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Senzig
Kerzen der Trauer am Tatort in Senzig Foto: picture alliance/dpa | Fabian Sommer

Tragödie von Senzig
 

Zeit, innezuhalten

Es ist eine Tat, die einem den Hals zuschnürt. Eine ganze Familie ausgelöscht. Erst die Ehefrau, dann die drei gemeinsamen Kinder. Und dann das eigene Leben. Keine Chance auf Rettung. Die Polizei konnte am vergangenen Samstag in Senzig im brandenburgischen Königs Wusterhausen nur noch den Tod der fünf Familienmitglieder feststellen.

Laut Ermittlern erschoß der Vater die ganze Familie und dann sich selbst – drei Wochen vor Weihnachten. Was mag in einem solchen Menschen vorgehen, wie verzweifelt muß er sein? Was treibt jemanden zu solch einer Tat? Die eigenen Kinder zu erschießen. Hört man ihre Schreie, bevor man abdrückt?

Laut Medienberichten hat der 40 Jahre alte Berufschullehrer einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er Auskunft über das Motiv seiner schrecklichen Tat gibt: Angst, ins Gefängnis zu müssen. Angst, die Kinder zu verlieren. Der Grund: Er hatte das Impfzertifikat seiner ebenfalls 40jährigen Frau gefälscht. Ihr Arbeitgeber hatte es herausgefunden. Nun drohte die ganze Angelegenheit aufzufliegen.

Wie groß soll der Druck noch werden?

Das alles ist kein Anlaß für Mord und Suizid. Nichts rechtfertig solch eine Tat. Und sicherlich spielen auch andere Aspekte wie Depression und Lebensmüdigkeit eine entscheidende Rolle. Trotzdem sollte dieser tragische Fall aus Brandenburg Anlaß geben, innezuhalten.

Innezuhalten, wenn es darum geht, wie Politik, Medien und Gesellschaft, Nachbarn, Freunde und Verwandte und letztlich wir alle mit denjenigen umgehen, die es – aus welchen Gründen auch immer – ablehnen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Wie weit soll die Eskalationsschraube noch gedreht werden, damit Impfunwillige unter der Last immer größerer Be- und Einschränkungen endlich einknicken und sich impfen lassen? Wo ist die Grenze, und wann wird sie überschritten? Immer größerer Druck führt nicht automatisch zum gewünschten Erfolg. Manch einer zerbricht auch daran.

Kerzen der Trauer am Tatort in Senzig Foto: picture alliance/dpa | Fabian Sommer
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