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„Finanzielle Atombomben“

Während sich in Deutschland (rechts-)konservative Kreise derzeit vor allem damit bescheiden, die Thesen von Thilo Sarrazin immer wieder rauf und runter zu analysieren – womöglich in der Hoffnung, damit eine „geistig-moralische Wende“ herbeireden zu können –, vollzieht sich global ein Wandel, der von wirklich einschneidender Bedeutung ist und noch weitreichende Konsequenzen zeitigen dürfte. Gemeint ist die sich immer deutlicher abzeichnende Ablösung des Dollars als Weltleitwährung.

Daß die USA mit dieser Entwicklung auch die Rolle des weltweiten Hegemon verlieren, liegt auf der Hand. Was die Stunde geschlagen hat, zeigt zum Beispiel die hilflos wirkende Verlautbarung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der USA, die letzte Woche die Gefahr eines „Währungskrieges“ an die Wand malten. IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn kritisierte, es beginne die Idee umzugehen, daß Währungen als Waffe der Politik genutzt werden können.

Würde diese Idee umgesetzt, wäre das ein großes Risiko für die weltwirtschaftliche Erholung. Noch konkreter wurde US-Finanzminister Timothy Geithner, der, ohne China als Hauptvertreter dieser Politik direkt zu nennen, zu Protokoll gab: „Wenn große Länder mit unterbewerteten Wechselkursen Aufwertungen ihrer Währungen verhindern, ermutigt dies andere Länder, dasselbe zu tun.“

„Die größte Kriegskasse der Geschichte“

Geithner sprach damit direkt auf die Praxis der chinesischen Regierung an, den Kurs der heimischen Währung Yuan künstlich niedrig zu halten, indem unter anderem in großen Mengen Dollars angekauft werden. Derzeit soll China bereits über 30 Prozent der internationalen Währungsreserven verfügen. Allein die Devisenreserven, die Peking in Dollar angesammelt hat, betragen ca. 2,5 Billionen Dollar (vor allem US-Staatsanleihen); eine Summe, die nach Auffassung des Wirtschaftsjournalisten Daniel D. Eckert „die größte Kriegskasse der Geschichte“ darstellt.

Wenig überraschend gehörte Pekings Politik mit dem Yuan denn auch zu den Hauptthemen der IWF-Tagung am Wochenende. Die wenigen Druckmittel, die der Westen gegen China in der Hand hat, dürften indes kaum zu einer Kursänderung in Peking führen.

Das symbiotische Gebilde „Chimerika“

Damit haben sich nach Eckert, dessen gerade erschienenes, ungemein instruktives Buch „Weltkrieg der Währungen“ auch noch im Druckteil der JUNGEN FREIHEIT besprochen wird, die Abhängigkeitsverhältnisse umgekehrt; die Entscheidungen über „das Wohlergehen des Dollars“ fallen längst nicht mehr in Washington allein. Anders gewendet: Die Supermacht USA ist auf das Wohlwollen seines größten Einzelgläubigers China angewiesen, soll der Dollar „über Wasser bleiben“.

Das symbiotische Gebilde, das derzeit China und die USA bilden, von dem Historiker Niall Ferguson als „Chimerika“ bezeichnet, ist durch eine ungesunde „Arbeitsteilung“ gekennzeichnet: Auf der einen Seite (USA) wird in erster Linie konsumiert, auf der anderen Seite vor allem produziert. Eckert bringt die Konsequenzen dieser Symbiose wie folgt auf den Punkt: „Als Financier amerikanischer Defizite hat Peking eine enorme Machtposition erlangt, vor der nicht nur die USA und ihrer Wirtschaft, sondern auch dem Rest der Welt bange sein muß.“

Warum auch Deutschland „bange“ sein muß, macht Eckert wie folgt klar: „Pekings Devisenprotektionismus erlaubt es den Exporteuren des Riesenreichs, Konkurrenten sukzessive zuerst zu unterbieten, als nächstes auszuschalten und auf diese Weise einen strategischen Markt nach dem anderen zu erobern.“

„Finanzielle Atombomben“

Die dominierende Position, die sich Peking an den Finanzmärkten erobert hat, kann in einer geopolitischen Auseinandersetzung zu katastrophalen Folgen führen. Würfen die Chinesen in einer derartigen Situation ihren US-Devisenreserven auf den Markt, hätte dies nach Eckert die „Wirkung einer finanziellen Atombombe“. Parallel dazu ist es in der Euro-Zone zu einem Kampf um die Zukunft der Währungsunion und die Stabilität des aus politischen Gründen erzwungenen Euro gekommen.

Auch hier ist der Ausgang des Konflikts, der sich unterschwellig vor allem zwischen Deutschland und Frankreich abspielt, vollkommen offen. Womöglich droht Deutschland, sollten Staaten wie Spanien, Irland oder Portugal dem „griechischen Weg“ folgen, ein „Versailles mit friedlichen Mitteln“ (Mitterand). 

Mit anderen Worten: Das internationale Finanzsystems ist massiv in Bewegung geraten; mit Folgen, die noch nicht abgeschätzt werden können. Das sollte auch in (rechts-)konservativen Kreisen mehr Aufmerksamkeit als bisher erregen.

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