der Schweiz. Wer jetzt versucht, das Video zu öffnen, stößt auf folgenden Satz: „Dieses Video wurde entfernt, weil seine Inhalte gegen die YouTube-Nutzungsbedingungen verstoßen.“ Der falsche Ansatz in einer kürzlich entflammten, im Vergleich zu Deutschland weitgehend offenen Debatte über den Islam in der Schweiz.

Roger Köppel hat die muslimische Kampfansage quasi antizipierend bereits Ende November angenommen. In der vorletzten Ausgabe der Weltwoche veröffentlichte er eine Streitschrift des Schweizer Satirikers Andreas Thiel über den Koran. Thiel beschreibt den Koran als „Bibel der Gewalt“ und als Sammelwerk der „Haßtiraden Mohammeds“. Den Propheten bezeichnete er als „Sklaventreiber, Kinderschänder und Massenmörder“. Mit seiner Titelgeschichte hat sich der Autor viele Feinde gemacht. Er wurde beschimpft und bedroht. Daß derlei Bedrohungen ernst zu nehmen sind, beweist der Extremfall Theo van Gogh. Der niederländische Satiriker wurde 2004 auf offener Straße ermordet, weil er einen Film über die Unterdrückung der Frauen im Islam gedreht und diesen als „aggressiv und rückständig“ bezeichnet hatte.

Die Resonanz auf Thiels Beitrag ist gewaltig und bringt genau das, was der Autor will: Diskussion und Kritik. Der Religionswissenschaftler Christoph Uehlinger meinte, Thiel fahre eine Kampagne, um Ressentiments gegen den Islam zu schüren. „Das ist, als ob ein muslimischer Komiker aus Jemen auf der Grundlage einer mittelmäßigen Bibelübersetzung den Christen und Juden erklären will, was ihre Schriften eigentlich sagen“, erklärte Uehlinger.

Pauschalurteile über Moslems nehmen zu

Doch nicht nur Thiel, auch das herausgebende Blatt des profilierten Meinungsmachers Roger Köppel stand unter Druck: Die Internetpräsenz des Wochenmagazins war für mehrere Tage nicht mehr zugänglich. Die Redaktion fürchtete nicht nur virtuelle Angriffe. Der stellvertretende Chefredakteur der Weltwoche, Philipp Gut, sieht in den Drohungen Thiels Streitschrift bestätigt. Dennoch, so Gut, gelte es dagegenzuhalten: „Es muß in einer freiheitlichen, aufgeklärten Gesellschaft möglich sein, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Wer schweigt oder sich versteckt, weil er negative Reaktionen oder gar Gewaltakte befürchtet, hilft nur der illiberalen Sache“, erklärt er gegenüber dem Verfasser dieser Zeilen.

Szenenwechsel: Seit einigen Wochen ziehen in Dresden jeden Montag ein paar Tausend Menschen los, um gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ zu demonstrieren. „Es wäre interessant zu erfahren, was nach Ansicht von Leuten, die mehrheitlich nie getauft wurden, das christliche Abendland ausmacht“, fragt Jan Fleischhauer in seiner gestrigen Kolumne. Die Beweggründe der Menschen sind durchaus nachvollziehbar: Das präpotente Auftreten mancher Einwanderergruppen gepaart mit der Ignoranz in Politik und Mainstreampresse darf nicht als diffuse Ängste, Ausländerfeindlichkeit oder Populismus abgetan werden.

Umgekehrt ist eine zunehmende Generalisierung der Muslime bemerkbar, zumindest was die Kommentare in den Medien angeht. Schnell wird aus einem muslimischen Autor ein „Schläfer“ und aus dem farbigem Schüler ein künftiger „Eroberer“. Dabei sind dies dieselben Methoden, die Konservative an Linken kritisieren, wenn etwa Exponenten großer Parteien den kleinbürgerlichen Dresdner inmitten der Pegida-Demonstration sofort als Rechtsextremist abtun. Gleichzeitig ist es interessant zu beobachten, daß linke Parteien bei Muslimen mehr Konservativität dulden als bei deutschen Christen. Zusätzlich zu den wöchentlichen Demonstrationen sollten sich die Initiatoren von Pegida deshalb fragen, warum Islamverbände die Nähe zu linken Parteien und Organisationen suchen und nicht den Dialog mit deutschen Konservativen.

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