Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen (CDU): Seine Niederlage wäre ein Triumpf für Rot-Rot-Grün
Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen (CDU): Seine Niederlage wäre ein Triumpf für Rot-Rot-Grün Foto: picture alliance/Michael Reichel/dpa

Hans-Georg Maaßen
 

Taktisch wählen

Aufgrund der Laschet-Schwäche wird die CDU wohl fast 30 Direktmandate bei der Bundestagswahl in einer Woche verlieren. Betroffen sind nach Prognosen der Analysefirma Election auch prominente Bundespolitiker, etwa die Minister Annegret Kramp-Karrenbauer, Peter Altmaier oder Julia Klöckner. Um sie ist es nicht besonders schade, sie sind typische Vertreter und treue Anhänger der nach links gerutschten Merkel-CDU. Außerdem werden sie wohl leider doch wieder im nächsten Bundestag sitzen, da sie über Listenplätze abgesichert sind. 

Um ihre Mandate zittern müssen aber auch einige der – sehr wenigen – rechten Konservativen in der CDU-Fraktion, die in der zweiten oder dritten Reihe sitzen. Diese rechten Einzelgänger in der Partei könnten nun endgültig untergehen. Gegen sie, etwa die Düsseldorferin Sylvia Pantel oder den Hessen Hans-Jürgen Irmer, mobilisiert zudem die links-grüne Kampagnenorganisation Campact, die linke Sympathisanten zu taktischem Wählen aufruft: Grüne sollen ihre Stimme dem SPD-Kandidaten geben, um dem rechtskonservativen CDU-Mandatsträger eine Niederlage zu bereiten. Besonders im Visier von Campact: Hans-Georg Maaßen.  

Niederlage von Maaßen wäre Triumph für Rot-Rot-Grün

Keine Wahlkreisschlacht zieht derzeit so viel Aufmerksamkeit auf sich wie der Kampf um den Wahlkreis 196 in Südthüringen. Der von Merkel und Seehofer geschasster Ex-Verfassungsschutzchef Maaßen tritt dort gegen den erklärten Willen der CDU-Führung an. Die SPD hat den früheren Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich aufgestellt. Bislang schien es so, daß Maaßen gewinnen kann, das zeigten Prognosen der Organisation „Wahlkreisprognose“. 

Nach der neuesten Wahlkreisprognose von Election liegt Maaßen aber hinten, er wird vom Bundestrend runtergezogen, sein SPD-Gegner profitiert vom Scholz-Aufwind. Würde Maaßen den Kampf verlieren, wäre das ein Triumph für die vereinigte Linke von Rot-Grün-Dunkelrot samt Vorfeldorganisationen, und ebenso würde die linke Merkel-Laschet-CDU aufatmen. Würde Maaßen in den Bundestag gewählt, wäre er dagegen eine dauerhafte Belastung für die vergrünte Merkel-Laschet-CDU, ein rechter Stachel in ihrem Fleisch. Nicht umsonst ist er die zentrale Hassfigur für weite Teile der linksliberalen Medien.  

Grüne rufen zur taktischen Wahl der SPD auf

Um Maaßen zu verhindern, rufen die Grünen in Thüringen zur Wahl des SPD-Mannes auf. Auch Vertreter der CDU, etwa die schleswig-holsteinische Ministerin Prien, haben indirekt zur SPD-Wahl im Wahlkreis 196 aufgerufen. 

Auf der anderen Seite aber ziert sich die AfD, ebenfalls ein taktisches Manöver auszulösen: Sie könnte ihren Kandidaten Jürgen Treutler zurückziehen und zur Wahl von Maaßen aufrufen. Ein solches Manöver würde die Laschet-CDU wenige Tage vor der Bundestagswahl in maximale Verlegenheit stürzen, große Medienerregung auslösen und viel Aufmerksamkeit auf die AfD lenken. Treutler hat jedoch bislang gesagt, er wolle „die taktischen Spielchen der Grünen“ nicht mitmachen. Indem er jedoch auf seiner chancenlosen Kandidatur besteht (er liegt derzeit auf Platz vier, hinter den Kandidaten von SPD, CDU und Linkspartei), macht er den Erfolg für die taktische Wahlkampagne der Linken und Grünen wahrscheinlich. 

Nach Informationen der JUNGEN FREIHEIT aus Kreisen der Thüringer AfD gab es Gespräche und Versuche, um Treutler zu einem Verzicht zu bewegen. Der 70jährige Diplomingenieur und Rentner aus Sonneberg weigert sich bislang, macht lieber Klein-Klein-Wahlkampf auf dem Marktplatz in Meiningen. Und die Thüringer AfD will nicht gegen seinen Willen handeln. Würde Treutler sich kurz vor der Wahl doch noch bewegen, könnte er bundesweite große Wellen im Wahlkampf schlagen und würde die CDU-Spitze und Kanzlerkandidat Laschet in die Klemme bringen. Seine eigene Kandidatur hat politisch keine Aussicht auf Erfolg – bundespolitische Geschichte könnte er nur mit einem taktisch klugen Rückzieher schreiben. 

Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen (CDU): Seine Niederlage wäre ein Triumpf für Rot-Rot-Grün Foto: picture alliance/Michael Reichel/dpa
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