CSU-Chef Markus Söder (l.) und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet
CSU-Chef Markus Söder (l.) und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

CSU
 

Scholz’ Sieg und Söders Beitrag

Der Widerstand der CSU gegen den eigenen Kanzlerkandidaten der Union ist 2021 konsequenter und kompromißloser als 2017. Ging es den Christsozialen 2017 beim Thema Migration gegen Angela Merkel um eine konservative Identitätsfrage – sprich um die Sache –, geht es 2021 gegen Armin Laschet ums Rechthaben, also um die Person. Daß sich die bayerische Volkspartei schlußendlich hinter Merkel stellen konnte, was sie vier Jahre später bei Laschet nicht übers Herz bringen will, sagt nichts über Merkel oder Laschet, aber viel über den politischen Haushalt einer Partei aus: Von Überzeugungen ist man in München nicht belastet, aber eitel und stolz.

Verglichen mit Söder ist Seehofer eine Jeanne d’Arc der Standhaftigkeit

Mit Merkel hatte die CSU 2015 fortfolgend ihren Unfrieden in Sachen Einwanderung, Flüchtlinge und Asyl gemacht. Damals stand die Union am Scheideweg und vor der Orientierungsfrage einer Volkspartei, die auch als konservativ verstanden werden will. Nach vollmundigem Theaterdonner folgte man der Kanzlerin. Denn wenn Merkel zu der lakonischen Prinzipienlosigkeit des „Nun sind sie halt da“ fähig war, dann entdeckte die CSU, daß sie eine ähnliche Gleichgültigkeit besitzt, wenn es um Machtfragen geht.

Daß die Christsozialen augerechnet mit Laschet inhaltlich kein Konfliktpotenzial mehr finden, geht auf jene Kapitulation 2017 zurück – mit der Folge, daß die CSU in der Union heute die linkere Partei ist. Die Pointe dieses Treppenwitzes der Geschichte ist, daß Horst Seehofer im Vergleich zu dem ihm nachfolgenden Markus Söder geradezu eine Jeanne d’Arc politischer Standhaftigkeit war.

CSU ermöglicht den Linksrutsch, vor dem sie warnt

Die politische Lage vor dem 26. September ist schnell zusammengefaßt: In einem aufgeblähten Parteiensystem ist die CDU natürlich geschrumpft. Daß man mit Mitte 20 Prozent den Kanzler stellen könnte, ist ein Vorteil, wenn man einen schwachen Kandidaten hat. Aus eigener Kraft kann die CDU diese Marke bundesweit kaum erreichen. Sie ist auf die Kraftreserve der CSU als Sondergebilde im deutschen Parteiensystem angewiesen.

Was zu Ende gedacht bedeutet: Eine vorbehaltlose Unterstützung durch die bayerische Schwesterpartei würde das Klammern der Union an der Macht verlängern und Armin Laschet zum Kanzler machen. Weil die Christsozialen diesen Dienst nicht leisten wollen und ironischerweise eine seit Jahren orientierungslose SPD zu Korpsgeist und Disziplin findet, ermöglicht die CSU selbst eben jenen Linksrutsch, vor dem sie die Chuzpe hat zu warnen. Bis zum Wahltag bleibt deshalb nur eine Frage offen: Ist das der Witz oder die Pointe?

CSU-Chef Markus Söder (l.) und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
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