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Chebli gegen Tichy, Relotius-Skandal, Corona-Proteste: Kaisers royaler Wochenrückblick

Chebli gegen Tichy, Relotius-Skandal, Corona-Proteste: Kaisers royaler Wochenrückblick

Chebli gegen Tichy, Relotius-Skandal, Corona-Proteste: Kaisers royaler Wochenrückblick

Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick
Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick
Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
Chebli gegen Tichy, Relotius-Skandal, Corona-Proteste
 

Kaisers royaler Wochenrückblick

Für Sawsan Chebli war die Woche ein inneres Kinderschminken. Nicht nur daß die ehemalige politische Beamtin ihren Anhängern auf Twitter ein supercooles neues Profilfoto präsentieren konnte, die klage- und anzeigenfreudige SPD-Politikerin durfte sich auch über einen juristischen Erfolg gegen den Publizisten Roland Tichy freuen.

Das Landgericht Berlin hat entschieden, daß der Medienmacher 10.000 Euro an Chebli zahlen muß. Grund ist eine Kolumne des Autors Stephan Paetow in der Monatsschrift Tichys Einblick, deren Inhalt von dem vielleicht vielschichtigsten Gesicht der derzeitigen Sozialdemokratie – und eben auch von den Berliner Richtern als „sexistisch“ eingestuft wurde.

Laut Urteil handelte es sich bei dem Beitrag gar um eine Verletzung der Menschenwürde und eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung. Wer weiß, worum es in dem beanstandeten Text genau ging, kann sich nach dem Rechtsspruch zumindest denken, wo die Richter die Menschenwürde und die Persönlichkeit von Sawsan Chebli offenbar vermuten.

Relotius-Skandal: Ein Männerproblem?

Seit dieser Woche wissen wir auch endlich, wer die Schuld an einem der größten Medienskandale der vergangenen Jahre trägt. Gemeint ist die Affäre um den früheren Spiegel-Reporter Claas Relotius, der in großem Umfang Geschichten frei erfunden hat und damit über Jahre hinweg viel Ruhm und zahlreiche Preise im deutschen Journalismus einheimste.

Anläßlich des 75. Geburtstags des Blattes ging das ZDF-„heute Journal“ der Frage nach, wie all das eigentlich möglich war, und stieß dabei auf die üblichen Verdächtigen. „Die Männer“ sind es gewesen. Deren testosterongeschwängerte Begeisterung für die eigenen Geschlechtsgenossen habe in der Redaktion des Hamburger Magazins alle journalistischen Standards und jedes gesunde, weibliche Mißtrauen zum Erliegen gebracht.

So erklärt es sich zumindest die Medien- und Männerkritikerin Silke Burmester. Der Chefredakteur des Spiegels, Steffen Klusmann, wollte da nicht widersprechen. „Es kann sein; Männer auf der Jagd nach den besten Geschichten“, da könne es schon mal vorkommen, daß dabei „bestimmte Standards außer Kraft gesetzt werden, was Frauen vielleicht in der Form nicht so passiert“, räumte das Redaktions-Beta-Männchen des einstigen vermeintlichen „Sturmgeschützes der Demokratie“ gegenüber seinen ZDF-Kollegen brav und kleinlaut ein.

Sturmgeschütz der politischen Korrektheit

Immerhin: Die Testosteron-Bolzen in der Spiegel-Redaktion sollen nicht die Alleinschuldigen am Relotius-Skandal sein. Medienbeobachter, so läßt der „heute Journal“-Beitrag uns wissen, machen auch den Hang zum leichtverdaulichen Geschichten, also im Grunde den Leser selbst, mit für die Misere verantwortlich.

Der Chefredakteur selbst glaubt, daß der Spiegel eine Weile ganz einfach „zu erfolgreich“ gewesen sei – und dadurch „ein bißchen zu bequem“ wurde. Relotius sei aber eine „Erweckung“ gewesen. Jetzt wollten er und seine Kollegen wieder „prinzipientreu“ sein, heißt es im ZDF-Bericht.

„Der Spiegel muß eigentlich immer Opposition gegenüber den Mächtigen sein. Egal wer gerade der Mächtige oder die Mächtigen sind“, sagt Steffen Klusmann, ohne das Wörtchen „eigentlich“ in der eigentlich angebrachten Weise zu betonen. „Das Schlimmste was passieren kann ist, wenn wir zu zahm werden. Weil das paßt gar nicht zur Marke, nicht zur DNS, und das ist auch nicht unser Job“, so der Chefredakteur des Sturmgeschützes der politischen Korrektheit. Daß er bei seinen eigenen Ausführungen nicht selbst in schallendes Gelächter ausbricht, zeigt die eigentliche Qualität, die man als Kopf eines Mediums wie dem Spiegel heute haben muß.

Wohin mit dem Protest gegen die Corona-Maßnahmen …

Auch in dieser Woche gingen deutschlandweit zehntausende Menschen gegen die sogenannten Corona-Maßnahmen auf die Straße. Gedurft hätten sie das vielerorts eigentlich nicht. Die Protestkundgebungen werden inzwischen von den Behörden immer wieder mit einer erschreckenden – und einer Demokratie unwürdigen – Selbstverständlichkeit verboten.

So wenig die Verbote von regierungskritischen Demonstrationen zu einem freien Land passen, so sehr paßt das brutale Vorgehen der Polizei vielerorts zur neuen deutschen autoritären Normalität. Auch daß Neubundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in seinem neuesten Handstreich mal ebenso beschlossen hat, daß ohne Booster-Impfung in seinem Staat bis auf weiteres erst einmal so gut wie gar nichts mehr geht, fügt sich paßgenau ein in dieses dystopisch anmutende Bild einer beschränkten Republik.

Ein Ende der freiheitseinschränkenden Maßnahmen scheint derweil trotz neuer, sehr wahrscheinlich harmloser Omikron-Variante ferner denn je. Durch bloße Demonstrationen im klassischen Sinne werden die Mächtigen jedenfalls wohl nicht mehr dazu bewegt werden können, uns unsere Grundrechte vollumfänglich zurückzugeben.

Deutschland ist an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr genügen wird, den Protest auf die Straße zu tragen. Er muß in Einzelhandelsgeschäfte, Arztpraxen, Corona-Teststationen, die öffentlichen Verkehrsmittel, die Unternehmen und die Kirchen, auf die Bühnen (nach Möglichkeit auch in die Verlage und Sendeanstalten) und in die Gastronomiebetriebe getragen werden.

… dorthin, wo die Verantwortlichen sitzen

Vor allem überall dorthin, wo man Ungeimpfte oder „nicht vollständig Geimpfte“ aussperren und ausgrenzen will. Wenn möglich sollten auch kreative Möglichkeiten gefunden werden, den Widerstand in den Parlamenten, Rathäusern und Parteizentralen deutlich sichtbar zu platzieren.

Ihn eben überall dort, wo die Verantwortlichen für diese ständigen und nicht enden wollenden politischen Anschläge gegen die Freiheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt anzutreffen sind, für jeden erkennbar zu machen.

Überall, wo der Wahnsinn dieser Pandemie der Unfreiheit sein häßliches Antlitz zeigt, muß auch der Protest gegen diese illiberale Maßnahmenorgie, nicht ignorierbar Gesicht zeigen. Über die Formen dieses Widerstands kann man gerne diskutieren. Daß er friedlich sein sollte, versteht sich von selbst.

Seine bittere Notwendigkeit steht jedoch völlig außer Frage.

Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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