Streiflicht
 

Der vergessene Widerstand

Kürzlich sprach ich mit einem jungen Journalisten über den 20. Juli 1944. Er wunderte sich über die Bedeutung, die wir der Erhebung um Claus Schenk Graf von Stauffenberg in unserer Zeitung beimessen. „Es ist ja löblich, daß die Widerstandsgruppe versucht hat, Hitler mit einem Attentat zu töten. Aber entdeckten sie ihr Gewissen nicht ein wenig spät, als klar war, daß der Krieg scheitert?“

Eine häufig gestellte Frage. Zwar wird ständig über das Dritte Reich berichtet, wird Hitlers Schatten immer länger, die Erinnerung an die Dimension des Widerstandes dagegen verblaßt zusehends.

Der Widerstand paßt nicht zur griffigen Kollektivschuldthese

Grund: Der Widerstand paßt nicht zur griffigen Kollektivschuldthese, dem Bild von den Deutschen als gefallener Nation, die einem Massenmörder in den Untergang folgte, einem Volk, das zusah, wie Minderheiten aus seiner Mitte gerissen und in die kollektive Vernichtung geschickt wurden.

In dieser Ausgabe erinnern wir deshalb an den zu Unrecht vergessenen katholischen Wehrmachtsgeneral Theodor Groppe, der von 1933 an gegen NS-Unrecht rebellierte und den die Machthaber dafür aus der Armee entließen. Vorgesetzte und Kameraden verteidigten ihn aber immer wieder, darunter auch Offiziere und Wehrmachtsrichter, die Hitler später im Zuge des 20. Juli 1944 als Mitverschwörer hinrichten ließ.

Allein an Groppes Biographie entfaltet sich das Panorama des Widerstands, in dem einzelne hervorstechen, die wiederum nur handeln konnten, weil ihnen andere zur Seite standen, sie schützten – oder sogar mitmachten.

Warum fand das Hitler-Regime solche Zustimmung? Der Versailler Diktatfrieden, den die Siegermächte nach dem Ersten Weltkrieg Deutschland aufzwangen, war das Todesurteil für die Weimarer Republik. Mit diesem Mühlstein um den Hals waren die demokratischen Parteien dem Untergang geweiht. Die Revision des Versailler Unrechts wurde von links bis rechts einhellig gefordert. Da Hitler dies schließlich durchsetzte, erhielt er bis in den Zweiten Weltkrieg hinein große Unterstützung, sogar von NS-Gegnern.

Daß es trotzdem zum Aufstand kam, ist ein Wunder

Das Ende der französischen Besatzung im Rheinland, der Wiederanschluß des Saarlandes, der Abschluß der Reparationszahlungen: all das galt vielen als Erfolg. Und erst später überlagerten die Terrormaßnahmen des Dritten Reiches solche Wahrnehmungen.

Daß es – schon lange vor 1944 – in der Armee Widerstand gab, ist erstaunlich. Denn die Reichswehr profitierte ja im Zuge der Aufrüstung zunächst vom Regime. Offizieren, die wie Stauffenberg oder Henning von Tresckow schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit der von ihnen zunächst unterstützten Regierung Hitler brachen, wurde das Handeln erschwert: Die Alliierten wollten nicht nur die Beseitigung Hitlers, sondern auch die prinzipielle Ausschaltung Deutschlands als Konkurrenten. Daß es dennoch zur Erhebung des 20. Juli 1944 kam, ist trotz seines Scheiterns ein Wunder.

JF 29/13

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