Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Das Heerlager der Heuchler

Mit rund fünfhundert Menschen völlig überladen brachte es das marode Schiff bis kurz vor die Küste von Lampedusa. Dann blieb sein Motor stehen. Um die italienische Küstenwache auf sich aufmerksam zu machen, zündeten einige der Schwarzen Decken an. Doch sie brachten das Feuer nicht unter Kontrolle. Panik brach an Bord aus, das Schiff kenterte. Zahlreiche der hauptsächlich aus Eritrea und Somalia stammenden Menschen ertranken in den Fluten, bevor sie Hilfe erreichte.

Während nun öffentlichkeitswirksam vor dem Fernsehauge Leiche für Leiche aufgeschichtet wird, geißelt man den vermeintlich Schuldigen. Der Schuldige, das sind natürlich wir. Wir, die gemeinen, rassistischen Europäer, die in einer gemeinen, rassistischen Engherzigkeit ihre Grenzen verschlossen halten und so dafür sorgen, daß beispielsweise dieses kleine Kind gerade kläglich ersoffen ist. Schauen wir ihm in die gebrochenen Augen, die europäisches Land nicht mehr erblicken konnten. Schämen wir uns nicht?

Also ich schäme mich vor allem für die Verlogenheit, mit der hier Politik gemacht wird. „Diese Toten hätten vermieden werden können“, schimpfte der Sonderberichterstatter für die Rechte von Migranten, François Crépeau, vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Illegale Einwanderung dürfe nicht „ausschließlich mit repressiven Maßnahmen“ bekämpft werden, sondern man müsse sich einer legalen Einwanderung öffnen. Europa solle daher endlich die „Vorstellung von Vielfalt und Multikulturalität“ akzeptieren.

„Herzen und Geldbeutel offen halten“

Und wer noch immer nicht kapiert hat, worum es hier eigentlich geht, dem erklärt das die Europäische Kommissarin für Flüchtlingsschutz und humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa, noch einmal ganz genau. „Wir Europäer müssen nicht nur die Herzen und die Geldbeutel offen halten, sondern auch unsere Grenzen“, forderte sie anläßlich des Unglücks in der Welt. „Die Europäische Union basiert auf Solidarität. Das bedeutet, daß wir Menschen willkommen heißen müssen, wenn sie unsere Hilfe brauchen.“

Wer trägt nun die Schuld an dem Unglück? Wer hat dafür gesorgt, daß diese Menschen ihre Heimat in Eritrea, Somalia und sonstwo verlassen, um sich auf den gefahrenreichen Weg nach Europa zu machen? Wer hat in ihnen, den Armen, Hungrigen, Elenden und vor allem in den viel zu vielen dieser Welt, die illusorische Hoffnung geweckt, sie alle könnten in Europa ein besseres Leben finden? Ich war es nicht. Aber Crépeau war es. Und Georgiewa. Sie waren es, die den Millionen und Abermillionen eben das vorgaukelten.

Sie sind schuldig. Sie sind so schuldig, als hätten sie das kleine Kind mit eigenen Händen so lange unter Wasser gedrückt, bis es zu zappeln aufhörte. Sie sind schuldig. Sie erst haben dafür gesorgt, daß sich diese Menschenmassen in Bewegung setzten. Statt daß diese ihr eigenes Land aufbauen – wobei zu helfen ich als Europäer durchaus bereit wäre –, richten sie nun ihre Anstrengung einzig darauf hin, zu uns zu gelangen. Und sich an unsere Stelle zu setzen. Und wer sich gegen diesen Genozid wehrt, soll jetzt ein Verbrecher sein?

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