Joachim Kuhs

 

Raus aus der Geschichte, rein in den Whirlpool!

„Lieb’ Zivilgesellschaft, magst ruhig sein: Endlich impft man die Kinderlein!“ Das gilt zumindest für Schleswig-Holstein, wie die taz am vergangenen Freitag unter der Überschrift „Und heute… gibt’s Beratung gegen rechts“ verkündete. Demnach sind nun in Itzehoe, Flensburg und Lübeck neue „Beratungsstellen für Prävention, Beratung und Fortbildung gegen Rechtsextremismus“ am Werk, um die Freiheit auch im hohen Norden zu verteidigen.

Pro Standort beschäftigen sich ab sofort zwei Angestellte im Rahmen des Landesprogramms zur Demokratieförderung und Rechtsextremismusbekämpfung damit, „in Kindertagesstätten, an Schulen und in Jugendeinrichtungen aufzuklären“.

Daß sie dafür absolut qualifiziert und generell wahnsinnig kompetent sind, zeigt auch der jährlich für diese sechs Personen zur Verfügung gestellte Landesetat von 300.000 Euro – man hat offensichtlich große Pläne, auch um „für den Informationsfluß zwischen Initiativen und Bündnissen [zu] sorgen“.

Mehr Geld gegen die Machtergreifung!

Da können Schleswig-Holsteins Kinder und ihre Eltern wirklich von Glück reden! Endlich werden auch in dortigen Kitas britische Verhältnisse einkehren, wonach (laut einem mittlerweile wieder aus dem Netz entfernten Spiegel-Artikel; vielleicht erinnert sich noch jemand?) bereits Kleinkinder, die scharfgewürztes Essen fremder Kulturkreise nicht mögen, über ihren strukturellen Rassismus belehrt und zu mehr Offenheit erzogen werden.

Besonders schön ist dabei natürlich auch, daß man endlich einen vernünftigen Verwendungszweck für die Gelder gefunden hat, die man etwa den Archiven des Landes seit knapp sieben Jahren durch stetige Personalrationalisierung und Zentralisierung aus den Rippen schneidet – über kurz oder lang sind die eh obsolet, wo sich hierzulande doch alle in ihrer selbstgequälten Geschichtslosigkeit so wohlzufühlen scheinen.

Derlei könnte ganz schnell Schule (oder doch eher Kindergarten..?) in den restlichen Bundesländern machen, und wird es sicher auch: Genug zu tun gibt es schließlich immer. Was ist etwa in Thüringen los?! Das wäre mit frühkindlichem Toleranzappell jeden Morgen nicht passiert! Womit übrigens endgültig bewiesen sein dürfte, daß auch der ehemals real existierende Antifaschismus seine Aporien hatte.

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