Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Was haben Relotius, Baerbock und Merkel gemein?
 

Kaisers royaler Wochenrückblick

Der berühmteste Geschichten-Fälscher vom Spiegel, Claas Relotius, hat zum ersten Mal seit dem Betrugsskandal öffentlich zu seinem journalistischen Fehlverhalten Stellung bezogen. Die Aussagen, des Lügenbarons, geben Einblick in das Denken eines überzeugten Haltungsjournalisten. Er habe „in der unverrückbaren Überzeugung geschrieben, es würde bei der Erzählform Reportage keinen Unterschied machen, ob alles eins zu eins der Realität entspricht oder nicht“, sagte der einstige Star-Reporter vom Spiegel im Interview mit dem Schweizer Medium Reportagen.

Daß der Spiegel seine erfundenen Reportagen vor allem deshalb veröffentlich habe, weil diese so gut ins Weltbild der Redaktion paßten, bestreitet der Reporter, der für das Hamburger Nachrichtenmagazin ebenso wortgewaltige wie rührselige Geschichten über Rassismus in den USA, den Bürgerkrieg in Syrien und das Guantanamo-Gefängnis verfaßte. Für seine damaligen Auftraggeber hat Relotius bis heute eigentlich nur gute Worte. Gerade im Gesellschaftsressort habe er „hervorragende Kolleginnen und Kollegen“ kennengelernt, sagt Captain Fake News. Ein Lob, das seinen einstigen Kollegen runtergehen wird, wie sieden heißes Öl.

Zumal wir in diesem Fall davon ausgehen können, daß das Lob des Fälschers an die Spiegel-Redaktion ein ehrlich gemeintes ist. Besonders seinen ehemaligen Ressortleiter hebt der gefallene – oder eher aufgeflogene – Spiegel-Reporter positiv hervor. Er „habe überhaupt keinen Journalisten kennengelernt, dem es mehr um Handwerk, Inhalt und die Sache ging“ als Matthias Geyer. Ein schöneres Kompliment kann man sich unter Fake-News-Verbreitern doch gar nicht machen.

Hat Relotius an Baerbocks Lebenslauf mitgewirkt?

Auch bei Annalena Baerbocks Lebenslauf war wohl mehr der Wunsch Vater des Geschriebenen. Ihre Vita wird täglich neu entzaubert. Wobei man sich schon fragt, wer die Menschen überhaupt so dermaßen verhext hat, daß sie in der grünen Primadonna mehr gesehen haben als die arrogante, volksferne Öko-Monarchistin als die sich die Marie Antoinette der Benzinpreisgestaltung, nun auch öffentlich und für jeden erkennbar, mehr und mehr selbst entblößt.

Nachdem kürzlich schon aus den Reihen der Linkspartei der Vorwurf der unerträglichen Arroganz laut wurde, erinnern sich jetzt sogar die ersten SPD-Politiker wieder daran, daß man doch ursprünglich mal eine Partei der einfachen Leute gewesen ist, die sich zwar noch keinen Tesla leisten können, sich zumindest die Fahrt zur Arbeit aber trotzdem gerne weiter leisten können würden. „Wie arrogant seid Ihr eigentlich?“, twitterte kürzlich zum Beispiel der SPD-Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Wolfgang Schmidt in Richtung des grünen EU-Parlamentariers und politischen Elendstouristen Erik Marquardt.

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In der Welt der Annalena Baerbock, in der sie die geborene Kanzlerkandidatin ist, kannte man die Probleme des Plebs bislang allenfalls vom Hörensagen. So dürfte sich die Frau mit der täglich kürzer werdenden Biografie, angesichts der Arroganz-Vorwürfe von allen Seiten, vor allem eine Frage stellen: Wer sind all diese Menschen und warum verpesten sie mit ihrem Gemecker das Klima, statt in ein ihnen angemessenes CO2-armes Schweigen zu verfallen?

Lockdown zeigte keine Wirkung

Aber wen stören schon Fakten, dürfte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gedacht haben. Es ist mittlerweile wissenschaftlich untermauert. Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München hat dieser Tage die Notbremsen-Strategie der Bundeskanzlerin in der Corona-Krise zerlegt. Die Forscher sehen keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Zwangsschließungen seit November und Ausgangssperren und dem Infektionsgeschehen.

Die autoritäre Einschränkung unserer Grundrechte hat also offenbar nichts gebracht, außer Milliarden Verluste, eine enorme Zunahme an seelischen Erkrankungen und häuslicher Gewalt, sowie eine in ihrer Höhe noch nicht abschätzbare Zahl an vernichteten wirtschaftlichen und privaten Existenzen. Da wären wir mit Anarchie noch wesentlich besser gefahren als mit Merkels völlig außer Rand und Band geratenem Nanny-Staat.

Über Monate wurde über all dies vor allem in einer elitären Runde aus Mitgliedern des Bundeskabinetts und den Ministerpräsidenten entschieden. Den Ausnahmezustand will die Kanzlerin nun übrigens allen Fakten zum Trotz auch weiter aufrechterhalten. Und noch immer regt sich im Volk kein großer Widerstand – im Gegenteil. Große Teile der Bevölkerung sind froh, daß endlich richtig durchgegriffen wird und alle 16 Bundesländer auf eine einheitliche Linie gebracht werden.

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