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Die Komikerin Enissa Amani will wegen ihrer Beleidigung gegen die AfD lieber ins Gefängnis als zu zahlen - oder doch nicht? Foto: picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt
Die Komikerin Enissa Amani will wegen ihrer Beleidigung gegen die AfD lieber ins Gefängnis als zu zahlen – oder doch nicht? Foto: picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt

Komikerin contra AfD
 

Beleidigte Minnie Maus mit Profilneurose

Es gibt sie noch, die wahren Helden der Meinungsfreiheit. Menschen, die klare Standpunkte haben, zu ihnen stehen und sogar bereit sind, wenn nötig für diese ins Gefängnis zu gehen. Aktuell will sich in diese Kategorie sogar eine Prominente einordnen, die man tendenziell eher nicht dort vermutet hätte; wenn auch eher in einer Art „beleidigte Minnie Maus mit Profilneurose“-Version.

Die Komikerin Enissa Amani hatte den AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Winhart 2019 in den sozialen Netzwerken öffentlich unter anderem als „Idiot“, „Bastard“ und „Rassisten“ bezeichnet – und dem 38jährigen Volksverhetzung vorgeworfen. Anlaß war ein polternder Wahlkampfauftritt des bayrischen Politikers im September 2018, bei dem dieser vor „Albanergruppen“ in der häuslichen Altenpflege gewarnt hatte. Zudem äußerte er bezugnehmend auf HIV-, Krätze- und TBC-Fälle in seinem Landkreis, daß er, wenn ihn in seiner Nachbarschaft ein „Neger“ anhuste, wissen wolle, ob dieser krank sei oder nicht.

Dies löste bei der in Teheran geborenen Bühnenkünstlerin große Wut aus. Auf Instagram tobte Amani: „Andy Winhart, du elender Rassist!“ und stellte dabei Fragen, warum die AfD diesen Mann nicht rauswerfe und ob „wir“ denn nichts aus der Vergangenheit gelernt hätten?

Amani wird selbst juristisch belangt

„Und jetzt kommen wieder diese Ottos, die sagen: ‘Ja, aber der Iran ist schlimmer.’ Natürlich ist der Iran schlimmer! Der Iran ist ja auch eine Diktatur! Täglich sterben Iraner, weil sie gegen diese Diktatur für Freiheit kämpfen! Deswegen haben Menschen wie meine Eltern den Iran verlassen und ihre Familien nie wieder gesehen! Umso mehr müssen wir in demokratischen Ländern wie in Deutschland ein Zeichen setzen!“, schrieb die heute 37jährige in ihrem damaligen Instagram-Post und forderte, daß der AfD-Mann von der Justiz belangt werde.

Stattdessen wurde sie inzwischen nach einer Anzeige des AfD-Abgeordneten offenbar selbst von der Justiz belangt. Auch das verarbeitete der weibliche Comedian natürlich auf ihren Social-Media-Kanälen. In einem 17 Minuten langen Video auf Instagram sagte sie, daß sie die Geldstrafe (nach eigenen Angaben: 1.800 Euro) zwar für „vergleichsweise gering“ halte, denn für Beleidigungen solle man zahlen, sie es allerdings nicht nachvollziehen könne, daß die Aussagen von Winhart über „Geflüchtete“ trotz mehrfacher Anzeigen bislang keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich gezogen hätten. Aus Protest sei sie daher bereit, eine Haftstrafe zu verbüßen, um damit „ein Zeichen“ zu setzen.

Genau hier kommt in der erfolgsverwöhnten Netflix-Komödiantin eben die beleidigte Minnie Maus mit der Profilneurose durch. Denn entweder man hält eine Strafe für unangemessen und geht deshalb dagegen vor – oder verweigert sich dieser; mit allen Konsequenzen. Eine andere Möglichkeit ist, das eigene Fehlverhalten anzuerkennen, das entsprechende Bußgeld zu zahlen und die Klappe zu halten.

Die Follower sollen Amani Ratschläge geben

Die ach so meinungsstarke Multimedia-Frau, die Leuten schon für deutlich weniger Rassismus vorwarf, will aber eine speziell auf sie angepaßte ausgleichende Gerechtigkeit. Eine Rechtsprechung, die nur dann Gültigkeit besitzt, wenn im selben Atemzug auch alles verurteilt wird, was sie gerne verurteilt haben möchte. Daß eine solche Justiz auf Gegenleistung nicht mit dem deutschen Rechtsstaat vereinbar ist, versteht Enissa Amani offensichtlich nicht. Auf Twitter bittet der weibliche Comedian seine Follower um Rat, wie sie mit dem ihr inzwischen offenbar zugestellten Haftbefehl umgehen soll.

Da steht ihr die linke Bubble natürlich gerne zur Seite. Ob die Ratschläge ihrer Internetfreunde allerdings so hilfreich sind, darf stark bezweifelt werden. „Ich muß da an Jose Bove denken, der immer sehr medienwirksam in den Knast gefahren ist (mit hunderten anderen Landwirten mit Traktor über die Autobahn etc.). Medienleute einladen. Die sollen das breittreten etc.“, schreibt ihr einer der Twitter-User.

Eine andere findet: „40 Tage kommen mir sehr lang vor. Aber mit dem Nicht-Bezahlen entsteht vermutlich mehr Presse, mehr Öffentlichkeit. Vielleicht erstmal Gefängnis und dann bezahlen, um nach einer Woche oder so wieder raus zu dürfen?“ Auch so nützliche Tipps, wie: „Hol Dir auf jeden Fall einen Rechtsbeistand“ gibt es unter ihrem Tweet zuhauf. Offenbar scheinen nicht mal ihre eigenen Fans Amani für besonders intelligent zu halten. Jedenfalls nicht für so intelligent, daß sie auf so geniale Ideen gekommen wäre, wie sich in einer Rechtssache von einem Anwalt beraten zu lassen.

Linken-Abgeordnete warnt vor „Rassist:innen“

Immerhin: Die meisten raten der Komikerin dazu, die Strafe einfach zu bezahlen. Dabei handelt es sich mitunter um Gründe, die selbst Teil eines Comedy-Programms sein könnten; vermutlich allerdings nicht ihres eigenen.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg schreibt: „Geh nicht ins Gefängnis. Der Typ wird es am Ende noch für sich instrumentalisieren und damit angeben, eine Gefängnisstrafe für seine Gegner erwirkt zu haben. Und während der sich damit groß macht, triffst Du vielleicht auf Rassist:innen im Knast und bist denen ausgeliefert.“

Das ist eine faszinierend groteske Vorstellung. So in etwa hätte die zum „Kult“ verklärte RTL-Frauenknast-Seifenoper „Hinter Gittern“ höchstwahrscheinlich ausgesehen, wäre sie von den Machern des ARD-„Tatorts“ geschrieben und produziert worden. Aber bringen wir sämtliche Beteiligten besser nicht auf dumme Ideen.

Die Komikerin Enissa Amani will wegen ihrer Beleidigung gegen die AfD lieber ins Gefängnis als zu zahlen – oder doch nicht? Foto: picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt
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