Fünf Wünsche zur WM

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hat begonnen. Nun ist es Zeit, fünf Wünsche aus der Sicht eines Sprachschützers zu äußern:

1. Bundeskanzler Angela Merkel wünscht den deutschen Spielern nicht wieder auf englisch „Good luck“, wie sie das vor zwei Jahren vor der Europameisterschaft tat.

2. Das „Public Viewing“ wird allenthalben durch „Rudelgucken“ ersetzt. Die deutsche Entsprechung wird schließlich bereits von vielen genutzt, wie eine Stichprobe bei „Google News“ ergeben hat.

3.  Die Fußballkommentatoren schweigen, wenn sie nichts zu sagen haben, und reden, wenn sie etwas sagen sollten. Sie lesen nicht einfach irgendwelche langweiligen Statistiken ab und verschonen uns vor unwichtigem Klatsch und Tratsch. Statt dessen kommentieren sie das Spiel und versorgen die Zuschauer mit wichtigem Hintergrundwissen. Dabei verzichten Sie auf entbehrliche Fremdwörter und setzen auf verständliches Deutsch. Auch meiden sie das superintelligente Wortspiel vom „Cup am Kap“, denn die Trophäe heißt auf deutsch immer noch WM-Pokal.

4.  Die deutschen Fußballanhänger erweitern ihr Repertoire um ein drittes Lied. Der vollständige Text des ersten Liedes heißt ja „Steht, auf, wenn ihr Deutsche seid“, der des zweiten lautet „Deutschlaaand, Deutschlaaand, Deutschlaaand, Deutschlaaand“ – ein Armutszeugnis. Gotthilf Fischer, hilf! Zu befürchten steht allerdings, daß sämtliche Gesänge im unvermeidlichen Vuvuzela-Getröte klanglos untergehen und statt dessen inmitten des Lärms allgemeine Sprachlosigkeit um sich greift. Die Entwicklung geht ohnehin immer stärker in die Richtung, daß Bilder die Texte ersetzen; also wäre es folgerichtig, wenn Geräusche an die Stelle des Sprechens und Singens träten. Im Vergleich dazu ist das Stammeldeutsch („Gehste Kino?“), von Sprachwissenschaftlern als „urbaner Dialekt“ namens „Kiezdeutsch“ gefeiert, eine hoch ausdifferenzierte Kultursprache.

5.  Alle Nationalspieler Deutschlands singen die deutsche Nationalhymne. Immer wieder betonen Politiker, wie wichtig die Sprache als „Schlüssel zur Integration“ sei. Davon ist bei den meisten „Migrahigrus“ in unserer Nationalelf allerdings nichts zu sehen, sobald die Hymne ertönt. Wer nicht singt, bekennt sich nicht zur deutschen Sprache und Kultur.

Und welche Wünsche haben Sie?

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