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Unterschwellige Botschaften

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Ein kurzes Aufblitzen im Verlauf meines Berlinaufenthalts, das mir ohne den verschwörerischen Hinweis von Martin Lichtmesz wohl gar nicht aufgefallen wäre: In den Berliner U- und S-Bahnen gibt es zuhauf Fernsehbildschirme, die nicht allein „nützliche“ Informationen einblenden.

Einmal gesehen …

Es steht natürlich jedem frei, seine Aufmerksamkeit auf diese – nennen wir sie des Sinnbildes halber einmal „Teleschirme“ – zu richten. Insbesondere Angehörige meiner „Generation iPod“ zeigen daran tendenziell recht wenig Interesse.

Das möchte man zumindest annehmen; jedoch richten sich nach eigener Beobachtung insbesondere im morgendlichen Berufsverkehr doch sehr viele Augen (ob nun zur reinen Zerstreuung, aus tatsächlichem Interesse oder aus Müdigkeit spielt eigentlich keine Rolle) auf die bezeichneten Schirme – einfach, weil sie da sind.

… nie mehr vergessen

Zumeist werden dort neben Sportergebnissen und aktuellen Wetterdaten Nachrichten und Veranstaltungshinweise eingeblendet. Zwar ist es immer etwas lustig zu lesen, daß offensichtlich mittlerweile all überall nur noch mit Hilfe von Google geschrieben wird, aber wirklich interessant sind dann doch gewisse Momente zwischen den scheinbar absichtsvollen Einzelaussendungen.

Dann nämlich, wenn es zehn bis zwanzig Sekunden zu überbrücken gilt, wird da beispielsweise ein „Gegen Rassismus“ eingeblendet. Unvermittelt, ohne Anlaß, aus heiterem Himmel heraus. Und es kommt noch besser: Dazu gesellen sich schillernd farbige Duplikationen des Schriftzugs, die auf den Bildschirmen beinahe schon psychedelisch kreisen und wirbeln.

Längst enttarnt und dennoch präsent

Wie gesagt, so etwas währt keine halbe Minute lang. Man bemerkt es kaum, und ohne Martins augenzwinkernden Ratschlag wäre auch ich sicherlich ein unaufmerksamer Augenwinkel-Zuschauer geblieben. Wenn man aber darum weiß, nimmt das Ganze wirklich groteske Züge an. Nicht umsonst gab es einmal einen Film des mächtigen John Carpenter namens „Sie leben!

Darin konnte der Protagonist nach dem Aufsetzen einer bestimmten Sonnenbrille die Propagandaparolen sehen, die hinter sämtlichen allgegenwärtigen Werbeplakaten standen – und stehen. Aus der ungebrochenen Aktualität heraus berufen sich nicht umsonst noch immer Musikgruppen wie Welle: Erdball bei ihren Konzerten darauf.

Menschliches, Allzumenschliches

Was also denkt man sich als – im konkreten Fall – „aufgeweckter“ Mensch dabei, wenn man feststellt, daß man von derartigen „sublimen Botschaften“ umgeben ist? Zum einen, daß es interessierte Kreise offensichtlich bitter nötig haben, der Allgemeinbevölkerung ihre fundamentalen Lehren auf unterschwelligem Wege zu oktroyieren. Zum anderen, daß niemand derartiges wirklich wahrnimmt und die Kontrollmechanismen, die Eric Arthur Blair alias George Orwell „1984“ so unnachahmlich treffend und gnadenlos beschrieben hat, immer schon und noch immer funktionieren.

Ein Grund mehr, weswegen es sicherlich niemandem schadet, einen großen Schritt weit Abstand von der multimedialen Gesellschaft zu nehmen – soweit man das heute noch kann.

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