Kaiser
Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
#WirHabenPlatz, Ramelow und Die Partei

Kaisers royaler Wochenrückblick

Nicht mal eine Woche nach dem mutmaßlich linksextremistisch motivierten Brandanschlag auf das Familienauto des AfD-Chefs Tino Chrupalla ist die Tat in der öffentlichen Wahrnehmung bereits wieder in den Hintergrund getreten und weitgehend vergessen. Die selektive Wahrnehmungsstörung, die viele Journalisten in Bezug auf Gewalt von links haben, erstreckt sich ganz offensichtlich auch auf deren Erinnerungsvermögen sowie die Motivation, an einer Story länger als die Spieldauer eines „Feine Sahne Fischfilet“ -Songs dranzubleiben.

Von Anfang an berichteten die meisten Medien nur sehr unwillig über die auf dem Privatgrundstück Chrupallas begangene Straftat. Obgleich sich der Bundestagsabgeordnete beim Versuch, das Feuer zu löschen, sogar eine Rauchvergiftung zugezogen hatte und mehrere Stunden im Krankenhaus verbringen mußte. „Eine Story ist eine Story ist eine Story“, sollte da doch eigentlich jeder Journalist, frei nach der Schriftstellerin Gertrude Stein, denken und ungeachtet der eigenen politischen Meinung intensiv über den Anschlag auf den Spitzenpolitiker berichten wollen.

Bodo, der Journalisten-Beglücker

Hier hatte man allerdings den Eindruck, daß sich viele Pressevertreter eher auf unangenehme Weise belästigt fühlten von dem „Rechtspopulisten“, der sie mit seinen öffentlichen Statements zu dem Anschlag doch letztendlich nur von ihrer wichtigen Aufklärungsarbeit zur Gefährlichkeit der AfD abhielt. Hatte man die Anschläge auf die meist-attackierte Partei in Deutschland bisher doch immer sehr erfolgreich ignoriert; also warum sollte das hier auf einmal anders sein?

Viel lieber berichteten die Nachrichtenmacher da über die Wiederwahl von Bodo Rammelow als Ministerpräsident von Thüringen. Dies schien vielen Journalisten die lange ersehnte Erlösung zu sein, für die sie so viele Nächte lang gebetet hatten. Daß der sozialistische Messias und Journalisten-Beglücker noch immer Vertreter der Nachfolgepartei der SED ist, ließ man dagegen wiederum einfach unter den Tisch fallen. Und das, obwohl die Linke gerade wieder in blutige Revolutionsfantasien verfiel, in der man mit dem Parteivorsitzenden fröhlich darüber schwadronieren kann, ob man Reiche denn nun lieber erschießen oder doch nur „nützlicher Arbeit zuführen“ sollte.

Doch zu etwas anderem: So manchem Profi-Spaßmacher dürfte in diesen Tagen das Lachen ein wenig vergangen sein. So zum Beispiel den Nummern 2 und 3 auf der Liste der komödiantischen Late-Night-Moralprediger, Joko und Klaas. Der NDR hat aufgedeckt, daß in den Shows der beiden Pseudo-Rebellen mehr gefaket ist als bei einem Gefängnis-Interview des ARD-Politmagazins „Monitor“.

In Wirklichkeit würde die Spontanität, auf die sich die Moderatoren stets so viel einbilden, vermutlich nicht einmal ausreichen, um bei einem Speed-Dating Carola Rackete rumzukriegen. Selbst wenn sie den von Joko Winterscheidt beworbenen Naßrasierer dabei hätten und  Klaas Heufer-Umlauf ihr die ganze Zeit etwas von der Flüchtlingspolitik der SPD vorseuseln würde.

Der digitale Gutmensch hat noch Platz

Auch „Die Partei“ hat schon fröhlichere Zeiten erlebt. Dort sehen sich „die Genossen“ gerade mit dem Vorwurf des strukturellen Sexismus in den eigenen Reihen konfrontiert. Mehrere weibliche Mitglieder berichteten über sexistische Sprüche in der Satire-Truppe. Sogar von handfesten sexuellen Übergriffen ist die Rede; oder, wie es der Vorsitzende Martin Sonneborn in einem internen Schreiben formuliert haben soll, von „PARTEI-FREUNDEN“, die „ihre Finger nicht bei sich behalten können“. Die Zeiten, in denen ein Hinternklatscher noch ein echter Schenkelklopfer war, sind wohl auch im politischen Arm der aufgesetzten guten Laune ein für alle Mal vorbei.

So richtig Spaß hatte diese Woche wahrscheinlich nur Donald Trump. Und zwar als sich im Laufe des sogenannten Super Tuesday immer mehr abzeichnete, daß sein demokratischer Gegner bei der nächsten Präsidentschaftswahl aller Voraussicht nach der biedere Meme-Generator Joe Biden sein wird. Aber vielleicht ist allzu große Heiterkeit in diesen Zeiten ja auch ethisch gar nicht mehr vertretbar.

Heute hat man keinen Spaß mehr, heute hat man Platz. Unter #WirHabenPlatz erfreut sich die linksgrüne Twitterblase aber immerhin mal wieder an ihrem eigenen heuchlerischen Möchtegernhumanismus. Der digitale Gutmensch möchte mit dem Hashtag signalisieren, daß man in Deutschland ruhig noch ein paar „Geflüchtete“ mehr aufnehmen könne und daß „ein neues Jahr 2015“ für ihn mehr Verheißung als Bedrohung ist.

Mit „wir“ meint er in aller Regel natürlich nicht sich selbst. Er hat ja gar keinen Platz; lebt er doch meistens noch bei Mutti oder in der Gender-Studierenden-WG. Und selbst wenn er Platz hätte oder vielleicht sogar hat, will er das „Wir haben Platz“ im Zweifel dann doch nicht so ganz wörtlich gemeint haben. Es geht wie bei den meisten Hashtags dieser Art einfach darum, zu zeigen, wie gut man selbst ist. Genauer gesagt: Wie sehr man all den Unmenschen da draußen, die einen solchen Hashtag überhaupt nicht oder wenn nur ironisch und zynisch verwenden, doch moralisch überlegen ist. Der Gutmensch ist und bleibt eben vor allem ein Bessermensch.

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