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Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) bei der Sitzung am Dienstag im Parlament Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

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Von Nasen und Naseweisen

Dienstag, 7. Dezember 2021, Tatort Bundestag. Das Parlament tagt. Die neue Präsidentin Bärbel Bas (SPD) leitet höchstpersönlich die Sitzung. Vorbildlich tragen die Abgeordneten ihren Mund-Nasen-Schutz. Nun sogar am Sitzplatz. Diese Verschärfung hat das Parlament soeben mehrheitlich wegen der zugespitzten Corona-Lage beschlossen.

Doch was ist das? Bei einigen Abgeordneten der AfD-Fraktion blitzen doch tatsächlich vereinzelt Nasenspitzen hervor. Nasenspitzen! Und das mitten in der vierten Welle. Zu tief sitzende Masken, das darf nicht sein!

Unverzüglich schreitet Bas ein. „Es hilft uns allen – vor allen Dingen vor Ansteckung –, wenn dieser Mund-Nasen-Schutz, die Maske, auch über der Nase getragen wird“, belehrt sie die Abgeordneten und fügt an die AfD gewandt hinzu: „Und ich würde alle bitten – auch wenn’s schwerfällt –, das zu beherzigen.“

Hysterisierte Zeiten

Die SPD-Politikerin steht damit in bester Tradition mit ihrem Vorgänger, Argusauge Wolfgang Schäuble. Der hatte in seiner Zeit als Bundestagspräsident ebenfalls schon den ein oder anderen Abgeordneten ermahnt, seine Maske vorschriftsmäßig und korrekt zu tragen.

Wie üblich in hysterisierten Zeiten dauerte es nicht lange, bis auf Twitter die ersten empörten Wortmeldungen eintrudelten.

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Unmöglich sei es, daß einige AfD-Abgeordnete trotz der Maskenpflicht ihre „Pappnasen“ oberhalb der Masken trügen.

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Und wo ein müder Wutsturm auf Twitter heult, da findet sich auch immer ein Journalist, der eine Geschichte dazu schreibt. In diesem Fall sitzt er bei Springer. Um 16.34 Uhr vermeldet die Welt: „Maskenpflicht im Bundestag – Bas ermahnt AfD-Politiker, weil Nasen zu sehen sind“.

Lappalien zum Skandal aufblasen

Wer solche Schlagzeilen produziert, muß sich nicht wundern, bei der nächsten Cocktailparty mit der lächelnden Frage konfrontiert zu werden, ob das denn ein richtiger Beruf sei, für den man auch eine Ausbildung brauche, wenn er sich dort als Journalist zu erkennen gibt.

Es gibt in Corona-Zeiten sicherlich viele gute Gründe, daß Journalisten der Legislative kritisch auf die Finger schauen, daß sie über das Handeln der politisch Verantwortlichen wachen, Maßnahmen hinterfragen, Irrtümer anprangern und Fehlverhalten anmahnen. Nicht korrekt getragene Masken einzelner Abgeordneter, ganz gleich aus welcher Fraktion, gehören allerdings nicht dazu.

Wer solche Lappalien für berichtenswert hält, sollte seine Berufswahl nochmals überdenken. Schreiben kann man schließlich auch woanders. Zum Beispiel Parkknöllchen beim Ordnungsamt.

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) bei der Sitzung am Dienstag im Parlament Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
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