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Katar-Sponsoring: FC Bayern: Erst das Fressen, dann die Moral

Katar-Sponsoring: FC Bayern: Erst das Fressen, dann die Moral

Katar-Sponsoring: FC Bayern: Erst das Fressen, dann die Moral

Jahreshauptversammlung 2021 des FC Bayern München e.V..
Jahreshauptversammlung 2021 des FC Bayern München e.V..
Bayern-Präsident Herbert Hainer und Oliver Kahn (Vorstandsvorsitzender FCB) auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern Foto picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
Katar-Sponsoring
 

FC Bayern: Erst das Fressen, dann die Moral

Wenn man sich zum Hüter der Moral aufschwingt, kann man tief fallen. Der FC Bayern fällt und fällt. Dabei geht es nicht um den Abstieg in die Bezirksliga, sondern ums liebe Geld. Sportvereine haben eine wichtige Vorbildfunktion. Ihre Botschaften sind: Wenn du dich anstrengst, kannst du viel erreichen. Komm ins Training, anstatt auf der Straße abzuhängen. Nimm keine Drogen! Fairneß ist alles!

Sie bekommen öffentliche Zuschüsse und Fördergelder und tragen eine große soziale Verantwortung, ob im Dorf oder auf Landesebene. Je größer ein Sportverein ist, desto genauer schaut man hin. Der FC Bayern ist mit über 290.000 Mitgliedern der größte Verein der Welt, was er macht, hat internationale Signalwirkung. Wenn man seit Jahren Millionen von einem Staat kassiert, der es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt, stellt sich die Frage nach der eignen Integrität.

Was war passiert?

Bayern-Mitglied und Rechtsreferendar Michael Ott hatte für die Jahreshauptversammlung des FC Bayern Ende November beim Präsidium einen Antrag auf Beendigung des Sponsorings von katarischen Staatsfirmen gestellt. In erster Linie ging es um den Sponsor „Qatar Airways“.

Der Sponsoring-Vertrag wurde 2018 zwischen dem Rekordmeister und der Staats-Airline aus Doha geschlossen. Laut Bild beträgt die jährliche Zuwendung etwa 17 Millionen Euro. Der umstrittene Vertrag für das Ärmelsponsoring läuft noch bis 2023. Obwohl Michael Ott den Antrag fristgerecht eingereicht hatte, ließ ihn das Präsidium nicht zu. Daraufhin leitete er rechtliche Schritte ein. Sowohl Amtsgericht als auch Landgericht lehnten sein Anliegen jedoch ab.

Auch Otts Spontanantrag zur Abstimmung über die Beendigung der Partnerschaft spätestens zum Vertragsende 2023 auf der Jahreshauptversammlung schmetterte die Vereinsführung in der vergangenen Woche ab. Das Präsidium verwies wiederum auf die Entscheidung des Landgerichtes München, wonach „die Geschäftsführung und somit auch das Thema Sponsoring für den Bereich Fußball ausschließlich Aufgabe des Präsidiums sei und damit der Zuständigkeit der Mitgliederversammlung entzogen“. Die Bayern Bosse hätten den Mitgliedern auch einfach sagen können: Das geht euch einen Dreck an, woher das Geld kommt.

Das haben viele der anwesenden Mitglieder auch so verstanden und so entlud sich beim Konvent der Frust der Fans gegenüber dem Präsidium. Mit lauten Buh-Rufe und Pfiffen machten die Kritiker des Katar-Sponsorings ihrem Ärger Luft.

„Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt“, skandierten sie wütend. Viel hatten der Ehrenpräsident Uli Hoeneß und sein Nachfolger Herbert Hainer nicht entgegenzuhalten, außer die Wortmeldungsliste zu schließen und die Veranstaltung für beendet zu erklären. Hoeneß verließ sichtlich resigniert und wortlos das Podium. Später meinte er, es sei die schlimmste Veranstaltung gewesen, die er je beim FC Bayern erlebt hätte. Antragsteller Michael Ott sprach von einem „Offenbarungseid“ der Bosse.

Regenbogen-Binde auch in Katar?

Schon früher hat dagegen die Armbinde des Bayern Torhüters und Kapitäns Manuel Neuer für Diskussionen gesorgt. So zum Beispiel Anfang des Jahres beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim. Neuer war mit einer „Regenbogen-Binde“ aufgelaufen, um, wie es der FC Bayern auf seiner Homepage erklärt, „ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt“ zu setzen.

Als Neuer dies auch als Nationaltorhüter machte, handelte er sich eine Überprüfung durch die Uefa ein, die die Armbinde als „politisches Statement“ einordnete. Später erlaubte sie es ihm doch, da die Binde als Zeichen für Diversität und gegen Haß und Ausgrenzung als „good cause“ bewertet wurde.

Auf der einen Seite wirbt der Verein für Weltoffenheit und die Rechte Homosexueller, auf der anderen Seite ist er auffällig still, wenn es um die Menschenrechtsverletzungen und den Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter in Katar geht.

Seit Vergabe der kommenden Fußball-WM im Jahr 2010 sind mehr als 6.500 Gastarbeiter auf und um die Baustellen gestorben (für die niemand vor einem Spiel niederkniet), Homosexuelle werden kriminalisiert und strafrechtlich verfolgt. Das scheint den FC Bayern aber nicht davor abzuhalten, seit Jahren ins Wintertrainingslager in Doha zu fliegen und die Millionen des Wüstenstaates ungeniert zu kassieren.

Bayern-Präsident Herbert Hainer und Oliver Kahn (Vorstandsvorsitzender FCB) auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern Foto picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
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