Was gewöhnliche Menschen von Prostituierten unterscheidet

Benedikt XVI. ist es jetzt ähnlich ergangen wie Thilo Sarrazin vor einigen Monaten. Auch sein Buch war vor der Veröffentlichung schon Gegenstand der Berichterstattung in sämtlichen Medien. Ähnlich wie „Deutschland schafft sich ab“ wurde auch das Interview-Buch „Licht der Welt“ in der Öffentlichkeit nur selektiv wahrgenommen.

Wenn auch die Schuld für das Mediendebakel der letzten Tage in erster Linie dem vatikanischen Pressebüro und dem „Osservatore Romano“ für seine zeitlich (am Tag der Kardinalsernennung!) und thematisch ungeschickte Veröffentlichung zukommt, bleibt doch festzustellen, daß die linken Meinungsmacher in unserem Land sich keine Gelegenheit entgehen lassen, dem Papst mitzuteilen, welche Moral er zu lehren hat.

Äußerung des Papstes war nicht sensationell

Öffentliche Äußerungen des Papstes – egal zu welchem Thema – werden hierzulande so lange durchsucht, bis man auf eine Bemerkung zur katholischen Sexualmoral stößt. Diese wird dann dazu benutzt, die katholische Lehre als „mittelalterlich“ und „weltfremd“ darzustellen und die sattsam bekannten Forderungen nach Anpassung an die moderne Zeit zu erheben.

Anstelle farbenfroher Bilder der neuen Kardinäle oder anderer aufbauender Gedanken aus dem Papstinterview war also das unappetitliche Kondom in den Medien der letzten Tage omnipräsent. Die meisten Kommentatoren meinten, eine Änderung der traditionell-katholischen Lehrmeinung feststellen zu können, die einigen allerdings noch immer nicht weit genug ging. Wer allerdings die betreffende, recht kurze Passage selbst gelesen hat, musste ernüchtert feststellen, daß die Äußerung des Papstes so sensationell nun doch nicht war.

Spricht doch der Papst von Ausnahmen bezüglich des kirchlichen Verbotes künstlicher Verhütungsmittel. Als Beispiel erwähnt er das Verhalten von Prostituierten. Wo der sexuelle Akt, der vielleicht sogar unter Zwang ausgeübt wird, generell von Liebe und Entstehung neuen Lebens entkoppelt ist, zeugt es von Verantwortung, wenn man den Sexualpartner nicht leichtfertig einer Infektion mit dem HI-Virus aussetzt. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit!

Empfehlung von ehelicher Treue und Enthaltsamkeit bleibt unverzichtbar

Dennoch weist der Papst darauf hin, daß die AIDS-Problematik nicht so einfach in den Griff zu bekommen ist. Unverzichtbar bleibt daher die Empfehlung von ehelicher Treue und Enthaltsamkeit. Als Mittel zur Empfängnisregelung müssen Antibabypille und Kondom aus katholischer Sicht weiterhin abgelehnt werden, da sie den innigsten Akt menschlicher Liebe und die Möglichkeit zur Entstehung neuen Lebens auseinanderdividieren, die aber gemäß der göttlichen Schöpfungsordnung miteinander verbunden sind.

Was für Prostituierte ein moralischer Fortschritt ist, ist es für Eheleute oder für junge Menschen, die später heiraten wollen, eben noch lange nicht. Andererseits: Wenn die päpstliche Lehre in der Öffentlichkeit so stark angegriffen wird, kann dies auch ein Hinweis darauf sein, daß sich bei einigen Menschen das schlechte Gewissen regt. Auch das wäre dann ein moralischer Fortschritt.

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