Der Spiegel seiner Klasse

Silvio Berlusconi wird uns noch fehlen, wenn er denn jetzt tatsächlich abtritt. Große Taten hat er zwar nicht hinterlassen, in den Disziplinen Schlamperei, Korruption und Schuldenmachen muß er sich vor seinen Vorgängern auch nicht verstecken, aber wenigstens hat er uns viele Jahre hindurch gut unterhalten.

Was bleibt von Berlusconi? Bunga-bunga natürlich, das ungenierte Ausleben politischer und finanzieller Macht in persönlichen Vergnügungen; vom Geheimdienst abgehörte Potenzprotzereien und saftige Beleidigungen, die von Herzen kamen. Der fusselbärtige SPD-Europa-Langweiler Martin Schulz als „KZ-Capo“, da muß man erst mal drauf kommen.

Deutsche Politiker sind natürlich ganz anders als Berlusconi. Niemals würden sie zugeben, es sei besser, eine Schwäche für junge Frauen zu haben, als schwul zu sein. Eher beißen sie sich aus Angst vor PC-Prügeln die Zunge ab und heucheln Begeisterung für alles Homosexuelle, um schneller Karriere zu machen. Deutsche Politiker bauen auch kein Medienimperium auf, um damit die politische Macht zu erobern, sie werden Politiker, um sich dann in oligarchischer Kumpanei des öffentlich-rechtlichen Medienmolochs zu bedienen. Sie würden sich niemals selbst bereichern oder Gesetze und Verwaltungsakte zu ihrem eigenen geschäftlichen Vorteil durchdrücken, sie beraten höchstens nach dem Ausscheiden aus dem Amt gegen gutes Geld „lupenreine Demokraten“ oder große Unternehmen, die ihnen noch einen Gefallen aus ihrer Regierungszeit schuldig sind.

Begnadeter Schlawiner

Korrupt sind sie auf gar keinen Fall, allenfalls vergessen sie mal die Namen ihrer Sponsoren oder ein Bündel Tausender in der Schreibtischschublade. Und mit den Staatsfinanzen können sie auch viel besser umgehen, manchmal finden sie sogar einen zweistelligen Milliardenbetrag beim Aufräumen unter dem Bettkasten.

Niemals würde ein deutscher Politiker sagen, sein Land wäre ein „Scheißland“, das er am liebsten sofort verlassen würde. Sie ziehen es vor, das Volk, das sie verachten, mit historisch-moralischen Schuldkomplexen zu erpressen, mit Tricks und Täuschungen in ruinöse Verträge zu verstricken, um Währung und Vermögen zu bringen und zur Ausplünderung durch vermeintliche „Partner“ und „Verbündete“ freizugeben. Manch einer träumt dabei dann vom einträglichen Brüsseler Spitzenposten.

Silvio Berlusconi war zweifellos der begnadetste Schlawiner, den die europäische Politik in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Interessenkonflikte gab es für ihn nicht, weil er ohnehin nur seine eigenen Interessen kannte und daraus auch gar keinen Hehl machte. Berlusconi ist das Dorian-Gray-Porträt, in dem sich die politische Klasse wie in einem Narrenspiegel selbst ins Gesicht sehen kann. Doch, er wird uns fehlen, irgendwie.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles