Sprachpfleger Cäsar

Heute ist der Geburtstag eines großen Mannes. Seine vielseitige Begabung und seine große Leistungsfähigkeit werden von vielen bewundert. Nicht nur mit seinen kühnen Taten erlangte er Weltruhm, sondern auch mit der klaren und verständlichen Sprache seiner Schriften. Er ist eine der größten Gestalten der Weltgeschichte. Heute vor 2.113 Jahren wurde Gaius Julius Cäsar geboren.

Leider ist Cäsars Schrift „De analogia“, in der er sich über die Grundsätze sprachlicher Gestaltung äußerte, verlorengegangen. Lediglich Bruchstücke sind erhalten geblieben. Seine Widmung an den großen Redner Cicero verdeutlicht jedoch, mit wem er sich auf gleicher Augenhöhe sah. Cäsar würdigte die Verdienste Ciceros um die lateinische Sprache, setzte sich aber stilistisch deutlich von ihm ab.

Analogia vor Anomalia

In dem Spannungsfeld zwischen „Analogia“ (Regelmäßigkeit) und „Anomalia“ (Regellosigkeit) in der Sprachentwicklung legte Cäsar höchsten Wert auf die Analogia, während Cicero der Anomalia größeren Platz einräumte. Cäsar war kein Freund ungezügelter Wortgirlanden. Er bevorzugte eine schlichte, geradlinige Sprache, wie sie zu dem großen Feldherrn auch sehr gut paßte. Daß die Wortwahl der Ursprung der Beredsamkeit sei, dessen war sich Cäsar sicher.

In seinen Kommentaren über den „Bellum Gallicum“ wendete Cäsar seine Vorstellungen von einer klaren Sprache folgerichtig an. Noch heute dient dieser Text angehenden Lateinschülern als leichter Einstieg in die lateinische Literatur, bevor sie sich kunstvolleren und schwierigeren Texten zuwenden, wie zum Beispiel den rhetorisch ausgefeilten Schriften Ciceros.

Das Richtige vom Verkehrten scheiden

Cäsar war der Auffassung, daß die Beherrschung analogistischer Grundsätze dem Schreiber oder Redner hilft, „das Richtige vom Verkehrten, das gute lateinische Wort vom entarteten zu scheiden“, wie der Latinist Hellfried Dahlmann bemerkte. Indem Cäsar den Wert der Sprachrichtigkeit betonte, betätigte sich er als Sprachreiniger. „Meide ungewohnte und nie gehörte Wörter wie die Klippen“, riet er, was jedoch nicht bedeutete, daß er Wortneuschöpfungen völlig abgeneigt war. Diese müßten sich jedoch der Analogia unterwerfen.

Cäsars Erfolg als Politiker hängt sicher damit zusammen, daß er ein Macher war, der die Sprache pflegte. So konnte er seine Gedanken klar entwickeln und seine Taten wirkungsvoll planen. Wenn sich Politiker heute wieder stärker dieser Kunst befleißigten und auf ihre Sprache achteten, könnte dies dem Gemeinwohl nur zum Nutzen gereichen.

 

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