Besucher sehen sich die Sixtinische Madonna in einem Museum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden an Dort sollen bald vermeintlich rassistische und diskriminierende Namen verschwinden Foto: picture alliance / AP Photo | Jens Meyer
Besucher sehen sich die Sixtinische Madonna in einem Museum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden an Dort sollen bald vermeintlich rassistische und diskriminierende Namen verschwinden Foto: picture alliance / AP Photo | Jens Meyer

Staatliche Kunstsammlungen Dresden
 

Petition fordert Rückbenennung von Ausstellungsstücken

DRESDEN. Der Sächsische Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) hat eine Petition gegen die Umbenennung von Kunstwerken in der Staatlichen Kunstsammlung zu Dresden entgegengenommen. „Sobald sich Vertreter von staatlichen Einrichtungen unmittelbar oder auch mittelbar in die Sprachgestaltung einbringen, sollten wir alle sehr aufmerksam werden, denn die Manipulation der Sprache ist letztendlich auch die Manipulation des Denkens. Wir fordern daher die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf, die 143 Kunstwerke wieder so zu benennen, wie sie seit Generationen schon immer heißen“, verlangte der Gründer der Initiative, Torsten Küllig, in der Eingabe.

Im September hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden damit begonnen, Ausstellungsstücke mit vermeintlich rassistischen oder diskriminierenden Namen umzubenennen. So wurde beispielsweise der Titel „Indische Eingeborene mit Haustieren“ zu „Menschen mit Haustieren“ und „Hund, Zerg und Knabe“ zu „Hund, kleinwüchsiger Mann und Junge“ umgeändert.

Unterschriftensammlung wird im sächsischen Landtag geprüft

In der Unterschriftensammlung namens „Folgt Identitätsraub auf Kunstraub? Wir fordern die Rückbenennung der 143 Dresdner Kunstobjekte“ argumentiert Küllig, die umbenannten Kunstwerke gehörten nicht der Museumsleitung, sondern den sächsischen Bürgern. Diese seien aber niemals um Erlaubnis gefragt worden. Nach dem Einbruch im Grünen Gewölbe 2019 fühlten sich die Sachsen durch die Namensänderungen erneut bestohlen.

„Wir möchten die bisher erfolgten ‘sprachpolizeilichen’ Auswüchse rückbenennen und in erster Linie verhindern, daß zukünftig weitere Kunstwerke umbenannt werden, denn Eingriffe in die Sprachgestaltung sind grundsätzlich autoritären Regimen zuzuschreiben und von Demokarten klar abzulehnen.“ Landtagspräsident Rößler versprach, das Anliegen werde nun im Petitionsausschuß geprüft.

Kulturministerium beruft sich auf die Kunstfreiheit

Küllig hatte sich mit seiner Beschwerde zunächst an die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) sowie die Museumsdirektorin Marion Ackermann gewendet. „Dort richtete man mir aber aus, die Umbenennung sei von der Kunstfreiheit gedeckt“, erläuterte er am Montag laut der Bild-Zeitung.

Daraufhin gründete er die Initiative zur Wiedereinführung der ursprünglichen Namen, für die er bisher mehr als 8.000 Unterschriften gesammelt hat. „Bei dieser Gelegenheit könnte der Petitionsausschuß auch prüfen, ob das Sächsische Verwaltungsorganisationsgesetz präzisiert werden müßte, um den zuständigen Ministerien die Aufsicht zu erleichtern“, äußerte er weiter. Die Hälfte der Unterschriften stammt aus Sachsen. Rund ein Fünftel der Unterstützer sind Dresdner. Aber auch im europäischen Ausland finden sich Unterzeichner.

Auch Reinhard Spieler, Vorstandsmitglied im Deutschen Museumsbund, hatte die Namensänderungen zuvor schon kritisiert. Eine Tabuisierung bestimmter Wörter dürfe es in Kunstausstellungen nicht geben. „Ich finde, wir sind als Museen historische Institutionen und wir wollen eigentlich sichtbar machen, daß man in anderen Kulturen und zu anderen Zeiten andere Werte vertreten hat. Das ist der Sinn von Museen“, mahnte er laut MDR. (fw)

Besucher sehen sich die Sixtinische Madonna in einem Museum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden an Dort sollen bald vermeintlich rassistische und diskriminierende Namen verschwinden Foto: picture alliance / AP Photo | Jens Meyer
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